"Sicher ist man irgendwo stolz"

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"Da weiter machen, wo ich aufgehört habe"

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Vor zweieinhalb Jahren, im Herbst 2009, war das Nationalteam letztmals in Seefeld stationiert.

Damals bereitete sich das ÖFB-Aufgebot in der Tiroler Tourismusgemeinde unter Anleitung von Didi Constantini auf die beiden WM-Qualifikationsspiele gegen Litauen und Frankreich vor.

Erstmals mit von der Partie war ein 17-jähriges Juwel names David Alaba, das spätestens in dieser Saison beim FC Bayern den Talente-Status gegen jenen eines gefragten Stars getauscht hat – und das noch nicht einmal 20-jährig.

Nur allzu logisch, dass sich folglich auch die Zahl der Presseanfragen häufen: „Ich versuche, den goldenen Mittelweg zu finden. Angenehm ist etwas anderes, aber jeder muss in diesem Job wissen, dass es einfach dazu gehört. Ich versuche einfach, normal damit umzugehen.“

„Du führst 1:0 und zuckst komplett aus“

Nach dieser Devise absolvierte Alaba am Samstag auch seinen Medientermin im Rahmen des aktuellen Teamcamps und plauderte locker über diverse Themen.

Natürlich auch über die Causa prima der vergangenen Woche, das denkbar unglücklich verlorene Champions-League-Finale gegen Chelsea vor heimischem Publikum in München. Aufgrund einer Gelbsperre musste bekanntlich auch der Wiener auf der Tribüne Platz nehmen.

„Sicher war es bitter und enttäuschend für mich. Es hat ein bisschen gedauert, aber ich muss auch nach vorne schauen. Ich will einfach in der neuen Saison da weiter machen, wo ich aufgehört habe und meinen Weg weiter gehen“, betont Alaba, für den der Krimi im Endspiel der Königsklasse wie für alle Mitglieder der Bayern-Familie ein Wechselbad der Gefühle war:

„Unglaublich, die Gefühle sind schwer zu beschreiben. Du führst 1:0 und zuckst komplett aus. Dann kriegst du in der 88. Minute durch den ersten Eckball das 1:1. Im ganzen Spiel hat alles für uns gesprochen: Wir haben geführt, in der Verlängerung einen Elfmeter bekommen, haben auch im Elfmeterschießen geführt. Es ist wirklich sehr schade für uns, wir sind wirklich alle sehr traurig.“

„Sicher ist man irgendwo stolz“

Da sowohl die Meisterschaft als auch das direkte Duell im DFB-Pokal-Finale an Borussia Dortmund verloren wurden, fehlte einer an sich starken Saison die Krönung. Für Alaba selbst bedeutete die abgelaufene Spielzeit jedoch den ganz großen Durchbruch.

In 30 Bundesliga-, zehn CL- und sechs Pokal-Spielen stand er auf dem Platz, im Frühjahr machte er sich vor allem auf der Position des Linksverteidigers im Star-Ensemble eigentlich unentbehrlich.

Die BILD-Zeitung kürte in gar zum besten Bayern-Spieler der Saison. „Sicher ist man irgendwo stolz. Es ist ein schönes Gefühl so etwas zu hören“, freut sich Alaba über dieses Lob.

Da er jedoch kein Mann der lauten Töne ist und lieber Taten statt Worte sprechen lässt, rückt er im selben Atemzug seine Kollegen in den Mittelpunkt: „Ich muss mich aber bei der Mannschaft und dem gesamten Trainerstab bedanken, weil sie mir sehr geholfen haben und immer hinter mir gestanden sind.“

„Ich sitze nicht im Deutschland-Trikot vor dem Fernseher“

Speziell gelte dies für Franck Ribery: „Franck hat mir in jedem einzelnen Spiel defensiv sehr geholfen, obwohl er nicht so gern nach hinten läuft, und es mir sehr viel leichter gemacht.“

Der Franzose wird ebenso bei der EM zu bewundern sein, wie andere Bayern-Kollegen wie Arjen Robben oder vor allem die DFB-Fraktion um Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm und Mario Gomez.

Alaba glaubt nicht, dass die deutschen EURO-Chancen durch die jüngsten Negativerlebnisse der Bayern-Kicker gesunken seien: „Das sind alles Profis, die mit dem Druck umgehen und den Schalter umlegen können. Sie wollen natürlich mehr erreichen als in den letzten Jahren, wo sie auch in der Nationalmannschaft immer knapp ausgeschieden sind. Ich glaube, die Chancen stehen ganz gut, sie haben ein sehr, sehr gutes Team.“

Die Unterstützung ihres rot-weiß-roten Kumpels ist ihnen sicher, wenn auch mit augenzwinkender Einschränkung: „Natürlich drücke ich meinen Mannschaftskollegen die Daumen, aber ich werde jetzt nicht mit dem Deutschland-Trikot vor dem Fernseher sitzen.“

Barcelona? Manchester United? „Ich weiß nichts davon“

Darüber, welches Trikot Alaba in Zukunft tragen könnte, gab es in der jüngeren Vergangenheit diverse Spekulationen. Die Ausnahmeleistungen des jungen Österreichers sind freilich auch abseits des deutschen Sprachraums aufgefallen.

In Medienberichten wurde der 19-Jährige, dessen Vertrag in München bis 2015 läuft und der in seiner Kindheit großer Arsenal-Fan war, mit anderen Weltklubs wie dem FC Barcelona oder Manchester United in Verbindung gebracht.

„Ich weiß nichts davon, deswegen lasse ich mich davon auch nicht verrückt machen“, versichert Alaba, „ich versuche einfach, in jedem Training mein Bestes zu geben, mich weiterzuentwickeln, noch mehr dazuzulernen.“

„Ich fühle mich im Mittelfeld einfach wohler“

Denn am Ende der Entwicklung ist man in solch jungen Jahren logischerweise noch nicht. An seinen bisherigen Erfolgen hätten alle seine bisherigen Trainer ihren Anteil – wie Louis van Gaal und Jupp Heynckes bei den Bayern oder Marco Pezzaiuoli in Hoffenheim.

Genau wie seine Trainer im Nachwuchs, die „mich von Jahr zu Jahr weiter gebracht haben“, oder Ex-Teamchef Constantini, der „mich ins Nationalteam geholt hat. Das ist ein wichtiger Faktor in meiner bisherigen Karriere und er ein sehr wichtiger Trainer, der mich immer gefördert hat.“

Constantinis Nachfolger Marcel Koller plant Alaba trotz dessen Leistungsexplosion als Linksverteidiger weiterhin im zentralen Mittelfeld ein, womit er bei seinem Schützling offene Türen einrennt:

„Ich weiß, dass ich mich im Mittelfeld einfach wohler fühle, obwohl ich auch auf anderen Positionen spielen kann.“

„Wir sind noch mehr zusammengewachsen“

Koller möchte auf die Spielintelligenz seiner „Schaltstation“ nicht verzichten. Bereits in jungen Jahren ist Alaba im ÖFB-Team zu einem Führungsspieler avanciert, auch wenn er diese Bezeichnung tendenziell für übertrieben hält:

„Es kommt drauf an, wie man eine Führungsperson definiert. Ich versuche einfach, meine Stärken in das Team einzubringen, mein Spiel zu spielen und dem Team zu helfen. Wenn jeder einzelne versucht, das zusammenzubringen, glaube ich, dass wir in Zukunft eine gute Rolle spielen werden.“

So spricht ein Teamplayer par excellence. Und genau diese mannschaftliche Geschlossenheit sieht Alaba auch als größten Fortschritt zu seinen Anfängen im ÖFB-Team, damals in Seefeld:

„Diese zweieinhalb Jahre sind sehr schnell vergangen. Wir sind in dieser Zeit, seit ich dazu gekommen bin, noch mehr zusammengewachsen. Das kann man in jedem Training sehen und auch in den letzten Spielen. Wir agieren als Team sehr gut.“

Peter Altmann

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