Pressing funktioniert, Wechsel verpuffen

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Erik Hamren war glücklich. Sein Match-Plan ging perfekt auf.

„Ich bin sehr zufrieden mit dem Spiel und dem Resultat“, meinte der schwedische Teamchef nach dem 1:1 in Wien. „Österreich hatte mehr Ballbesitz, aber das war unsere Taktik.“

Hamren ließ seine Mannschaft zum Start der EM-Qualifikation ganz gezielt auf ein Remis spielen. Aus dem schwedischen 4-3-3 wurde ein 4-5-1. Damit igelten sich die Skandinavier in der eigenen Hälfte ein.

Österreichs Mannschaft dominierte das Spiel. Gegen die „schwedische Wand“, wie Marcel Koller des Gegners Defensiv-Block bezeichnete, fehlte offensiv aber die Durchschlagskraft. Deswegen schaute letztlich nur ein Punkt heraus.

ÖFB-Pressing schaltet Ibra (fast) aus

Wie erwartet begann das ÖFB-Team vor heimischem Publikum mit forschem Angriffspressing. Vor allem Zlatko Junuzovic (siehe Einzelkritik) tat sich dabei wieder einmal als Antreiber hervor. Immer wieder zwangen er und seine Kollegen die Schweden zu langen Bällen im Spielaufbau.

Die Gäste gingen kein Risiko ein. Lieber wurde mit einem hohen Pass Zlatan Ibrahimovic gesucht, als das Spiel geordnet von hinten heraus aufgebaut. Auf diese Weise gelang es der Koller-Elf, den schwedischen Superstar in unzählige Luftduelle zu verwickeln, während er am Boden von seinen Mitspielern isoliert blieb. Gleichzeitig war es jedoch ein Kopfball nach einer Standardsituation, mit dem er das 1:1 durch Erkan Zengin (12.) vorbereitete.

„Wir waren auf das Pressing der Österreicher vorbereitet, haben die Bälle jedoch trotzdem zu leicht verloren. Dazu hat uns der Gegner auch gezwungen, das haben sie gut gemacht“, zollte Hamren dem ÖFB-Team für das Fore-Checking Respekt.

Die Formationen: Österreich spielte im gewohnten 4-2-3-1-System, das im Spiel gegen den Ball zum 4-4-2 wurde. Die Schweden packten ihr neues 4-3-3-System aus. Aufgrund der defensiven Grundeinstellung wurde dieses jedoch zu einem 4-5-1.  

Uns haben die Mittel gefehlt, zu klaren Torchancen zu kommen“

Während das Defensiv-Spiel der Österreicher relativ gut funktionierte, fehlte offensiv die letzte Kreativität und Konsequenz, um nach David Alabas Elfertor (7.) nachzulegen. In der ersten Hälfte trug das ÖFB-Team viele Angriffe über rechts vor. Während Martin Harnik nach innen zog, preschte sein Stuttgart-Kollege Florian Klein an der Linie nach vorne. Auf diese Weise konnten sich die Österreicher einige Möglichkeiten erarbeiten.

Insgesamt wurden jedoch die Räume zwischen schwedischer Abwehr und Mittelfeld zu wenig bespielt. Zwar versuchten sich David Alaba und Zlatko Junuzovic hin und wieder in diesen Gegenden anzubieten, aber schnelle Kombinationen wie jene vor dem Handspiel, das zum Elfer führte, hatten Seltenheitswert.

„Wir haben zu oft versucht, mit langen Bällen hinter die Abwehr zu kommen. Damit haben wir ihnen genau in die Karten gespielt, da sie gerade in der Luft sehr stark waren. Uns haben die Mittel gefehlt, zu klaren Torchancen zu kommen“, brachte es Stuttgart-Legionär Harnik auf den Punkt.

Kollers Wechsel gehen ins Leere

Nach einer Druckperiode zu Beginn der zweiten Hälfte ging den Österreichern mit Fortdauer der Partie die Luft aus. Die Schweden witterten ihre Chance und wurden offensiver. Vor allem über links sorgten Albin Ekdal und Torschütze Zengin ein ums andere Mal für Löcher in der ÖFB-Defensive.

Für Teamchef Koller war nun der Moment gekommen, frische Kräfte zu bringen. Doch keiner der Wechsel bewirkte wirklich etwas. Rubin Okotie präsentierte sich zwar beweglicher als der enttäuschende Marc Janko, konnte damit aber keine Akzente setzen.

Für den ausgepowerten Zlatko Junuzovic kam Christoph Leitgeb ins Spiel. Eine Einwechslung, die das ÖFB-Team etwas defensiver machte. Der Salzburg-Kicker ersetzte den nach vorne rückenden Alaba als Achter, verzichtete aber auf dessen Vorstöße. So positionierten sich mit Leitgeb und Julian Baumgartlinger nun zwei zentrale Mittelfelspieler konsequent direkt vor der Abwehr. Etwas, das den eingerosteten ÖFB-Angriffen nicht gut tat.

Auch Valentino Lazaro, Kollers dritter Tausch, blieb ohne Wirkung. Aufgrund der tief stehenden schwedischen Defensive kam der 18-Jährige erst gar nicht dazu, seine Schnelligkeit auszuspielen.

Fazit: Schwedens Match-Plan geht auf

Noch vor einigen Jahren war es unvorstellbar, dass ein Gegner wie Schweden gegen Österreich am eigenen Strafraum den Bus parkt. Mit dem 1:1 ist Trainer Hamren für seine abwartende Spielweise belohnt worden.

Ein österreichischer Sieg war im Bereich des Möglichen, im Offensiv-Spiel fehlte es aber an Durchschlagskraft. Auch von der Bank konnte Koller keine neuen Impulse liefern. Vielleicht nahm der Schweizer bei den Wechseln aber auch absichtlich weniger Risiko, um zumindest das Remis abzusichern.

Auf der Habenseite steht beim ÖFB-Team immerhin, dass das Pressing gut funktionierte und man die Schweden zumindest optisch dominierte. In einem Monat steht gegen Moldawien das nächste Länderspiel am Programm. Ein Sieg gegen den Außenseiter ist Pflicht, will man nach Frankreich fahren.

 

Jakob Faber

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