Lindners Bubentraum

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"Davon habe ich schon als kleiner Bub geträumt"

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Seit Donnerstagabend wusste Heinz Lindner, dass er sein Debüt im Nationalteam feiern wird.

Ein Meilenstein in der Karriere jedes Fußballers, den man vermutlich am Liebsten in die Welt hinausschreien würde. Doch Schweigen hieß die Devise.

„Ich habe mit der Information noch nicht rausrücken dürfen, da es nicht an die Öffentlichkeit kommen durfte“, erzählt der 21-Jährige, der jedoch eine nachvollziehbare Ausnahme machte: „Die Familie hat es natürlich schon erfahren und sich sehr gefreut. Sie ist sehr stolz auf mich.“

Der Austrianer hat sich im Laufe des Trainingslagers in Seefeld gegen die Bundesliga-interne Konkurrenz von Christian Gratzei (Sturm) und Lukas Königshofer (Rapid) durchgesetzt. Düsseldorf-Legionär Robert Almer, der bislang das Vertrauen von Teamchef Marcel Koller genoss, musste bekanntlich verletzungsbedingt die Heimreise antreten.

„Bei den Gegentoren kann er nichts machen“

„Der Teamchef hat mich vor dem Abschlusstraining in die Kabine gerufen und gesagt, dass ich gut drauf bin, er die Spiele der Austria verfolgt hat und sehr zufrieden war. Im Training war ich auch gut in Form, also hat er mir mitgeteilt, dass ich beginnen werde, und dafür bin ich ihm sehr dankbar“, berichtet Lindner, der unter der Woche schon „ein bisschen damit spekuliert“ hat.

Nun war der 3:2-Erfolg gegen die Ukraine für einen Tormann kein sonderlich dankbares Spiel. Erstens war Lindner bei beiden Gegentreffern machtlos, zweitens bekam er ansonsten wenig Gelegenheit, sich auszuzeichnen. Einzig bei einer Möglichkeit von Mileskiy war der Oberösterreicher zu einer Parade gezwungen.

„Einen Ball hat er sehr gut gehalten, bei den Gegentoren kann er nichts machen. Ich denke, dass gerade so ein Spiel für den Torhüter schwierig ist“, findet auch Koller, der hervorstreicht, dass der Schlussmann stets den Fokus bewahrt hat:

„Du musst ständig konzentriert und aufmerksam sein, dass nichts anbrennt. Das ist gerade für einen jungen Spieler, der vielleicht noch nicht diese Erfahrung hat, schwierig. Für uns war es eine gute Möglichkeit, ihn gegen einen starken Gegner zu sehen, und er hat die Aufgabe gut gelöst.“

"Dass es ein Sieg wurde, ist umso schöner"

Lindner schätzt, dass er das Vertrauen des Schweizers gerechtfertigt hat, auch wenn ihn die beiden Gegentreffer wurmen – vor allem das erste:

„Das war ziemliches Pech. Der Freistoß ist aus meiner Sicht in die linke Ecke gegangen. Ich habe gedacht, dass ihn keiner mehr berührt, deswegen habe ich mich auch geschmissen. Leider wurde der Ball genau in die Gegenrichtung abgefälscht, dort ist einer gestanden. Ich habe versucht, dass ich noch rechtzeitig auf die andere Seite rüberkomme, aber der hat das kapiert und den Ball quer gespielt. Solch eine Situation ist schwierig für den Tormann.“

Unterm Strich stand an seinem großen Tag dennoch ein Sieg: „Ich habe schon als kleiner Bub geträumt, dass ich einmal im österreichischen Nationalteam spielen darf. Dass es auch noch ein Sieg geworden ist, ist umso schöner.“

So gesehen war es auch ein versöhnliches Ende einer verpatzten Frühjahrs-Saison mit der Austria, in der die Teilnahme am Europacup verspielt wurde.

„Versucht, mich ins Rampenlicht zu spielen“

Inwiefern sich der Debütant im Kampf um das Einser-Leiberl für den WM-Quali-Auftakt gegen Deutschland in Stellung brachte, lässt sich schwer abschätzen. Am Dienstag gegen Rumänien wird Gratzei die Chance bekommen, Almers Abwesenheit zu nützen.

Für Lindner sind seine Karten jedenfalls nicht schlechter geworden: „Robert hat in den ersten beiden Spielen gespielt und dabei sehr gute Leistungen gezeigt. Ich glaube aber, dass meine Vorstellung auch ganz in Ordnung war. Ich habe versucht, dass ich mich ins Rampenlicht spiele und werde mich bemühen, mich weiter aufzudrängen.“

Nach Pascal Grünwald und Almer ist Lindner bereits der dritte Goalie, der seit vergangenem September seinen Nationalteam-Einstand gefeiert hat, und gleichzeitig der Vorreiter der jungen, rot-weiß-roten Torhüter-Welle:

„Es ist richtig, dass wir viele Wechsel gehabt haben, aber ich bin nicht der einzige Junge, der nachschiebt. Auch Lukas Königshofer und Jörg Siebenhandl haben Ambitionen nach oben. Christian Gratzei ist zwar kein Junger, aber ihn darf man nicht vergessen, er ist ein sehr guter Torhüter. Wir brauchen uns in Zukunft um die Tormann-Position in Österreich keine Sorgen machen.“

Peter Altmann

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