Experimentell und erfolgreich

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Letzte Möglichkeit wurde für Experimente genützt

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Teamchef Marcel Koller wurde im Vorfeld der Partie gegen die Türkei nicht müde zu betonen, dass es die letzte Möglichkeit sei, um etwas auszuprobieren.

Schließlich geht es ab dem kommenden Spiel gegen Deutschland in der WM-Quali ans Eingemachte. Somit kam es wenig überraschend, dass die Aufstellung von so gut wie keinem vorhergesagt werden konnte.

Gleich auf mehreren Positionen wurden neue Varianten ausprobiert. „Experimente“, die aufgrund des 2:0-Erfolgs nicht nach hinten losgingen.

Fazit: Der Schweizer hat nun Gewissheit, dass er mit dem vorhandenen Spielermaterial auf noch mehr Variabilität setzen kann, als vielleicht bisher angenommen.

Experiment 1: Die linke Seite

Mit Christian Fuchs und Markus Suttner schienen in der Aufstellung zwei Akteure auf, die beide bei ihren Stammklubs Schalke bzw. Austria links in der Viererkette gesetzt sind. Während Letzterer nach seinen gezeigten Leistungen gegen Rumänien, Ukraine und Finnland weiterhin verteidigen durfte, wurde der Kapitän ins Mittelfeld beordert.

„Ich hatte das schon länger im Kopf. Leider war Fuchs in den letzten beiden Spielen aber verletzt. Deswegen war das die letzte Möglichkeit, zu testen, ob das so gehen könnte“, begründet Koller die runderneuerte Variante auf der linken Außenbahn.

Vor allem für Fuchs war es eine ziemliche Umstellung, wie er LAOLA1 verriet: „Das letzte Mal habe ich das zu Bochum-Zeiten unter Koller gespielt, aber auch nur ein, zwei Spiele. Es war eine ungewohnte Rolle.“

Das Vorhaben wurde ihm schon am Anfang des Lehrgangs mitgeteilt. Defensiv harmonierte er gut mit seinem Stellvertreter, auch offensiv konnte er die eine oder andere Aktion verzeichnen.

Auch für Suttner kam es überraschend, dass er trotz der Rückkehr des Burgenländers weiterhin im Team blieb. „Es freut mich, dass ich die Chance gekriegt habe.“ Obwohl es „nicht schlecht ausgeschaut hat“, sieht der Austrianer noch Verbesserungspotenzial, vor allem wenn es darum geht, den Ball besser zu behaupten.

Die Ausrichtung könnte vor allem gegen Deutschland zum Tragen kommen, da gegen den Gruppenfavoriten defensiverprobte Spieler im Vorteil sind. „Wir sind zwei Spieler, die sehr viel in der Defensive arbeiten und sich gegenseitig absichern“, betonte auch Fuchs. „Das ist sehr, sehr wichtig gegen eine deutsche Offensive.“

Ob diese Variante über das Nachbars-Duell hinaus angewendet werden wird, entzieht sich Fuchs‘ Kenntnis. Schließlich sei seine favorisierte Rolle schon links hinten. „Aber wenn man mich im Mittelfeld braucht, bin ich da.“

Experiment 2: Harnik als Solospitze

Auch an vorderster Front überraschte Koller mit der Aufstellung von Martin Harnik als Solospitze. Marc Janko war aufgrund seines Trainingsrückstands noch kein Thema, die fitten Patrick Bürger und Rubin Okotie hatten aber auch das Nachsehen.

„Dass Harnik vorne spielen kann, haben wir gewusst“, nahm der Teamchef zu seinen Überlegungen Stellung. Mit seiner Schnelligkeit stellte er den Gegner vor Probleme, wie sich in der sechsten Minute zeigte, als er im gegnerischen Strafraum regelwidrig von den Beinen geholt wurde.

Doch auch für den Stuttgart-Legionär, der bei den Schwaben meist rechts in der Dreierkette hinter der Sturmspitze zum Einsatz kommt, war es eine ungewohnte Position:

„Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal Mittelstürmer war, aber ich denke, ich habe es so weit ganz gut gelöst. Es ist gut zu wissen, dass man dann immer noch Alternativen hat.“

Aufgrund des Überangebots an kreativen Spielern im Mittelfeld kam Koller die Harnik-Variante sicherlich entgegen. Ansonsten hätte er wohl auf einen aus dem Trio Ivanschitz-Junuzovic-Fuchs verzichten müssen. In der Hinterhand hat er auch noch den diesmal verletzt fehlenden Marko Arnautovic.

„Ich denke, dass wir in der Offensive gut besetzt sind. Wir haben viele Varianten zur Verfügung. Im Endeffekt muss der Teamchef die richtige Lösung parat haben“, meinte Harnik.

Experiment 3: Ivanschitz im rechten Mittelfeld

Durch die Experimente 1 und 2 resultierte Experiment 3. Durch Fuchs‘ Beförderung ins linke Mittelfeld war die Stammposition von Andreas Ivanschitz besetzt, dafür wurde durch das Vorrücken von Harnik rechts ein Platz frei.

Es ist nicht so, dass der Mainz-Legionär dort nicht schon die eine oder andere Erfahrung gemacht hätte, trotzdem sah man ihm anfangs doch das eine oder andere Orientierungsproblem an.

„Der Teamchef hat gleich bei meiner Ankunft gefragt, ob ich mir das vorstellen könnte. Ich habe diese Position schon gespielt, es ist aber schon länger her. Ich habe versucht, das Beste daraus zu machen, ein paar Aktionen sind auch gelungen.“

Spätestens mit seinem Elfmeter-Tor sammelte der ÖFB-Spieler mit den meisten Länderspiel-Einsätzen am Platz das nötige Selbstvertrauen, um sich auch rechts zu behaupten.

„Ich habe mich natürlich gefreut, es war mein zehntes Länderspiel-Tor. Den reingemacht zu haben, war sehr wichtig, auch für mich persönlich.“

Experiment 4: Kavlak als Alaba-Ersatz

Die Hiobsbotschaft im Fall David Alaba rief Sorgenfalten hervor. Doch mit Veli Kavlak wurde in Abwesenheit des Bayern-Profis ein adäquater Ersatzmann gefunden.

„David ist natürlich ein hervorragender Fußballer. Heute war er aber nicht dabei und die, die heute gespielt haben, haben ihren Job gut gemacht“, stellte Koller klar.

Unter Druck setzte sich sein Ersatzmann jedoch nicht, schließlich spielte er gegen Rumänien ebenfalls im defensiven Mittelfeld, allerdings an Alabas Seite. Zudem ist er in dieser Rolle bei Besiktas zum Stammspieler gereift.

„Ich spiele diese Position auch bei Besiktas und habe sie gegen Rumänien und die Ukraine gespielt. Für mich ist das nichts Neues, sondern ganz normal“, blieb der türkischstämmige Legionär bescheiden.

Bisher war es nicht die Stärke des Ex-Rapidlers, Torgefahr auszustrahlen. Mit seinem ersten Länderspiel-Tor schon in der zweiten Minute belohnte er sich selbst, auch wenn das mit Fortdauer der Partie druckvolle Spiel der Türken mehr Offensivaktionen nicht zuließ.

„Langfristig gesehen müssen wir da jedoch schon mehr Zug nach vorne entwickeln“, kündigte der ÖFB-Teamchef trotz der gelungenen Experimente an.


Alexander Karper/Peter Altmann/Jakob Faber/Harald Prantl

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