Die Leiden des Schaaf-Jüngers

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"Seit ich dt. Bundesliga schaue, war Schaaf bei Werder"

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Noch einmal will Werder Bremen eine derart katastrophale Saison nicht erleben.

Erst am vorletzten Spieltag konnte der Traditionsverein den Klassenerhalt in trockene Tücher bringen und nach Wochen der Kritik und Ungewissheit endlich wieder durchatmen.

Mittendrin drei Österreicher: Zlatko Junuzovic, Marko Arnautovic und Sebastian Prödl. Ersterem ist die Erleichterung noch Wochen danach anzusehen.

„Ich nehme aus jedem Jahr etwas mit, habe jetzt zum dritten Mal gegen den Abstieg gespielt. Mit Austria Kärnten haben wir uns gerettet, mit dem GAK waren wir in Konkurs. Jetzt ist es mit Bremen noch ein bisschen intensiver gewesen“, verarbeitet der ÖFB-Teamspieler im Gespräch mit LAOLA1 eine Saison des Schreckens.

Mentaler Druck kaum auszuhalten

Junuzovic war froh zum Saisonabschluss beim Team gewesen zu sein, da er zugibt, dass der mentale Druck in der schwierigen Phase bei Bremen nur schwer auszuhalten war.

Auf den wohlverdienten Urlaub, um runterzukommen, musste der 25-Jährige aufgrund des WM-Quali-Spiels gegen Schweden noch eine Weile warten, nun ist es aber soweit.

Mittlerweile kann der Mittelfeldspieler aber wieder befreiter über die abgelaufene Saison berichten und seine Wertschätzung für Thomas Schaaf zum Ausdruck bringen, der der durchwachsenen Spielzeit zum Opfer fiel.

„Jetzt, wo mit Robin Dutt ein neuer Trainer da ist, findet man sich schon langsam mit der Situation ab. Aber am Anfang hat man das eigentlich nicht so richtig glauben können, weil Thomas Schaaf, seit ich die deutsche Bundesliga schaue, bei Werder Bremen ist.“

Kritik an Schaaf „heftig“ und „respektlos“

Das Bremer Urgestein war durchaus ein Fürsprecher von Junuzovic, von den drei Österreichern kann der laufstarke Profi mit Abstand die meiste Spielzeit aufweisen.

„Für mich persönlich ist es schon sehr schade, weil er auf mich gesetzt hat. Er hat mich immer spielen lassen, egal auf welcher Position“, bedankt sich der Ex-Austrianer bei Schaaf.

Schlussendlich war der 52-jährige Chefbetreuer gezeichnet, das gibt Junuzovic zu. Nicht nur sportlich hat die Saison Spuren hinterlassen, vor allem die Kritik traf den Deutschen hart.

„Das war schon brutal. Es war teilweise respektlos, wie über ihn geschrieben wurde, weil er schon Großartiges bei Werder geleistet hat. Er hat Werder groß gemacht. Das war teilweise schon zu heftig und hat sicher seinen Teil dazu beigetragen“, rekapituliert der Werderaner den unwürdigen Abschied der Bremer Legende.

„Wie, wenn wir Meister geworden wären“

Nur lobende Worte verliert Junuzovic über die Anhängerschaft, die dem Verein in Zeiten wie diesen aufmunternd zur Seite stand.

Ob, wie und auf welcher Position mit ihm geplant wird, wird sich erst nach seinem Urlaub weisen, außer Dutt meldet sich bereits vorher. In dieser Hinsicht ist Junuzovic flexibel.

„Ich weiß nicht, wie viele Positionen ich noch spielen kann. Unter Schaaf habe ich in der Offensive eigentlich schon alles gespielt“, muss er schmunzeln.

Umbruch bei Werder nimmt Züge an

Auch wenn es dem Legionär für Schaaf leid tut, bringt die Veränderung des Trainerteams durchaus auch Vorteile mit sich.

„Grundsätzlich ist eine Veränderung immer auch etwas Positives, weil man nicht weiß, was auf einen zukommt. Es ist spannend, weil man erfahren will, was passieren wird. Von dem her lenkt das vom Gedanken der Unsicherheit ab.“

Mit 30 Einsätzen, drei Toren und zwei Assists in seiner ersten Saison in der deutschen Bundesliga hat er durchaus schon einmal Werbung in eigener Sache gemacht.

„Beim neuen Trainer fängt jeder bei Null an. Ich muss mich halt wieder reinbeißen, das musste ich am Anfang auch, bis ich mir ein gewisses Standing erarbeitet hatte.“

Ob auch Dutt seine Leistungen honorieren wird? Im Fall der Fälle scheint Junuzovic eine Veränderung nicht auszuschließen. Die kommenden Wochen werden Klarheit schaffen.


Alexander Karper

Mit organisierten Aktionen und skurrilen Aufmunterungsversuchen – wie etwa Schokolade für die Spieler – trugen die Werder-Fans ihren Teil zum Klassenerhalt bei.

„Das war sensationell. Wir sind beim vorletzten Spiel gegen Frankfurt vom Hotel weggefahren, brauchten einen Punkt und waren noch nicht gerettet. Da stehen auf einmal 25.000 Fans vor dem Stadion, rechts und links war alles grün, das war sensationell. Wie, wenn wir Meister geworden wären. Wir gewinnen zwölf Spiele in Folge nicht und die stehen so hinter uns, das war unglaublich. So etwas habe ich noch nie gesehen.“

So wie die Supporter hofft auch der unter Teamchef Marcel Koller gesetzte Nationalspieler, dass dem Klub ein ähnliches Seuchenjahr erspart bleibt. Laut Junuzovic muss es nicht einmal ein Titel sein, nur eine angenehme Saison wäre schon schön genug.

„Unter Schaaf habe ich schon alles gespielt“

Dabei steht an der Weser ein Umbruch bevor. Mit Dutt wurde ein Schaaf-Nachfolger gefunden, der sogar als Sportdirektor vom DFB losgeeist werden konnte.

Zudem suchten mit Sokratis (Dortmund) und Kevin De Bruyne, um den sich Dortmund und Leverkusen einen erbitterten Transferkamp liefern, bereits zwei Leistungsträger das Weite. Auch Junuzovic, der noch einen Vertrag bis 2015 besitzt, weiß noch nicht, wie es weitergeht.

„Ich kenne den neuen Trainer noch nicht persönlich. Von dem her kenne ich seine Grundgedanken noch nicht, auf was er setzt und welches System er spielt“, muss der Allrounder zugeben.

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