"Du weißt nicht, wo seine Schwächen sind“

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Spricht man über das schwedische Nationalteam, kommt einem sofort Zlatan Ibrahimovic in den Sinn.

Natürlich.

Kaum eine andere Auswahl – mit Abstrichen vielleicht Portugal mit Ronaldo sowie Argentinien mit Messi - ist so abhängig von einem Akteur wie das Drei-Kronen-Team von ihrem Superstar.

Und auch wenn über den 32-jährigen schon sehr viele Geschichten erzählt wurden, sorgt der Ausnahmekönner einfach laufend für Nachschub.

Erst am Donnerstag  übertraf der PSG-Legionär mit seinen Treffern 49 und 50 im Testspiel gegen Estland die seit 1932 bestehende schwedische Rekordtormarke von Sven Rydell. 

Ibrahimovic kündigt weitere Tore an

"Es war schön, diesen Rekord gebrochen zu haben, gleich im ersten Versuch. Jetzt kann ich an die Quali-Spiele denken", erklärte der „Künstler“ nach dem historischen Erfolg und verkündete im gleichen Atemzug: "Es werden noch mehr Tore kommen.“

Gleichzeitig warnte er vor der rot-weiß-roten Auswahl: "Österreich zählt genauso wie wir zu den Favoriten, es wird nicht leicht. Es ist eine schwierige Gruppe, also ist es ein sehr wichtiges Spiel. Es ist wichtig, dass wir gut in die Qualifikation starten, damit wir eine solide Basis haben."

Der im ÖFB-Lager vor ein paar Wochen aufgekommene "Wunsch", der Goalgetter könne aufgrund seiner Verletzung zum Auftakt der EM-Quali fehlen, ging nicht in Erfüllung.

Im Gegenteil.

Ibrahimovic nähert  sich wenige Tage vor dem Duell Österreich gegen Schweden im ausverkauften Happel-Stadion (Montag, 20:45 Uhr im LAOLA1-Ticker) seiner Bestform. Von einem Handicap, aufgrund eines Mitte August zugezogenen Muskelteilabrisses links unterhalb der zwölften Rippe, ist kaum etwas zu erkennen.

Fünf Treffer in den letzten Pflichtspielen (3x PSG, 2x Schweden) lassen die starke Form erahnen und sprechen eine eindeutige Sprache. Seinem 100. Länderspiel steht - trotz Halsschmerzen - somit nichts im Weg.

„Er ist ein verrückter Typ“

Dementsprechend Gesprächsthema Nummer eins ist Ibrahimovic auch im österreichischen Nationalteam.

„Er ist ein verrückter Typ, mit allen Wassern gewaschen. Wir müssen extrem aufpassen. Er kann einfach alles. Man kann gar nicht definieren, wo seine Stärken und seine Schwächen sind. So ein Kaliber gibt es nicht zweimal“, versucht Martin Hinteregger den Schweden in kurzen Worten zu beschreiben.

Der Verteidiger von Red Bull Salzburg sieht seine Chancen bei 50:50 (Hier geht’s zur Story), dass er es am Montag mit dem Giganten am Platz zu tun bekommt. Eine größere Herausforderung hätte es in seiner Karriere noch nicht gegeben: „Ich bin noch jung. Ich wäre dankbar, gegen so einen Spieler zu spielen und daraus zu lernen."

„Gegen Zlatan hat man nichts zu verlieren“

Zudem könne er im Gegensatz zum Salzburger CL-Playoff-Duell gegen Malmö gegen einen Gegenspieler namens Ibrahimovic nur positiv reüssieren.

„Nichts gegen Markus Rosenberg, aber gegen ihn konnte ich nur schlecht ausschauen. Gegen Zlatan hat man als Verteidiger nichts zu verlieren. Gegen so einen Mann kannst du nur gewinnen.“

Sein geplantes Rezept: „Es wird verdammt schwierig, ihn zu entschärfen, denn er verfügt über alles. Du weißt nicht, wo seine Schwächen sind. Das macht es für einen Verteidiger extrem schwierig, weil du nicht weißt, wie du gegen ihn spielen sollst. Wir müssen einfach schauen, dass wir ihn nicht ins Spiel kommen lassen, extrem wenige Ballkontakte zulassen. Umso weniger er hat, umso besser für unser Spiel. Das wäre vielleicht ein Schlüssel zum Erfolg, um Zlatan auszuschalten. In meinen Augen ist er derzeit wahrscheinlich der beste Stürmer in Europa.“

„Angst ist fehl am Platz“

Für Stefan Ilsanker wäre ein direktes Duell mit dem Ausnahmekünstler jedenfalls ein „absolutes Karriere-Highlight“. In Ehrfurcht würde er nicht erstarren, sollten sich am Spielfeld die Wege kreuzen.

„Angst ist fehl am Platz. Respekt ist vorhanden – den haben wir aber vor jedem, der am Platz steht. Gegen solch einen Gegenspieler kann man sich beweisen, schauen, wo man selber steht. Ich würde mich freuen, wenn ich gegen ihn spielen dürfte.“

Albträume verursache der Schweden-Bomber keine, wie Hinterseer versichert. Schließlich hat man mit David Alaba ein perfektes Pendant zu Ibrahimovic in den eigenen Reihen. Wenngleich der Vergleich mit etwas Vorsicht zu genießen ist, da es sich um zwei vollkommen unterschiedliche Spielertypen handelt.

Duell der Weltstars

„In der Öffentlichkeit, vom Weltstar-Charakter sind die beiden auf jeden Fall zu vergleichen. Da nehmen sich die beiden nichts. David ist vielleicht noch mehr im Kommen, weil er eben viel jünger ist. Wir sind froh, David zu haben. Er wächst auch immer mehr in diese Leaderrolle hinein - und das ist schon außergewöhnlich und bemerkenswert für so einen jungen Spieler“, meint Baumgartlinger.

Hinteregger abschließend dazu: „Zlatan ist Zlatan aus Schweden und David ist David aus Österreich. Ich hoffe, dass uns David weiterhin die Spiele entscheidet. Er ist unser großer Hoffnungsträger.“

 

Martin Wechtl / Peter Altmann

Man weiß, wie es geht

Den Stürmer von seinen Mitspielern zu isolieren sei laut Julian Baumgartlinger in den letzten zwei Begegnungen in der WM-Quali auch teilweise sehr gut gelungen.

„Da haben wir schon sehr viel richtig gemacht. Aber Weltklasse-Spieler kann man nicht zu 100 Prozent ausschalten, aber wir müssen es wieder versuchen. Es heißt, ihn von Anfang an zu stören, ihn erst gar nicht zum Entfalten kommen lassen. Ob es klappt, wird von unserer Tagesform beziehungsweise die Art und Weise wie wir auftreten, abhängig sein.“

Der größte Fehler wäre es, sich ausschließlich auf den 99-fachen Internationalen zu konzentrieren. „Es gibt immer Spieler, die für eine Mannschaft sehr wichtig sind und auch die entscheidenden Tore machen. So einer ist Zlatan Ibrahimovic. Er alleine wird das Duell aber auch nicht entscheiden können. Uns muss bewusst sein, dass wir zuerst einmal andere Spieler bzw. den Spielaufbau stoppen müssen, damit er gar nicht gefüttert werden kann“, gibt Baumgartlinger die Marschroute vor.

Der Plan

Wie das genau funktionieren soll?

„Es gibt mehrere Mittel einen Gegner zu stoppen, aber es ist trotzdem nicht einfach, in einem Spiel einen Spieler komplett herauszunehmen. Wir haben schon oft gesagt, dass wir versuchen müssen, ihn nicht ins Spiel kommen zu lassen, ihn sofort zu stoppen, früher am Feld zu attackieren, damit der Ball erst gar nicht zu ihm kommt. Wir haben unsere Wege und unsere Taktik und hoffen, dass wir sie auch gut umsetzen“, so der Mainz-Legionär.

Eine weitere Maßnahme wäre es, den Frankreich-Legionär mit zwei Leuten zu bedrängen. „Wir schauen, dass wir ihn so gut wie möglich zu zweit attackieren – dann wird es hoffentlich gut gehen“, meint Lukas Hinterseer.

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