In der enorm risikoreichen Ausprägung der Salzburger „Eurofighter“ wird man das ÖFB-Team jedoch wohl auch in Zukunft nicht auftreten sehen – mal abgesehen davon, dass auf Nationalteamebene die Zeit fehlt, dies in dieser Intensität einzustudieren, wie Koller nicht müde wird zu betonen.

Nach seinen ersten zwei Jahren im Amt, in denen er überwiegend am Defensivverhalten gefeilt hat, soll nun das Angriffsspiel vorangetrieben werden.

„Wir wollen das spielerische Element entwickeln. Das Pressing ist Defensivarbeit. Das gehört auch dazu, das wollen wir auch weiterführen. Es ist aber auch wichtig, Fußball zu spielen, und dazu haben wir die Spieler. Das ist wichtig, um Dominanz ausüben zu können. Das Spiel in der ersten Halbzeit in Schweden ist das Spiel, das mir vorschwebt, aber nicht nur über 45 Minuten, sondern über 90“, legt der 53-Jährige die Messlatte für seine zweite Amtszeit fest.

„Wenn du lang spielst, kannst du kein Pressing machen“

Koller erinnert sich wohl daran, dass in den ersten beiden Jahren seiner Amtszeit das Pressing nicht immer wie gewünscht funktioniert hat. Stand ein Gegner tief und drosch den Ball humorlos nach vorne, nutzten sämtliche Pressing-Versuche nur wenig.

Ein Mittel, das der Teamchef auch den Gegnern der Salzburger ans Herz legt: „Ich denke, ich würde als Trainer anders spielen. Du musst dir als Trainer Überlegungen machen, wie du dagegen angehst. Uns wurde auch schon die Frage gestellt, warum wir kein Pressing gespielt haben. Ich habe geantwortet: ‚Weil der Gegner das taktisch gut gemacht hat.‘ Sie haben den Ball nicht hinten rausgespielt, sondern lang gespielt. Wenn du lang spielst, kannst du kein Pressing machen. Das wäre vielleicht eine Überlegung der Trainerkollegen, ob man da etwas anders machen muss.“

Abseits der Spielphilosophie ist Koller bezüglich Salzburg naturgemäß mit personellen Fragen konfrontiert. Mit Stefan Ilsanker ist ein von der Öffentlichkeit vehement geforderter „Bulle“ am Sonntag anstelle des verletzten Rapidlers Guido Burgstaller in den Kader aufgerückt.

„Salzburg hat auch von uns profitiert“

Neben Ilsanker wurde vielerorts vor allem der inzwischen verletzte Linksverteidiger Andreas Ulmer im ÖFB-Aufgebot vermisst. Koller hielt für das Uruguay-Spiel ursprünglich seinem vertrauten Stamm die Treue und stellte in Aussicht, für das Camp Ende Mai/Anfang Juni, wenn mehr Trainingseinheiten auf dem Programm stehen, neue Gesichter zu testen.

Zudem betonte der Eidgenosse abermals, dass der Personalfluss zwischen Salzburg und ÖFB keine Einbahnstraße ist: „Salzburg hat auch von uns profitiert, weil wir mit Christoph Leitgeb einen Spieler eingesetzt haben, der bei Salzburg auf der Tribüne war. Bei uns kam er zum Spielen, hat das sehr gut gemacht, und sie konnten sich überzeugen, dass er ein guter Spieler ist. Mittlerweile ist er dort absolut gesetzt.“

Möglicherweise kann der gebürtige Steirer sein Können auch am Mittwoch in Klagenfurt von Beginn an zeigen, denn der Teamchef kündigte an, dass Aleksandar Dragovic diesmal nicht im defensiven Mittelfeld zum Einsatz kommen werde. Leitgeb ist fraglos einer der Kandidaten für diesen Job.

Plädoyer für Almer

Interessant wird auch eine Personalie, die zur Abwechslung nichts mit Salzburg zu tun hat, nämlich jene des Torhüters. Robert Almer ist bei Energie Cottbus inzwischen auf dem Abstellgleis geparkt worden. Ein Umstand, den Koller nicht nachvollziehen kann:

„Ich verstehe überhaupt nicht, was mit Robert abgeht. Er hat bei uns immer gute Leistungen gezeigt, hat uns nie enttäuscht. Wenn er beim Letztplatzierten der zweiten Liga nicht zum Spielen kommt, kann ich mir nicht vorstellen, dass es nur an der Leistung liegt. Ich denke, das hat andere Gründe. Ich will nicht spekulieren, aber rein sportlich kann ich ihm absolut nichts vorwerfen. Ich kenne ihn ja auch ein bisschen, ich kann mir nicht vorstellen, dass er in Cottbus völlig anders sein soll und sich danebenbenimmt.“

Für den Schweizer steht jedenfalls außer Frage, dass er weiterhin an Almer festhält: „Robert hat bei uns in der Qualifikation gespielt, da war er auch nur im Trainingsbetrieb. Er hat das Vertrauen gerechtfertigt. Ich sehe absolut nicht ein, warum ich das plötzlich nicht mehr machen soll.“

Die Vorzüge der „Urus“

Egal ob Almer oder doch Heinz Lindner gegen Uruguay das Tor hüten wird, der ÖFB-Keeper wird mit Ausnahmekönnern wie Luis Suarez oder Diego Forlan konfrontiert sein.

„Uruguay ist ein Spitzenteam“, verdeutlicht Koller, „sie versuchen technisch guten Fußball zu spielen, stehen defensiv sehr kompakt und diszipliniert. Wenn es dann nach vorne geht, sind sie extrem schnell. Sie sehen die Löcher, haben eine gute Wahrnehmung, um die Situation zu analysieren und dann geht es blitzschnell. Da müssen wir natürlich hellwach sein.“

Es sei jedoch nicht so, dass die Südamerikaner einen „explizit anderen Fußball“ spielen würden, dafür einen sehr effizienten: „Oberste Prämisse hat, dass sie wenig Tore kriegen. Defensiv sind sie sehr stabil. Vorne haben sie die Spieler, die die Schnelligkeit und Technik haben, um nach Balleroberung schnell umzuschalten. Die sind richtig geil auf Tore, sehr aggressiv im Sechzehner, du weißt nie, ob sie einen Doppelpass spielen oder alleine gehen. Das war schon auffallend.“

Dennoch möchte der Teamchef seine Elf auch gegen den WM-Vierten bestehen sehen: „Ich bin überzeugt, dass wir ein gutes Spiel zeigen können.“

Peter Altmann

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