Wie man den Zlatan zlataniert

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Wie zlataniert das ÖFB-Team die Schweden?

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Kein österreichisches Medium, das dieses Wort in den letzten Tagen nicht gebraucht hat: Zlatanieren.

Das Verb hat es im vergangen Jahr in den schwedischen Duden geschafft. Es bedeutet – in Anlehnung an Zlatan Ibrahimovic – „stark dominieren“. Etwas, was der Superstar auch im Nationalteam tut.

Nicht nur aufgrund seiner exzentrischen Persönlichkeit, sondern auch, weil Teamchef Erik Hamren das System total auf ihn ausgerichtet hat.

Alles über Ibrahimovic

Im Gegensatz zu PSG spielt Ibrahimovic in der Nationalmannschaft nämlich nicht als purer Goalgetter. Vielmehr genießt er als Zehner große Freiheiten.

Konkret lässt sich der 31-Jährige im Spielaufbau gerne zwischen die Linien fallen, um mit Steilpässen die schnellen Flügelspieler einzusetzen. Anschließend schleicht er selbst in den Strafraum und sucht im Rücken der Verteidiger den Abschluss.

Auf diese Weise wirkt Ibrahimovic nicht nur als primärer Spielgestalter, sondern strahlt auch permanent Torgefahr aus. Im ansonsten recht vorsichtigen 4-4-1-1 der Schweden soll er für die Glanzpunkte sorgen. 

Das 4-4-1-1-System der Schweden: Von Ibrahimovic sowie den beiden Flügelspielern Larsson und Kacaniklic geht offensiv die meiste Gefahr aus. Solospitze Elmander muss für den Superstar viel Arbeit verrichten. Die Außenverteidiger stoßen mit nach vor, sobald ihre Vordermänner nach innen ziehen. 

Achtung vor den Kontern

Am gefährlichsten kommt „Zlatan, der Große“ aber im Konterspiel zur Geltung. Während die nominelle Solospitze Johan Elmander defensiv mitarbeiten muss, spaziert der PSG-Stürmer scheinbar faul an der Mittellinie herum.

Doch das macht durchaus Sinn: Denn erobern die Schweden in der Rückswärtsbewegung einmal den Ball, wird sofort Ibrahimovic gesucht. Dank seiner grandiosen Technik kann er das Spielgerät auch gegen mehrere Gegenspieler behaupten und die ungeordnete Abwehr mit einem gefährlichen Dribbling oder einem spektakulären Pass überraschen.

Zlatan und sein junger Freund

Perfekt zeigte sich dieser Spielzug beim Treffer zum 1:0-Sieg gegen Mazedonien am Montag: Schweden gewinnt im Mittelfeld den Ball. Ibrahimovic hatte sich nach links fallen lassen, um anspielbar zu sein. Er bekommt die Kugel, zieht in den Strafraum und legt mit einer Flanke den Kopfball-Treffer von Alexander Kacaniklic mustergültig vor.

Auf den 21-Jährigen sollte das ÖFB-Team ganz besonders aufpassen. Mit Ibrahimovic (O-Ton: „Wir hatten schon lange Zeit keinen solchen Spieler wie ihn“) versteht sich der Fulham-Youngster besonders gut. Positionswechsel und Doppelpässe sind keine Seltenheit zwischen den beiden.

Angriffspressing als Schlüssel

Wie gelingt es dem ÖFB-Team nun, Zlatan selbst zu zlatanieren? Schlüssel dazu wird wieder einmal das aggressive Angriffspressing sein. Dieses mittlerweile schon bewährte taktische Mittel der Koller-Elf bietet sich insbesondere gegen die Schweden an, da deren größte Schwachstelle  wohl in den begrenzten spielerischen Mitteln der Verteidiger liegt.

Mikael Lustig, Andreas Granqvist, Jonas Olsson und Oscar Wendt sind zwar solide Passgeber, aber keine Zauberer am Ball. Werden sie gezielt unter Druck gesetzt, dann können schon frühzeitig viele Zuspiele auf Ibrahimovic verhindert werden.

Im Optimal schaut vielleicht sogar ein ähnliches Tor heraus, wie das 1:0 gegen Irland, als Junuzovic und Harnik den Treffer mit geschicktem Forechecking provozierten.

Gefährliche Freistoß-Schützen

Das beste Pressing der Welt wird Ibrahimovic aber nicht davon abhalten, an den Ball zu kommen. In diesem Fall sind vor allem die beiden defensiven Mittelfeldspieler David Alaba und Julian Baumgartlinger gefragt, dass der Weltklassekicker keinen freien Raum zwischen Abwehr und Mittelfeld vorfindet.

Um Ibrahimovic auch im Konter keinen Platz zu geben, muss vor allem Österreichs rechte Seite Acht geben. Der schwedische Kapitän liebt es, sich auf diese Seite fallen zu lassen, um seine Bewacher abzuschütteln. Infolgedessen suchen ihn seine Mitspieler genau dort, damit er das schnelle Umschaltspiel antreibt.

Obwohl eine gesunde Härte gegen Ibrahimovic und Co. von Vorteil sein könnte, sollten die Österreicher allzu viele Fouls vermeiden. Zumindest in Strafraumnähe, denn die Gäste aus dem hohen Norden haben einige hervorragende Freistoß-Schützen in ihren Reihen. Neben Ibrahimovic sind da vor allem Sebastian Larsson und Rasmus Elm zu nennen.

Alabanieren?

Bei eigenem Ballbesitz wird das ÖFB-Team vor allem auf das zentrale Kreativ-Duo Alaba/Junuzovic angewiesen sein. Wegen des Ausfalls von Veli Kavlak fällt den beiden eine noch wichtigere Rolle im Spielaufbau zu.

Gerade auch deswegen, weil die beiden soliden Viererketten der Schweden normalerweise nur selten Löcher aufweisen. "Taktisch sind sie hervorragend geschult. Schon in den 1980er-Jahren spielte Malmö mit einem kompakten 4-4-2", weiß Teamchef Marcel Koller.

Wir können uns also ein enges Spiel erwarten. Vielleicht müssen die ÖFB-Fans wie gegen Irland wieder auf einen Alaba-Weitschuss in letzter Minute warten.

Dann könnte man überlegen, auch Österreichs Superstar ein eigenes Verb zu widmen. Alabanieren zum Beispiel.

 

Jakob Faber

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