Kollers "offene" geschlossene Gesellschaft

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Neues Jahr, alter Kader.

Dass Marcel Koller bevorzugt seinem gewohnten Spielermaterial vertraut, ist ein alter Hut. Demzufolge bietet auch der Kader für das Freundschaftsspiel gegen Uruguay am 5. März in Klagenfurt keine Überraschungen.

Erwähnenswert ist, dass sich Martin Hinteregger und Lukas Hinterseer gegen die USA nachdrücklich empfohlen haben und weiterhin die Chance bekommen, sich fix im A-Team zu etablieren.

Neu auf der Abrufliste ist Salzburgs Mittelfeldspieler Stefan Ilsanker, der mancherorts nach seinen konstant guten Leistungen im Aufgebot erwartet wurde.

Geschlossene Gesellschaft? „Es ist schon offen!“

Gegen die Kritik, sein Kader sei eine geschlossene Gesellschaft beziehungsweise das Leistungsprinzip außer Kraft gesetzt, wehrt sich der ÖFB-Teamchef jedoch mit Nachdruck:

„Wir haben in den zwei Jahren eine Gruppe kreiert, bei der wir aus unserer Sicht das Gefühl haben, das sind jene, mit denen wir am weitesten kommen können. Die haben in dem Sinne natürlich einen Bonus. Wenn man genauer hinguckt, sieht man, dass Hinteregger beim USA-Spiel das erste Mal mit dabei war. Jetzt ist er wieder mit dabei. Hinterseer ist auch noch nicht so lange mit dabei – er ist gegen die Färöer dazugekommen und hat gegen die USA ein gutes Spiel gemacht. Also: Es ist schon offen!“

Für einen Kurzlehrgang wie jenen vor dem Kräftemessen mit dem südamerikanischen WM-Starter waren größere Änderungen ohnehin nicht zu erwarten. Koller stellt jedoch in Aussicht, dass für das längere Camp Ende Mai/Anfang Juni in Tirol (Testspiele gegen Island und in Tschechien) der eine oder andere Neuling mit von der Partie sein könnte, weil mehr Zeit vorhanden ist, diesem im Training auf die Beine zu schauen.

Spieler

Verein

Länderspiele

Tore

TOR:

Robert Almer

Energie Cottbus/GER

13

0

Heinz Lindner

FK Austria Wien

5

0

Ramazan Özcan

FC Ingolstadt/GER

1

0

ABWEHR:

Aleksandar Dragovic

Dynamo Kiew/UKR

27

0

György Garics

FC Bologna/ITA

38

2

Christian Fuchs

FC Schalke 04/GER

60

1

Florian Klein

RB Salzburg

17

0

Emanuel Pogatetz

  1. FC Nürnberg/GER

60

2

Sebastian Prödl

SV Werder Bremen/GER

44

4

Markus Suttner

FK Austria Wien

10

0

Martin Hinteregger

RB Salzburg

1

0

MITTELFELD:

David Alaba

FC Bayern München/GER

31

6

Marko Arnautovic

Stoke City/ENG

32

7

Guido Burgstaller

SK Rapid Wien

7

0

Martin Harnik

VfB Stuttgart/GER

42

10

Andreas Ivanschitz

Levante UD/ESP

66

12

Zlatko Junuzovic

SV Werder Bremen/GER

29

4

Veli Kavlak

Besiktas Istanbul/TUR

29

1

Christoph Leitgeb

RB Salzburg

36

0

Marcel Sabitzer

SK Rapid Wien

3

0

ANGRIFF:

Lukas Hinterseer

FC Wacker Innsbruck

1

0

Marc Janko

Trabzonspor/TUR

37

16

Andreas Weimann

Aston Villa/ENG

10

0

AUF ABRUF:

Thomas Gebauer

SV Ried

0

0

Manuel Ortlechner

FK Austria Wien

9

0

Christopher Trimmel

SK Rapid Wien

3

0

Andreas Ulmer

RB Salzburg

2

0

Kevin Wimmer

  1. FC Köln/GER

1

0

Stefan Ilsanker

RB Salzburg

0

0

Jakob Jantscher

NEC Nijmegen/NED

16

1

Philipp Hosiner

FK Austria Wien

5

2

Philipp Zulechner

SC Freiburg/GER

1

0

Robert Zulj

RB Salzburg

0

0

„Nicht gewillt, bei jedem Länderspiel fünf, sechs Neue dazuzunehmen“

„Wenn man eine Idee vermitteln will, ist es schwierig, an einem Tag alles mitzugeben, was die anderen schon zwei Jahre hören. Deswegen haben wir uns entschieden, auf diese Spieler zu setzen, weil wir von ihnen speziell überzeugt sind und sie uns auch noch nicht groß enttäuscht haben“, verdeutlicht der Schweizer.

Auch wenn es für „Außenstehende“ inzwischen schwerer geworden sei, geschlossen sei die ÖFB-Gesellschaft laut Koller keineswegs.

„Da muss man auch ein gewisses Verständnis für mich haben, dass wir nicht gewillt sind, bei jedem Länderspiel fünf, sechs Neue dazuzunehmen und jedes Mal von vorne zu beginnen. Wenn ein Spieler aus unserer Sicht die Klasse hat und wir ihn unbedingt brauchen, sind wir die ersten, die sagen: ‚Tut uns Leid, der Neue ist aus unserer Sicht besser als du, du bist nicht mehr mit dabei‘“, erklärt der 53-Jährige.

Die Altersstruktur passt

In die Karten spielt dem Eidgenossen, dass er die kommende EM-Qualifikation vom Alter her noch jedenfalls mit seinen aktuellen Stammkräften absolvieren kann. So gesehen scheint es derzeit die einzige perspektivische Änderung zu sein, dass der 21-jährige Hinteregger in der Innenverteidigung den Kaderplatz des bald 34-jährigen Manuel Ortlechner bekommt.

Koller: „Von der Altersstruktur her fallen wir nicht so aus dem Rahmen, dass während der EM-Quali plötzlich vier oder fünf Spieler zurücktreten oder nicht mehr weitermachen können. Von dem her passt das. Wir schauen aber speziell die Jungen, die in der U21 mit dabei sind, genau an, um den Übergang gut zu meistern. Aber es wird sicher nicht so sein, dass wir den Kader auf den Kopf stellen.“

Zu Beginn seiner Amtszeit im Herbst 2011 war es das Ziel des Schweizers, einen Pott von 25 bis 30 Spielern zu haben, denen er gerne seine Idee vermitteln möchte. Dieses Ziel betrachtet er als erreicht:

„Wir sind in den letzten zwei Jahren weiter gekommen. Junge Spieler haben sich entwickelt, genauso Spieler aus der österreichischen Bundesliga. Dieser Pott ist größer geworden. Wenn einer einmal ausfallen sollte, haben wir Spieler, die man nachholen kann.“

Der Countdown läuft längst

Gegen Uruguay möchte Koller auf den Erkenntnissen des 1:0-Testspielerfolgs gegen die USA aufbauen. Soll heißen: Neben dem gewohnten Spiel nach vorne soll sich die ÖFB-Elf situationsabhängig auch zurückziehen und die Räume enger machen: „Da ist es wichtig, Defensivarbeit zu leisten, Zweikämpfe zu gewinnen und dann bei Ballgewinn wieder schnell nach vorne zu kommen.“

Der Teamchef ist froh, dass Uruguay mit dem stärksten Aufgebot inklusive der Stürmer-Stars Edinson Cavani, Luis Suarez und Diego Forlan nach Klagenfurt reist.

Als Start des Countdowns für die EM-Qualifikation möchte Koller diesen Test jedoch nicht verstehen, dieser läuft nämlich schon längst: „Der Countdown hat schon beim November-Spiel gegen die USA angefangen. Da haben wir noch die WM-Quali abgehakt, dann aber schon nach vorne geguckt mit dem Ziel, uns für Frankreich zu qualifizieren.“

Peter Altmann

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