"Wir können dem Druck in der Ukraine entfliehen"

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Ukraines Teamchef Oleg Blochin spazierte vorsichtig grinsend durch die Mixed Zone im Kufsteiner Grenzlandstadion.

Für eine Wortspende stand der Schweiger nicht zur Verfügung, aber er wusste sichtlich, dass seine Mannschaft eine gelungene Etappe am Weg zur Heim-EURO hingelegt hat.

Mit 4:0 besiegte seine klar überlegene Elf Estland. Ein deutliches Ergebnis, das ob zahlreicher vergebener hundertprozentiger Chancen viel höher hätte ausfallen müssen.

„Wir haben total dominiert, gute Pässe gespielt, gute Chancen herausgespielt und Tore gemacht. Das war wichtig für uns“, erklärte Bayern-Profi Anatoliy Timoshchuk zufrieden.

Shevchenko zufrieden

Andriy Yarmolenko brachte den EM-Gastgeber bereits in Minute neun in Führung. Oleg Gusev erhöhte in Minute 34 per Elfmeter, Andriy Voronin (41.) fixierte den Pausenstand. Unmittelbar nach Wiederanpfiff stellte Artem Milevsky (50.) nach wunderbarer Vorarbeit von Andriy Shevchenko den Endstand her.

Der alternde Superstar wurde zur Pause eingewechselt und deutete in zahlreichen Szenen seine immer noch große Klasse an.

„Ich bin mit allem sehr zufrieden, unser Team hat einfach gut gespielt. Der Gegner war natürlich nicht so stark wie jene, die bei der EM auf uns warten. Aber für den jetzigen Zeitpunkt der Vorbereitung ist die Verfassung des Teams wirklich gut“, freute sich der 35-Jährige.

Davon konnte sich auch ÖFB-Teamchef Marcel Koller gemeinsam mit seinen Assistenten Fritz Schmid, Thomas Janeschitz und Otto Konrad ein Bild machen. Am Freitag wartet Österreich im Innsbrucker Tivoli-Stadion als zweiter Sparring-Partner der Ukraine im Hinblick auf ihr Heim-Event.

„Flucht“ nach Österreich

Knapp zwei Wochen vor einem derart wichtigen Turnier in der Heimat ein Länderspiel in derart provinziellem Ambiente wie in Kufstein zu bestreiten, mag auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen.

Für Shevchenko erfüllt das Camp in Walchsee jedoch seinen Zweck: „Die Bedingungen für die Vorbereitung hier sind fantastisch, und wir konnten dem Druck entfliehen.“

Denn in der Heimat seien inzwischen alle Augen auf die Nationalmannschaft gerichtet: „In der Ukraine haben die finalen Vorbereitungen begonnen, die Leute reden sehr viel über die EURO. Ich glaube, wenn wir dort geblieben wären, würden wir mehr Druck verspüren. Hier können wir in Ruhe Freundschaftsspiele bestreiten.“

Eine Erwartungshaltung im eigenen Land, die das ÖFB-Team bestens kennt. Die Ukraine darf jedoch getrost höher eingeschätzt werden, als das österreichische Team des Jahres 2008. Mit England, Frankreich und Schweden haben die Osteuropäer jedoch eine schwierige Gruppe erwischt.

Gute Mischung

„Sheva“ setzt jedoch auf die Fortschritte der letzten beiden Jahre und die Weiterentwicklung einiger Youngsters: „Ich denke, wir haben uns in den letzten zwei Jahren enorm verbessert. Man sieht, dass viele junge Spieler wie Andriy Yarmolenko und Evgen Konoplyanka nachrücken. Das ergibt eine gute Mischung aus alten und jungen Spielern. Die Atmosphäre im Team ist wirklich gut.“

Dies kann die Blochin-Truppe auch am Freitag gegen Österreich und am kommenden Dienstag in Ingolstadt gegen die Türkei unter Beweis stellen – die letzten beiden Probeläufe vor dem Ankick zur großen Bewährungsprobe vor heimischem Publikum.

Timoshchuk: „Das werden noch zwei schwierige Spiele für uns.“

Peter Altmann

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