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Dag: "Zurzeit ist es ein Durcheinander"

Es ist ein schwarzer Sommer. Der türkische Fußball durchlebt aktuell bittere Stunden.

Ein Manipulationsskandal hat das Geschehen am Bosporus fest im Griff. Da gerät sogar der äußerst glückliche 2:1-Erfolg gegen Kasachstan mit dem Siegtreffer in Minute 97 zur Nebensache.

Mit Ekrem Dag erlebt ein ÖFB-Kicker das Chaos hautnah mit. Erst am Wochenende nach dem EM-Qualifikations-Duell mit Österreich wird in der türkischen Liga der Spielbetrieb wieder aufgenommen.

„Zurzeit ist es ein Durcheinander. Aber ich glaube, wenn die Liga wieder anfängt und entschieden ist, was passiert, wird alles wieder normal und es wird wieder Spaß machen, in dieser Liga zu spielen“, sieht Dag bereits das Licht am Ende des Tunnels.

„Ich glaube nicht, dass da etwas war“

Während Lokalrivale Fenerbahce im Zentrum des Skandals steht und sogar von der Teilnahme an der Champions League ausgeschlossen wurde, ist auch der Arbeitgeber des 30-Jährigen betroffen.

Das Pokalfinale gegen Istanbul BB, das Besiktas im Elfmeterschießen für sich entschieden hat, soll ebenfalls manipuliert gewesen sein. Dags Coach Tayfur Havutcu sitzt bereits seit über einem Monat hinter Gittern.

Der frühere Sturm-Kicker, der in dieser Partie 120 Minuten lang auf dem Feld stand, kann sich nicht vorstellen, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugegangen sei:

„Das war für mich die schwierigste Partie der ganzen Saison. Ich glaube nicht, dass da etwas war. Außerdem waren jene Spieler, von denen behauptet wird, dass sie etwas gedreht haben, die Besten des Gegners.“

Dag hofft jedenfalls, dass sich die Vorwürfe bald in Luft auflösen und sich Besiktas wieder offiziell Cupsieger nennen darf: „Unser Präsident hat entschieden, dass wir uns das nicht einfach gefallen lassen können und den Pokal zurückgegeben. Wenn die Sache abgeschlossen ist, holen wir ihn uns wieder zurück.“

„Ein Stammplatz ist schwer für Veli“

Dag, 2009 Double-Gewinner mit Besiktas, leidet wie vermutlich alle Kicker der Liga unter dem nach hinten verschobenen Saison-Start. „Wir haben schon einen Monat lang Vorbereitung gehabt, dann haben sie das entschieden. Dann lässt du natürlich wieder locker“, beschreibt der Steirer die Auswirkungen.

Bislang waren die Partien der Europa-League-Qualifikation die einzigen Pflichtspiele für Besiktas in dieser Spielzeit. Beim Rückspiel gegen Alania Wladikawkas, einer 0:2-Niederlage nach 3:0-Heimsieg, wurde Dag in Minute 89 für Landsmann Veli Kavlak eingewechselt.

Dieser war im Sommer gemeinsam mit Tanju Kayhan von Rapid zu den Schwarz-Weißen gewechselt. „Im Training sind sie super, in den Freundschaftsspielen gut. Veli hat in Waldikawkas von Anfang an gespielt und sich gut geschlagen“, lobt Dag, der die Erwartungen an Kavlak jedoch drosselt:

„Ein Stammplatz ist schwer, da auf seiner Position mit Simao, Quaresma, Guti und Fernandes schon heftige Konkurrenz herrscht.“

„Arda ist seit sechs Monaten in Hochform“

Im türkischen Kader für die Partie im Ernst-Happel-Stadion scheinen zwei Besiktas-Kicker auf. „Für mich ist es mein zweites Spiel gegen die Türkei, und ich freue mich, dass ich auf meine Freunde treffe“, meint Dag, der motiviert ist, die 0:2-Niederlage aus dem Hinspiel in Istanbul wiedergutzumachen.

Und auch unterschätzt werde Österreich trotz der rot-weiß-roten Negativserie von der Nummer 24 der FIFA-Weltrangliste nicht: „Die Türkei respektiert uns sicher, die nehmen uns sehr sehr ernst.“

„So eine Niederlage ist für jeden Fußballer schwer“

Im ÖFB-Team ist aktuell wiederum die Aufarbeitung des 2:6-Debakels in Deutschland angesagt. Laut Dag, der im rechten Mittelfeld zum Einsatz kam, sei es nicht so leicht, solch eine Abfuhr abzuhaken:

„Das Schwierigste ist für mich immer, wenn ich am nächsten Tag in der Früh aufwache und einem einfällt, was passiert ist. So eine Niederlage ist für jeden Fußballer schwer, aber wir sind Profis. Solche Spiele passieren. Man ist natürlich nicht glücklich darüber, sollte es aber so schnell wie möglich vergessen.“

Insider-Tipps für Teamchef Didi Constantini seien in der Vorbereitung auf das Dienstags-Spiel nicht von Nöten: „Ich glaube, dass unser Trainer schon genug Informationen gesammelt hat, wie man gegen die Türkei spielen könnte.“

„Constantini ist noch voll dahinter“

Für den in der Kritik stehenden ÖFB-Coach könnte es in dieser Begegnung bereits um sein Amt gehen. Laut Dag erreicht der Tiroler die Mannschaft definitiv noch, sei noch genügend Feuer beim 56-Jährigen vorhanden:

„Jeder Spieler weiß, worum es geht. Natürlich ist der Trainer ein großer Faktor, aber ich glaube nicht, dass er jetzt sagt: ‚Okay, spielt, wie ihr wollt, es ist mein letztes Spiel.‘ So werden wir nicht auftreten. Ich glaube, dass er uns motivieren und sagen wird, was wir machen sollen. Er ist noch voll dahinter. Aber im Prinzip liegt es in unserer Hand, wie wir Spieler es im Kopf verarbeiten und uns vorbereiten.“

Peter Altmann

Damals hätten letztlich die österreichischen Eigenfehler (beim ersten Gegentreffer unterlief Dag ein Stellungsfehler bei einem Einwurf) den Unterschied zu Gunsten der Türken ausgemacht: „In der Türkei haben wir gezeigt, dass es knapp ist, sie sind nicht so viele Klassen besser als wir.“

Zum Zittersieg der Elf von Teamchef Guus Hiddink gegen Kasachstan hat Dag eine klare Meinung: „Das ist nicht gut für uns. Einerseits haben sie drei Punkte mehr, andererseits glaube ich, dass die Türkei gegen uns noch konzentrierter und disziplinierter auftreten wird als zu Hause gegen Kasachstan. Ich denke, dass sie allgemein ein besseres Spiel abliefern werden.“

Besonders warnt der Allrounder vor Arda Turan. Dem Legionär bei Atletico Madrid war beim Hinspiel gegen Österreich der Führungstreffer gelungen: „Es ist generell eine starke Mannschaft, aber auf Arda muss man aufpassen. Er war lange Zeit verletzt und ist seit sechs Monaten wieder in Hochform.“

„Die Türken nehmen uns sehr, sehr ernst“

Mit Nuri Sahin und Hamit Altintop fallen zwei Stars verletzungsbedingt aus. Der gegen die Kasachen starke Emre Belözoglu hat sich in dieser Partie verletzt, Selcuk Inan fehlt nach seinem Ausschluss in Wien gesperrt.

„Es ist egal, wer gegen uns spielen wird. Die türkische Mannschaft hat einen guten Kader, diese Spieler werden ersetzt werden. Da macht es nicht so viel aus, ob der spielt oder der andere“, will Dag keinen Vorteil in diesen Personalsorgen sehen.

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