Christliche Entscheidungen des Teamchefs

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Stell dir vor, es ist Trainingslager und keiner geht hin.

So, oder zumindest so ähnlich könnten Beobachter im tirolerischen Seefeld zur Zeit empfinden.

Statt einer hart trainierenden Nationalmannschaft sieht man auf dem Fußballfeld maximal den Platzwart bei seiner Arbeit.

Nach der wegen Regens abgesagten Einheit am Dienstagnachmittag gab Marcel Koller seinen Schützlingen auch den ganzen Mittwoch frei. Diese Ruhe am siebenten Tag zieht biblische Assoziationen mit sich.

„Es ist wichtig, dass es auch einmal eine Belohnung gibt“, erklärt der Teamchef die nicht alltägliche Maßnahme aber ganz rational.

Auf die Spieler achten

Angesichts von 20 angesetzten Trainings in elfeinhalb Tagen sei es wichtig, „nicht stur sein Programm durchzuziehen, sondern auf die Spieler zu achten.“

„Machen sie mit? Sind sie voll dabei? Sind sie engagiert und aufmerksam genug, das Geforderte durchzusetzen?“, lauteten die Fragen, nach denen die Adaptierung des Trainingsplans vorgenommen wurde.

Es gilt zu beobachten, „auf der einen Seite, wie sie sich früh morgens beim Doktor einfinden, wie ihre Testergebnisse aussehen, auf der anderen Seite, wie sie sich auf dem Platz bewegen.“

Die Auswertung der medizinischen Tests, mit denen der Morgen im Regelfall für die Nationalspieler beginnt, und Unkonzentriertheiten auf dem Platz wie „Stoppfehler, die der eine oder andere macht, von dem man das sonst nicht erwartet“, haben demnach für Koller den Ausschlag für diese Entscheidung gegeben.

Für freie Köpfe

Nach den intensiven Tagen im Team-Camp steht für die Spieler eine Zeit der Regeneration auf dem Programm, eine Pause, die sie sich selbst verdient haben.

„Bis jetzt war das sehr zufriedenstellend. Es gibt keinen Grund zu klagen. Sie ziehen voll mit und setzen die Dinge um, die wir vorgeben“, zeigt sich der Schweizer einmal mehr vom Einsatz und der Einstellung der rot-weiß-roten Kicker begeistert.

Dass dadurch die Vorbereitung auf das Länderspiel gegen die Ukraine am Freitag, dem 1. Juni, beeinträchtigt wird, glaubt der 51-Jährige indes nicht:

„Wir haben noch Zeit, die Spannung wieder hochzukriegen und für die Ukraine bereit zu sein. Das Spiel optimal vorzubereiten, ist immer das Wichtigste. Aber natürlich auch frische Kräfte zu tanken, den Kopf frei zu kriegen.“

Seine Erfahrung habe ihn gelehrt, dass es für einen Spieler besser ist, „wenn du wegkommst und dann wieder dabei bist. Dann bist du voll motiviert und hast mehr davon, als das Programm durchzuziehen und eine Verletzung zu riskieren.“

Frage nach dem Alternativprogramm

Arnautovic, Alaba und Co. Haben somit nun Zeit, „mal etwas Anderes zu tun, als im Hotelzimmer zu sitzen und auf dem Fußballplatz zu stehen“, wie es Koller ausdrückt. Was das sein wird, sei dem Chef des Trainerteams egal:

„Es interessiert mich nicht. Die Spieler sollen ja nicht das Gefühl bekommen, ich spioniere ihnen nach. Sie sollen frei sein und das machen, wozu sie Lust haben.“

Ob die Kicker ihre zur freien Verfügung stehende Zeit nun auf dem Golfplatz oder etwa im Casino verbringen, kann nur gemutmaßt werden.

Fest steht, dass alle um 20 Uhr wieder im Hotel sind. Oder wie Koller es passend zur Ruhe am siebten Tage ausdrückt:

„Zu einer christlichen Zeit!“


Christian Eberle

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