"Wir wollen schauen, wie weit die Spieler sind"

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„Die Türkei ist ein sehr guter Test. Da werden wir sehen, wo wir stehen.“

Christian Fuchs bringt die Bedeutung der Generalprobe für den WM-Qualifikations-Auftakt gegen Deutschland auf den Punkt.

Vor dem Schlager gegen die Elf von Joachim Löw ist es für Teamchef Marcel Koller die letzte Gelegenheit, die bisherigen Fortschritte in seiner Amtszeit zu überprüfen und eventuell noch die eine oder andere Option zu testen.

„Für uns geht es darum zu schauen, wie weit die Spieler sind und wie weit die Idee, die wir umsetzen wollen, fortgeschritten ist. Da muss man Vollgas geben und darf nicht zurückhaltend spielen. Wir werden das Team schon so einstellen, dass wir alles abrufen müssen“, verspricht der Schweizer, laut dessen Ansicht es keine Freundschaftsspiele mehr gibt.

Neben der Verfestigung der zuletzt einstudierten defensiven Grundprinzipien ("Wer in Seefeld nicht dabei war, bekam eine Schnelllektion") legte Koller in den wenigen Trainingseinheiten diesmal mehr Wert auf die Offensive.

Wer ersetzt Janko?

Dass der 51-Jährige jene Startelf ausprobiert, die es am 11. September mit unserem Nachbarn aufnehmen soll, ist unwahrscheinlich. Es ist anzunehmen, dass der diesmal verletzte Marko Arnautovic bis dahin wieder fit ist und in Kollers Überlegungen eine große Rolle spielt. Ebenso wie der sich nach einer Verletzung noch im Aufbau befindliche Marc Janko, der diesmal definitiv nicht in der Startelf stehen wird.

Daraus, wer den nunmehrigen „Zweier-Kapitän“ ersetzen wird, macht der Teamchef ein Geheimnis, vielleicht ist er sich auch selbst noch nicht zu 100 Prozent sicher. „Ich habe zwar schon eine Elf im Kopf, muss aber noch zwei Positionen entscheiden“, berichtete er am Dienstag.

Ein Kandidat ist Patrick Bürger. Der Mattersburger löste Janko jeweils bei den beiden Begegnungen gegen die Ukraine und Rumänien in Innsbruck ab – seine ersten beiden Länderspiele. Dabei hinterließ der 25-Jährige einen bemühten Eindruck, hatte die eine oder andere gute Szene. Mit Sturm-Kicker Rubin Okotie wurde ein weiterer Bundesliga-Angreifer anstelle von Arnautovic nachnominiert.

Auch andere Ideen sind nicht auszuschließen. Eine Variante wäre, Martin Harnik vom rechten Flügel nach vorne zu ziehen und den Stuttgart-Legionär im Angriffs-Zentrum auszuprobieren. In der Dreierreihe dahinter könnte Koller dann neben den wohl gesetzten Andreas Ivanschitz und Zlatko Junozovic zum Beispiel Jakob Jantscher testen.

Letzte Möglichkeit, Varianten zu testen

Alles Spekulation, denn Trainingseindrücke ließen sich im Rahmen dieses Kurzlehrgangs keine sammeln, da mit Ausnahme des Aufwärmprogramms alle Einheiten zwecks professionellerer Vorbereitung unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfanden.

Koller deutete jedenfalls an, dass er die Gelegenheit für das eine oder andere Experiment wahrnehmen möchte: „Wir haben die letzte Möglichkeit, bevor es um Punkte geht, zu schauen: Kann das irgendwann einmal eine Variante sein?“

Dies gilt natürlich auch für den Part des verletzten David Alaba im zentralen Mittelfeld. Der Bayern-Jungstar kann gegen Deutschland wohl nur im Falle einer Wunderheilung mit von der Partie sein. Als erste Alternative hat sich gegen Rumänien Veli Kavlak aufgedrängt, aber auch Yasin Pehlivan und Christoph Leitgeb sind Optionen.

Heißer Konkurrenzkampf in der Innenverteidigung

Auch die Besetzung des Tormanns ist ein Geheimnis. Nachdem zuletzt Heinz Lindner und Christian Gratzei ran durften, könnte diesmal wieder Düsseldorf-Legionär Robert Almer an der Reihe sein.

Koller ist jedenfalls zufrieden, mit diesem Trio plus Lukas Königshofer „eine gewisse Regelmäßigkeit“ im Tor gefunden zu haben. Nun gelte es zu beobachten, wer sich als Nummer eins herauskristallisiert. „Wenn nichts Außergewöhnliches passiert, werde ich den Torwart im Tor lassen“, dürfte zumindest jener Goalie, der dann gegen Deutschland den Vorzug bekommt, vorerst gesetzt sein.

Offen erscheint auch die Besetzung der Innenverteidigung, wo mit Sebastian Prödl, Emanuel Pogatetz, Paul Scharner und Aleksandar Dragovic vier hochkarätige Kandidaten zur Verfügung stehen.

Als einziger dieses Quartettes steht Basel-Legionär Dragovic längst mitten im Liga-Betrieb, will dies jedoch nicht als Vorteil werten: „Jeder ist voll im Saft. Die Deutschland-Legionäre haben schon gefühlte sieben Monate Vorbereitung absolviert und viele Testspiele bestritten, wenn auch noch nicht unter Wettkampfbedingungen.“

„Gutes Zeichen, dass wir so viele hochqualitative Spieler haben“

Den großen Konkurrenzkampf im Abwehrzentrum wertet er als Vorteil: „Nur so entwickelt man sich weiter.“ Scharner schlägt in dieselbe Kerbe: „Es ist ein gutes Zeichen, dass wir so viele hochqualitative Spieler haben, das hilft in der Qualifikation weiter, denn im Endeffekt setzt sich Qualität durch.“

Wen auch immer Koller aufs Feld schickt, seine Elf soll Werbung in eigener Sache betreiben. Der ÖFB rechnet gegen die Türkei mit rund 20.000 Zuschauern, bezüglich Publikumszuspruch besteht also Luft nach oben.

Der Teamchef sieht sein Team in dieser Causa weiter in der Bringschuld: „Von unserer Seite muss etwas kommen, damit die Zuschauer kommen. Die Zuschauer wollen ein erfolgreiches Team sehen und dann werden sie auch kommen – wegen der eigenen Mannschaft und nicht weil es gegen einen Gegner aus einer Top-10-Nation wie Deutschland oder Brasilien geht.“

Der ÖFB-Coach weiß, dass gute Ergebnisse das beste Lockmittel für Zuschauer sind, und er auch daran gemessen wird, betont jedoch gleichzeitig, dass dies für ihn gegen die Türkei nicht im Vordergrund stehe: „Für uns ist das Entscheidende, wie weit wir unsere Philosophie umsetzen.“

Nur mit Sprüchen fährt man nicht zur WM

Um die Wurst, sprich die Qualifikation für Brasilien 2014, geht es ohnehin erst ab September. Auch diesbezüglich gibt Koller die Marschroute vor, nicht den zweiten vor dem ersten Schritt zu machen:

„Ich will auch gerne zur WM fahren, aber nur mit Sprüchen erreicht man das nicht. Sie werden von mir nie hören, dass wir dort hinfahren. Denn ich weiß, dass immer das nächste Spiel das wichtigste ist.“

So gesehen ist die Türkei ein guter Test, um zu sehen, wo das ÖFB-Team steht…

Peter Altmann

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