"Man hat gesehen, dass wir riesiges Potenzial haben"

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Wenn Not am (Teamchef-) Mann ist, springt beim ÖFB Willi Ruttensteiner ein.

Negativschlagzeilen wurden in den bisherigen Partien unter Anleitung des hauptamtlichen Sportdirektors kaum geschrieben.

Vor sechs Jahren lieferte der Oberösterreicher als vorrübergehender Erbe von Hans Krankl ein couragiertes 0:1 gegen England in Old Trafford ab, ehe Nordirland im Happel-Stadion mit 2:0 besiegt wurde.

Am Freitag löste Ruttensteiner mit dem 4:1-Erfolg in Aserbaidschan Krankl als bis dato letzten Teamchef ab, der in einem Bewerbsspiel in der Fremde drei Punkte eroberte. Der Goleador durfte im März 2005 über ein 2:0 in Wales jubeln.

Ruttensteiner zeigte sich nach dem Sieg in Baku zufrieden, ortete jedoch gleichzeitig einige Phasen, in denen seine Mannschaft gewackelt habe. LAOLA1 weiß, wie der 48-Jährige Teil eins des österreichischen Asien-Trips analysiert:

WILLI RUTTENSTEINER…

…ÜBER DEN SIEG IN ASERBAIDSCHAN:

Es ist sehr schön, erstmals seit sechseinhalb Jahren wieder einen Auswärtssieg in einer Qualifikation erkämpft zu haben. Die Rote Karte war in einer entscheidenden Phase und auf das ganze Spiel gesehen sicher ein Vorteil für uns. Auf der anderen Seite haben wir den Sieg verdient, weil wir doch über 90 Minuten die klar bessere Mannschaft waren.

…ÜBER ANDREAS IVANSCHITZ UND MARC JANKO:

Natürlich, wenn diese Spieler die Tore machen, ist es schon eine besondere Geschichte, die dieses Spiel geschrieben hat. Auf der anderen Seite fällt es mir jedoch schwer, jemanden herauszuheben. Ich denke, dass von Pascal Grünwald bis vor zu Marc Janko die Mannschaft eine sehr gute Leistung geboten hat und in manchen Phasen meiner Meinung nach ausgezeichnet gespielt hat. Aber: Es hat auch Phasen gegeben, wo die Mannschaft schon gewackelt hat. Als kurz vor der Pause das Publikum gekommen und Aserbaidschan gefährlich geworden ist, hätte auch das eine oder andere Tor fallen können. Dem muss man sich bewusst sein. Aber es war ein Länderspiel, man spielt ja nicht gegen irgendwen. Dass eine Mannschaft überhaupt keine Chance hat, kommt nicht vor.

…DARÜBER, WAS ER UNTER DER WOCHE GEMACHT HAT, DASS DIESE LEISTUNGSSTEIGERUNG MÖGLICH WAR:

Ich denke, es war das ganze Team, das etwas gemacht hat. Wir haben wirklich versucht, uns einige Tage intensiv vorzubereiten. Mir ist da schon aufgefallen, dass die Mannschaft sehr konzentriert arbeitet, und das war für mich auch Voraussetzung, weil ich gewusst habe, dass Aserbaidschan ohne Konzentration und Einsatz nicht zu bezwingen ist. Wenn du nicht die gleiche Einsatzbereitschaft wie Aserbaidschan an den Tag legst, kannst du das Spiel nicht gewinnen, auch wenn du technisch besser bist. Das haben vielleicht sogar bessere Mannschaften als wir hier erleben müssen.

…DARÜBER, OB ES GEGEN ASERBAIDSCHAN SCHWIERIGER WAR ALS IM HEIMSPIEL:

Ich denke, dass es auswärts immer schwieriger ist. Man hat gemerkt, wenn das Publikum die Mannschaft anfeuert, gibt das Auftrieb. Dann kann es ganz gefährlich werden. Ich denke schon, dass dieses Spiel viel schwieriger gewesen ist als jenes in Wien. Trotzdem glaube ich, dass die Mannschaft eine sehr gute Leistung geboten hat. Ich hätte mir vor dem Spiel nicht erträumen lassen, dass wir Aserbaidschan so deutlich besiegen.

…DARÜBER, OB DIE ENTSCHEIDUNG, IVANSCHITZ LINKS ZU BRINGEN, NACH DEM TEST IN HARTBERG GEFALLEN IST:

Es war sicherlich eine Erkenntnis vom Testspiel. Wir wollten taktisch flexibel spielen – in der Defensive ein sehr flaches 4-4-2, und in der Offensive ein 4-2-3-1. Da ist es natürlich wichtig, dass du in der Defensive auf den Seiten schließen kannst. Ich denke, das haben Ivanschitz und Alaba sehr gut gemacht.

…ÜBER DIE KRITIK AN SEINER PERSON:

Natürlich bekommt man mit, wenn man persönlich angegriffen wird, aber ich habe versucht, mich voll auf das Spiel zu konzentrieren. Dieser Sieg ist keine Genugtuung für mich, sondern schön für die Mannschaft und den österreichischen Fußball. Man hat wieder gesehen, dass wir riesiges Potenzial haben. Das hat mir auch Berti Vogts bestätigt. Wir hatten Phasen, in denen wir ausgezeichnet waren, aber wie gesagt auch Phasen, in denen wir unsicher waren. Statt dass wir nach dem 1:0 stärker geworden sind, sind wir schwächer geworden. In der Pause habe ich die Spieler gefragt, ob sie Angst vor dem Gewinnen haben.

…ÜBER DIE KAPITÄNSFRAGE:

Ich habe entschieden, dass Janko Kapitän bleibt. Ich habe mit allen Drei – Ivanschitz, Fuchs und Janko – geredet und ihnen gesagt, dass Janko Kapitän bleibt, und es war für alle überhaupt kein Problem.

…ÜBER MARKO ARNAUTOVIC:

Wenn ein Spieler eine gewisse Genialität hat, passt uns das. Ist er in anderen Bereichen außergewöhnlich, wollen wir ihn disziplinieren, und das ist nicht richtig. Wegen seines Abgangs mache ich ihm keinen Vorwurf, da habe ich ihm die Hand gegeben. Ich verstehe, dass er nicht zufrieden ist, wenn er ausgetauscht wird. Wenn man als Spieler nicht ungern rausgeht, ist man fehl am Platz.

…ÜBER DAS SPIEL IN KASACHSTAN:

Der Kunstrasen in Kasachstan ist schneller. Der Gegner wird vom Niveau her ziemlich ähnlich sein. Es wäre besser gewesen, wir wären einen Tag länger in der Wärme von Aserbaidschan geblieben, weil man besser regenerieren kann, aber das hat sich kurzfristig leider nicht mehr ändern lassen.

Aufgezeichnet von Peter Altmann

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