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"Der erste Eindruck ist der, der sehr lange anhält"

Wie zerronnen, so gewonnen.

90 Minuten lang vermittelte Pascal Grünwald bei seinem Nationalteam-Debüt einen sicheren Eindruck, ehe er seine Leistung mit dem verschuldeten Elfmeter in der Nachspielzeit beinahe getrübt hätte.

Doch Momente später bügelte der Goalie seinen Fehler beim Foul an Burak Yilamz wieder aus und parierte den Strafstoß von Arda Turan.

Damit rettete er dem ÖFB-Team das 0:0 gegen die Türkei und sich selbst den guten Eindruck beim Einstand.

„Ein zu null ist für einen Tormann immer sehr gut“

„Besser wäre es gelaufen, wenn der Elfmeter gar nicht erst zustande kommt. Es war dann ein bisschen ein Glück, dass ich ihn Gott sei Dank halten konnte“, atmet der Tiroler nach Schlusspfiff im Gespräch mit LAOLA1 auf.

Gleich bei seiner Premiere brachte er ein „Kunststück“ zusammen, über das sich Keeper im Nationalteam seit Herbst 2007 nur allzu selten freuen konnten – ein zu null.

Die Statistik ist allseits bekannt: In den 36 Länderspielen seit Beginn des Kalenderjahres 2008 blieb die rot-weiß-rote Auswahl nur zwei Mal ohne Gegentreffer, als Jürgen Macho letzten Herbst gegen Kasachstan und Aserbaidschan seinen Kasten sauber halten konnte. Eine Negativserie, die freilich beileibe nicht alleine auf die Kappe der diversen eingesetzten Torhüter (Macho, Alexander Manninger, Helge Payer, Ramazan Özcan, Michael Gspurning und Christian Gratzei) geht.

„Ein zu null ist für einen Tormann immer sehr gut, aber leider hat es nicht mit einem Sieg geklappt“, betont Grünwald, der angibt, erst am Spieltag definitiv erfahren zu haben, dass er von Beginn an im Tor steht.

„Der erste Eindruck hält sehr lange an“

28 Jahre alt musste der Austria-Goalie alt werden, ehe für ihn der Lebenstraum vom Nationalteam in Erfüllung geht:

„Jedes Kind, das zum Fußballspielen beginnt und den Traum hat, Fußball-Profi zu werden, will irgendwann einmal in der höchsten österreichischen Spielklasse und wenn möglich auch im Nationalteam spielen. Dass es mit dem Debüt heute geklappt hat, und es ganz gut gelaufen ist, ist natürlich sensationell.“

Gefrustet von der folgenden Reservistenrolle bei Pasching zog es ihn 2007 heim zu Stammklub Wacker Innsbruck, wo er nach dem Abstieg ein Jahr später eine tragende Rolle einnahm. Nach dem Wiederaufstieg 2010 stellte er auch in der Bundesliga seine Qualität unter Beweis, ehe im Sommer der Transfer zur Austria erfolgte:

„Für mich war es sehr wichtig, dass ich den nächsten Schritt in meiner Karriere mache. Austria Wien ist ein Topverein in Österreich. Dort habe ich die Chance, dass ich international spiele. Das war mein vorrangiges Ziel.“

„International ein anderes Flair“

Dass man via Europa-League-Starter Austria im Nationalteam leichter das Vertrauen geschenkt bekommt, ist vermutlich nicht von der Hand zu weisen.

„Wenn man international spielt, ist es immer besser für die Visitenkarte“, glaubt auch Grünwald, „aber ich denke, dass es auch persönlich eine Steigerung ist, weil das Niveau etwas höher und es vom Flair her etwas anderes ist. Das tut jedem Fußballer gut.“

Gut täte es dem Fußball-Land Österreich, wenn das Nationalteam in der nächsten Qualifikation ein entscheidenderes Wort um die Teilnahme an einem großen Turnier mitreden könnte. Ob dies schon in der Ausscheidung für die WM 2014 in Brasilien gelingen könne?

„Dass viel Potenzial da ist, ist jedem bewusst, aber es gibt auch sehr viele andere Nationen mit großem Potenzial. Ich denke, in einer Qualifikation gehören natürlich gute Spiele dazu, aber in den entscheidenden Phasen auch ein wenig Glück.“

Mit welchem Goalie dieses Unternehmen in Angriff genommen wird, wird sich weisen. Grünwald hat zumindest einmal eine gute Basis für weitere Bewährungsproben gelegt.

Peter Altmann

Dass es nicht ein Spiel wie jedes andere war, gibt Grünwald unumwunden zu: „Beim Aufwärmen war schon eine gewisse Anspannung da. Ein Debüt ist immer etwas Wichtiges. Der erste Eindruck ist der, der sehr lange anhält. Mir war bewusst, dass es für mich sehr wichtig wäre, wenn ich ein gutes Spiel zeige.“

Die ersten Gehversuche als Nationalspieler dürfen getrost als Erfolg abgehakt werden. Der Debütant war zwar nicht zu den ganz spektakulären Paraden gezwungen, spielte jedoch gut mit und behielt in so manch kritischer Szene den Überblick.

„Für mich waren die letzten zwei Jahre sehr wichtig“

„Mit dem Anpfiff löst sich die Anspannung immer, das ist dann eine positive Konzentrationssache. Ich habe mich von Anfang an wohl gefühlt, und ich hoffe, das hat man auch gemerkt“, erklärt der Keeper, der bereits letzten November noch als Wacker-Akteur erstmals in den ÖFB-Kader berufen wurde.

Trotzdem kam der Einsatz gegen die Türkei tendenziell rascher, als man erwarten durfte. Bis zum 2:6 in Deutschland schien Christian Gratzei im Tor des Nationalteams gesetzt. Nach diesem Debakel ersetzte Teamchef Didi Constantini den Sturm-Schlussmann, wies jedoch darauf hin, dass dieser nicht die Schuld an der Pleite in Gelsenkirchen tragen würde.

„Im Fußball geht immer alles sehr schnell, es ist ein Tagesgeschäft. Die letzten zwei Jahre waren sehr wichtig für mich und meine Entwicklung. Das Länderspiel war sicher einer der Höhepunkte bis jetzt“, meint Grünwald, dessen Laufbahn sich bisweilen als Geduldsprobe erwiesen hat.

„Schritt zur Austria sehr wichtig“

Schon 2001 debütierte er für Wattens in der zweithöchsten Spielklasse, ehe Transfers zu Austria Salzburg und Pasching nicht den gewünschten Erfolg brachten.

Zwar feierte er bereits im April 2004 sein Bundesliga-Debüt für die Mozartstädter (übrigens bei einem 0:3 gegen seinen aktuellen Arbeitgeber Austria). Es folgten neun weitere Einsätze in der höchsten Spielklasse, doch spätestens mit dem Einstieg von Red Bull hatte der Tiroler keine Perspektive mehr an der Salzach.

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