"Hoffe, die Kritiker haben keine Hochkonjunktur mehr"

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Der Tag X rückt näher.

Gegen Schweden kann die ÖFB-Elf für einen höchst spannenden Nationalteam-Herbst sorgen.

Die Euphorie rund um das Team stimmt, die Mannschaft lebt das von Teamchef Marcel Koller erstellte Konzept und fiebert dieser Partie entgegen.

Auch Sebastian Prödl, wie dieses LAOLA1-Interview belegt. In der Vergangenheit fand der Bremen-Legionär immer wieder kritische Worte zu den Strukturen rund ums Team und forderte eine österreichische Spielphilosophie ein.

Dies ist längst Vergangenheit. Inzwischen sieht der Innenverteidiger die rot-weiß-rote Auswahl auf dem richtigen Weg: „Wir sind mittlerweile so weit, dass wir von Größerem träumen dürfen und wollen. Solche Ziele wie Brasilien oder Frankreich 2016 sind nicht mehr so weit weg.“

LAOLA1: Das Schweden-Match gilt als Schlüsselspiel dieser Qualifikation. Siehst du das genauso?

Sebastian Prödl: Es ist schon ein richtungsweisendes Spiel. Wir möchten nach der Sommerpause noch im Rennen um die Tickets für Brasilien sein. Der Fußball dort nimmt solche Dimensionen an, das ist so lässig, dass wir dort dabei sein wollen. Das merkt man auch. Zurzeit herrscht in Österreich eine extreme Aufbruchstimmung und in der Mannschaft ein unglaublich großer Wille, dieses Ziel zu erreichen und sich für ein Turnier zu qualifizieren. Die Chance besteht noch.

LAOLA1: Wie ordnest du die Schweden ein?

Prödl: Wir haben einen schweren Gegner vor der Brust. Wenn du die Schweden spielen lässt, werden wir Probleme haben, das muss man ganz ehrlich sagen. Das müssen wir abstellen. Wir müssen schauen, dass die Schweden auf uns reagieren und versuchen, sie so unter Druck zu setzen, dass die ganz einfach auch Fehler machen, damit wir als Sieger vom Platz gehen. Ich glaube, dass wir dabei richtig tolle Unterstützung von den Zuschauern kriegen werden.

LAOLA1: Wie sehr ist die Euphorie rund um das Team zu spüren?

Prödl: Das Spiel war extrem schnell ausverkauft. Ich habe meine Kartenanfragen auch nicht alle befriedigen können. Die Stimmung ist jetzt perfekt. Ich glaube, dass dieses Spiel wirklich coole Charakterzüge haben wird, wir können es von mir aus auch als kleines Finale sehen. Ich habe jedoch höchsten Respekt vor Schweden, es kommen sehr gute Spieler nach Wien. Sie wollen auch unbedingt nach Brasilien. Meiner Meinung nach stehen zwei sehr gute Mannschaften auf dem Platz. Wir haben uns weiterentwickelt, das darf man auch nicht vergessen. Ich will nicht zu große Töne spucken, das ist nicht meine Art, aber ich bin topmotiviert, die ganze Mannschaft ist topmotiviert, und ich glaube, dass wir ein Spiel abliefern können, das jedem Spaß macht. Ich hoffe, dass wir auch nach dem Spiel noch Spaß haben werden.

LAOLA1: Allzu viele wirklich entscheidende Spiele hatte das Nationalteam in der jüngeren Vergangenheit nicht, oftmals mussten Prestigeduelle wie gegen Deutschland hochgepusht werden. Was sagt es uns über die Entwicklung der Mannschaft, dass Österreich solche Spiele langsam regelmäßiger erlebt?

Prödl: Das sagt uns, dass wir eine Kontinuität reingebracht haben, seit Marcel Koller am Werk ist. Seither weiß jeder Spieler, wenn er zur Nationalmannschaft kommt, auf welche Mitspieler er trifft. Es wurden ein Stamm, ein Wiedererkennungswert und eine Spielphilosophie gefunden, die Zuschauer identifizieren sich mit dieser Mannschaft. Wir haben zurzeit sehr gutes Spielermaterial, viele Spieler sind auf internationalem Niveau gut dabei. Diese Mischung macht es aus, dass man einfach optimistisch in die Zukunft schauen kann. Ab und zu hört man ein paar Pessimisten, die dem Nationalteam nicht so viel Vertrauen schenken, aber ich glaube, die verstummen immer mehr. Ich hoffe, dass sie ganz verstummen und die Kritiker keine Hochkonjunktur mehr haben werden.

Der Abstiegskampf mit Werder Bremen war für Sebastian Prödl lehrreich

LAOLA1: Wo führt diese Entwicklung hin?

Prödl: Wir sind mittlerweile so weit, dass wir von Größerem träumen dürfen und wollen. Solche Ziele wie Brasilien oder Frankreich 2016 sind nicht mehr so weit weg. Natürlich kann es passieren, dass man gegen eine Klassemannschaft wie Schweden einmal verliert, dafür muss man gewappnet sein. Wichtig ist, dass die Entwicklung stimmt. Wenn die stimmt und wir so zusammenbleiben, dann denke ich, dass wir in den nächsten Jahren Spaß haben werden.

LAOLA1: Das aktuelle Klima im Team scheint auch Marko Arnautovic aufzufangen. Fällt er in punkto Vertrauen des Teamchefs in dieselbe Kategorie wie Janko?

Prödl: Ja, dieselbe Kategorie. An der Aktion, die in Bremen passiert ist, ist nichts gutzuheißen. Aber jetzt sind wir bei der Nationalmannschaft. Dort hat er sich nichts zu Schulden kommen lassen. Das Ganze ist in Bremen passiert und nicht hier. Für mich ist das abgeschlossen. Für mich liegt der Fokus darauf, mich mit Marko vernünftig auf Schweden vorzubereiten und ihn bestmöglich zu unterstützen. Er ist ein Mitspieler, der Qualität hat, er kann Tore schießen und auflegen. Darauf liegt die Konzentration. Was passiert ist, lassen wir hinter uns.

LAOLA1: Das Hauptthema bei Schweden ist allerorts Zlatan Ibrahimovic. Ein Superstar, der auch wirklich heraussticht. Du hast 2008 mit Werder in der Champions League schon persönliche Erfahrung gegen ihn gesammelt, als er damals mit Inter dein Gegenspieler war. Wie spielt man gegen ihn?

Prödl: Er ist schon ein beeindruckender Spieler. Das war damals so, und es ist so geblieben. Seine Tore sind bei Youtube immer Top-Klicks. Er ist ein Weltklasse-Stürmer. Man muss extrem aufpassen, weil er sowohl im als auch außerhalb des Strafraums enorm effektiv ist. Wir müssen schauen, dass er ein bisschen aus dem Spiel genommen wird, wir oft den Ball haben. Denn wenn er den Ball hat, muss man auch Angst haben, dass etwas passieren könnte. Er ist ein Stürmer, der alles hat.

LAOLA1: Koller geht unbeirrt seinen Weg und zieht seine Personalpolitik durch. In der Innensicht ist dies für die Kadermitglieder vermutlich ein wichtiges Zeichen, oder?

Prödl: Absolut. Man braucht sich nur Marc Janko anzuschauen. Das ist ein super Stürmer. Er hat in der Türkei Probleme, die sich keiner und er sich selbst am wenigsten erklären kann. Aber er hat in der Nationalmannschaft gute Leistungen gebracht. Er hat gegen Irland, nachdem er reingekommen ist, gut gespielt, hat in Wales eine gute Leistung geboten. Man sieht, dass Marc Qualitäten hat, die wir in der Nationalmannschaft auch brauchen können. Nur weil er im Verein drei Monate Probleme hat, heißt es nicht, dass er hier keine guten Spiele macht. Natürlich wird sich Marc im Sommer Gedanken machen müssen, um für sich selbst im Tritt zu bleiben und Selbstvertrauen zu holen. Aber genau das ist der entscheidende Punkt: Der Trainer hält an Spielern fest.

LAOLA1: Warum ist das so wichtig?

Prödl: Der Trainer gibt das Zeichen, dass er seinen Kader gefunden hat, vielleicht nur drei, vier Spieler auswechselbar sind, der Rest sein Stamm ist. Für die Spieler ist es einfach extrem wichtig, wenn du weißt, du kommst zum Team und kannst mit dem gleichen Stamm zusammenarbeiten. Die Automatismen sind besser, die Stimmung ist besser, es ist alles eingeschworener. Das hat zwar nichts mit einer Vereinsmannschaft zu tun, aber wenn du immer die gleiche Mannschaft hast, hat es Vorteile. Das merkt man ja auch im Moment, auch wenn wir uns natürlich bessere Ergebnisse gewünscht hätten, vor allem auswärts in Kasachstan und Irland oder auch gegen Deutschland.

LAOLA1: Kommen wir zu Werder Bremen. Wie froh bist du, dass diese schwierige Saison vorbei ist?

Prödl: Es war natürlich keine angenehme Saison. Vor allem war die Rückrunde nicht so, wie sich das jeder vorgestellt hat. Wir sind in eine Negativspirale gekommen, aus der es extrem schwer war, wieder herauszukommen. Du machst im Prinzip nichts anders, aber trotzdem verlierst du Spiele. Es war nicht angenehm, vor allem in den letzten Wochen herrschte extremer Druck. Ich muss sagen, dass ich daraus gelernt habe. Ich habe es geschafft, in den letzten Woche Ruhe zu bewahren. Das hat mir ziemlich gut getan. Klar, man kann nicht zufrieden sein, aber irgendwann wird man aus solch einer Situation profitieren. Wenn man das schon einmal erlebt hat, weiß man, dass man da nicht mehr hinmöchte. Jetzt wird es in Bremen einen Neustart geben. Der Trainer ist neu, auch der Sportdirektor hat sich im Laufe des Jahres geändert. Ich denke, dass wir nächste Saison ein anderes und hoffentlich erfolgreicheres Gesicht zeigen werden.

LAOLA1: Wie ist dein erster Eindruck von Neo-Coach Robin Dutt?

Prödl: Als er Trainer anderer Mannschaften war, habe ich gegen ihn gespielt. Persönlich kann ich noch nicht so viel sagen, habe ihn noch nicht kennengelernt. Aber ich denke, dass er ein Trainer ist, der mit jungen Spielern arbeiten kann, das hat er vor allem in Freiburg gezeigt. Er kann eine Mannschaft formen, die eine Einheit ist. Das brauchen wir in Bremen auch, denn letzte Saison haben wir uns auch ein bisschen gegenseitig zerfleischt, weil jeder mit der Situation unzufrieden war. Das ist nun mal so im Fußball. Ich denke, dass er schon ein guter Mann für Bremen ist.

Das Gespräch führte Peter Altmann

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