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Drei Torschützen, drei Geschichten

Welchen Ablauf hätte ein dem ÖFB-Team wohlgesonnener Drehbuchautor im Vorfeld für das Gastspiel in Aserbaidschan auserkoren?

Ein Skript, das die spätere Realität zum Inhalt gehabt hätte, wäre wohl als zu kitschig befunden worden.

  • Der zweieinhalb Jahre aus dem Nationalteam verbannte Andreas Ivanschitz erzielt gleich bei seinem Comeback den Führungstreffer und steuert auch noch zwei Assists bei.
  • Marc Janko beendet mit einem Doppelpack seine knapp zwei Jahre andauernde Durststrecke im ÖFB-Dress.
  • Zlatko Junuzovic darf über fünfeinhalb Jahre nach seinem ersten Länderspiel endlich über sein Premieren-Tor in der Nationalmannschaft jubeln.
  • Interims-Teamchef Willi Ruttensteiner führt Österreich im Spiel eins nach Didi Constantini zum ersten ÖFB-Auswärtssieg seit fünf Jahren (2:1 in Liechtenstein), sowie zum ersten Pflichtspiel-Erfolg in der Fremde seit Frühjahr 2005 (2:0 in Wales).

Kurzum: Dieses 4:1 in Aserbaidschan hatte viele Geschichten anzubieten. Im Mittelpunkt standen nach dem Schlusspfiff jedoch die Torschützen:

ANDREAS IVANSCHITZ:

Bald 28 Jahre alt, hat Andreas Ivanschitz in seiner Karriere schon einiges miterlebt – positiv wie negativ. Die aktuelle Woche wird wohl unter der Rubrik gelungen in seinen Memoiren Erwähnung finden.

Mit einer gewissen Nervosität sei er ins Camp in Bad Tatzmannsdorf eingerückt, gestand er zu Wochenbeginn. Nach dem Schlusspfiff in Baku konnte man ihm die Erleichterung über sein gelungenes Comeback merklich ansehen.

„Ganz ehrlich, mir ist ein großer Stein vom Herzen gefallen. Das war schon ein großer Druck. Ich habe mir viel vorgenommen für das Spiel, aber einen großen Verdienst hat die Mannschaft, die mich super aufgenommen hat. Ich denke, ich habe mich gut eingefügt und gleich Leistung gebracht“, gab der Mainz-Legionär zu Protokoll.

Ein Tor, zwei Assists – und das auch noch beim runden Jubiläum. Zweieinhalb Jahre musste Ivanschitz auf sein 50. Länderspiel warten. Zweieinhalb Jahre voller Missverständnisse mit Constantini. Zweieinhalb Jahre, in denen Ivanschitz gereift ist. Aber auch zweieinhalb Jahre, in denen sich andere ÖFB-Kicker profilieren konnten.

Ivanschitz, bei seinem 49. Länderspiel (0:2 in Graz gegen Schweden) noch gnadenlos ausgepfiffen, muss nicht mehr wie früher die Hauptlast der Kommunikation tragen. Die Kapitänsschleife behielt sein Kumpel Marc Janko.

Dass diesmal Trubel wegen seiner Rückkehr herrschte, lag auf der Hand. Nun hofft der Mittelfeldspieler, dass Normalität einkehrt: „Es bringt nichts, die lange Pause nach jedem Länderspiel neu aufzurollen. Das Thema ist erledigt, ich blicke nach vorne. Ich glaube, das war ein sehr guter Einstand.

Ein Einstand, den viele in der Position hinter Solo-Spitze Janko erwartet hätten. Doch Ruttensteiner postierte Ivanschitz links und rückte David Alaba auf die rechte Seite.

„Willi Ruttensteiner hat noch in Bad Tatzmannsdorf mit David und mir gesprochen und uns diesen Vorschlag gemacht, auch um Marko Arnautovic ein bisschen zu entlasten, damit er nicht so viel laufen muss und in der Zentrale mehr Aktionen nach vorne hat. Wir wollten zwei kompakte Viererketten haben, mit David rechts und mir links, da hat er eben mehr Vertrauen gehabt. Für mich war das überhaupt kein Problem. Ich denke, wir haben das beide auch gut gemacht.“

Gut tut es dem ÖFB-Team, endlich die leidige Negativserie in der Fremde beendet zu haben. „Wir haben auswärts fünf Jahre lang nicht gewonnen. Es war wichtig, jetzt wieder einmal ein Zeichen zu setzen, und vor allem auf diese Art und Weise ein Zeichen zu setzen. Die Türkei hat hier verloren, Belgien nur Unentschieden gespielt“, erklärte Ivanschitz, der das Ergebnis jedoch auch nicht überbewertet wissen wollte.

MARC JANKO:

„Ich muss einmal klar sagen, dass sich Andi Ivanschitz in den vergangenen zwei Jahren wie ein Sir verhalten hat. Das zeugt von seinem Charakter, deswegen freut es mich umso mehr, dass er mit so einer Leistung zurückgekommen ist“, zog Janko vor der Leistung des Rückkehrers den Hut.

Janko und Ivanschitz gelten als Freunde, beide teilen sich im Rahmen dieser ÖFB-Zusammenkunft ein Zimmer. Janko trägt inzwischen die Kapitänsschleife, die jahrelang den Arm von Ivanschitz zierte, was dieser bedingungslos akzeptiert. Ivanschitz lieferte zu beiden Janko-Toren die Vorlage.

Das Duo eint jedoch auch, dass sie es unter Constantini nicht immer leicht hatten. Während Ivanschitz erst gar nicht nominiert wurde, fand der Ex-Teamchef zuletzt keinen Weg, den Goalgetter ideal ins rot-weiß-rote Spiel einzubinden. Immer öfter fand sich der Spielführer daher auf der Ersatzbank wieder.

Nach dem Gastspiel in der Dalgha Arena gehören für Janko die Fragen nach seiner hartnäckigen Ladehemmung im Nationalteam nun endlich der Vergangenheit an. Am 14. Oktober beim 1:3 in Frankreich erzielte der 28-Jährige seinen letzten Länderspieltreffer, ehe er in Baku die Nummern acht und neun folgen ließ.

„Ein Stürmer braucht nicht nur Tore, ein Stürmer braucht auch das Vertrauen, und das habe ich von Willi Ruttensteiner eindeutig ausgesprochen bekommen. Er hat auf mich gebaut, und ich denke, ich habe es ihm ganz gut zurückgezahlt“, erklärt der 1,97-Meter-Riese, der auch die Rote Karte gegen Yunisoglu herausholte.

ZLATKO JUNUZOVIC:

Was denkt man sich im Moment seines ersten Länderspiel-Treffers? Der erste Gedanke von Junuzovic galt Austria-Kollege Florian Klein: „Er pickt mir immer ein Tape auf mein Handgelenk. Seitdem ich das habe, haben wir jedes Spiel gewonnen, und ich habe einige Tore geschossen. Deswegen war mein erster Gedanke, dass ich zu ihm laufen muss.“

„Zladdi“ gehörte definitiv zu den freudestrahlendsten Gesichtern an diesem siegreichen Abend, lief er seinem Premieren-Treffer – in der Nachspielzeit fixierte er den Endstand von 4:1 - nun doch schon einige Zeit hinterher. Das erste seiner bisher 15 Länderspiele absolvierte er gar schon beim Einstand von Teamchef Josef Hickersberger am 1. März 2006 beim 0:2 gegen Kanada.

„Sicher war es Zeit! Ich habe schon einige Vorlagen gemacht im Team, aber wenn man selbst ein Tor schießt, ist es extrem geil. Das Gefühl ist einfach unbeschreiblich“, jubelte der Austrianer, der schon im Vorfeld der Partie ein wenig mit dem Glücksmoment spekulierte:

„Ich wollte unbedingt in diese Partie reinkommen, denn der Kunstrasen liegt mir. Ich habe da immer Spaß zu spielen.“

Noch mehr Spaß würde es Junuzovic tendenziell machen, wenn er von Anfang an sein Können unter Beweis stellen dürfte. Nachdem er in Deutschland und gegen die Türkei gar nicht ran durfte, reichte es diesmal wenigstens zu einem Einsatz als Joker.

Ob er denn nun wieder an die Startelf anklopfen würde? „Das ist Geschmacksache des Trainers. Wir haben so viele gleich gute, individuell starke Spieler. Aber trotz alledem würde ich schon gerne in der Startelf spielen, das ist klar. Aber das ist die Entscheidung des Trainers.“

Auch in Astana wird am Dienstag gegen Kasachstan übrigens auf vom 24-Jährigen geschätzten Kunstrasen gespielt. Man darf gespannt sein, wie Ruttensteiner diesmal entscheidet…

Peter Altmann

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