Ein Adler statt zwei Bullen

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"Dann war's das für mich und Schweden"

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Jeder geht mit Misserfolgen anders um. Jeder sucht sich andere Quellen für seine Motivation.

„Für mich ist das zu 100 Prozent Revanche“, antwortet Martin Hinteregger auf die Frage, ob nach dem CL-Out mit Red Bull Salzburg gegen Malmö FF eben das Nationalteam Schwedens für den Erfolg der Landsleute büßen solle.

„Ich bin richtig heiß auf Schweden. Ich möchte wieder mit einem guten Gefühl nach Schweden fliegen können, um dort vielleicht einmal Urlaub machen zu können, denn es ist ein richtig schönes Land. Sollten wir in der Quali jedoch wieder verlieren, war’s das für mich und Schweden“, stellt der Innenverteidiger klar.

Eine direkte Revanche ist ohnehin schwierig, da mit Emil Forsberg, der am Donnerstag im Test gegen Estland sein zweites Länderspiel bestritt, nur ein Malmö-Kicker im Aufgebot der Skandinavier steht.

„Jetzt habe ich den Adler auf der Brust und nicht meine zwei Bullen“

Stefan Ilsanker wählt einen anderen Zugang als sein Vereinskollege: „Ich kann da gut differenzieren. Jetzt habe ich den Adler auf der Brust und nicht meine zwei Bullen. Jetzt geht es gegen Schweden und nicht mehr gegen Malmö.“

Verdaut wollen beide „Bullen“ das Negativerlebnis inzwischen haben. „Mir persönlich ist es relativ gut ergangen. Als ich in den Teamkader eingerückt bin, war das eigentlich schon wieder vergessen. Jetzt gilt es nach vorne zu schauen“, betont Ilsanker.

Auch Hinteregger meint: „Wir sind Profis genug und haben das weggesteckt. Nach zwei Tagen war es vorbei. Nach der Europa-League-Auslosung haben wir uns auf die neuen Aufgaben konzentriert.“

Was beide Salzburg-Kicker zudem eint, ist, dass sie in den vergangenen Monaten ihren Stellenwert im Nationalteam nach oben geschraubt haben.

Hinteregger und Dragovic in der Pole-Position?

Das gilt vor allem für Hinteregger, der in den ersten drei Tests nach der WM-Qualifikation gegen die USA, Uruguay und Island jeweils an der Seite des gesetzt scheinenden Aleksandar Dragovic im Abwehrzentrum auflief. Erst in Tschechien durften Sebastian Prödl und Emanuel Pogatetz, der diesmal mangels Arbeitgeber nicht nominiert wurde, von Beginn an ran.

Seine Chance, auch gegen Schweden in der Startelf zu stehen, beurteilt der Kärntner vorsichtig mit 50:50 und verspricht, dass er jede Entscheidung verstehen werde.

Vorteile durch die Einsätze in den Freundschaftsspielen sehe er nicht: „Prödl und Dragovic haben auch schon einiges geleistet, Kevin Wimmer ist am Vormarsch. Deswegen muss man in jedem Training auf der Hut sein und sein Bestes geben. Wenn ich spielen sollte, bin ich natürlich glücklich. Aber die Entscheidung liegt beim Teamchef.“

Was denn für ihn sprechen würde? „Nicht viel mehr als für die anderen.“

„Riesenfreude, dass ich wieder einberufen wurde“

Da nicht davon auszugehen ist, dass Marcel Koller seinen Stamm im Vergleich zur WM-Qualifikation groß umbauen wird, wäre Hinteregger definitiv einer der Gewinner der Vorbereitungsspiele, sollte er das Ticket für die Anfangsformation gelöst haben.

Dass Ilsanker indes ein Gewinner des letzten Camps war, liegt auf der Hand. Gegen Island und in Tschechien stand er jeweils in der Startelf – seine ersten beiden Länderspiele. Dabei hat er Koller überzeugt, der Schweizer fand zumindest immer wieder lobende Worte für den 25-Jährigen.

Die erneute Nominierung war die logische Folge. „Ich hatte eine Riesenfreude, dass ich wieder einberufen wurde und habe mich sehr auf das Team gefreut, weil wir wirklich eine geile Truppe beieinander haben. Ich freue mich auch auf die Aufgabe EM-Qualifikation. Das ist schon etwas Großes, da will man natürlich unbedingt dabei sein.“

„Habe in der Mitte sehr, sehr starke Konkurrenz“

Der Konkurrenzkampf im defensiven Mittelfeld ist ein großer. Auch Julian Baumgartlinger und Christoph Leitgeb sind Kandidaten für den Platz neben David Alaba – drei unterschiedlich veranlagte Akteure, was Koller die Möglichkeit gibt, taktische Überlegungen in die Entscheidung miteinfließen zu lassen.

„Ich habe in der Mitte sehr, sehr starke Konkurrenz. Jeder muss sich beweisen, um zu spielen, ich gebe im Training jeden Tag Vollgas“, erklärt Ilsanker, der nicht über seine Einsatzchancen spekulieren möchte.

Der gute Einstand hat jedoch zumindest einen gewissen Rückenwind verliehen: „Ich habe gezeigt, dass ich auch im Team-Dress gute Leistungen zeigen kann. Es wäre natürlich schön, wenn ich jetzt zu mehr Einsätzen komme würde.“

Schweden als Karriere-Höhepunkt?

Die Frage, ob ein Einsatz gegen Schweden sein bisheriger Karriere-Höhepunkt wäre, lässt sich für den Salzburger kurz und prägnant beantworten: „Ja!“

Die ultimative Steigerung wäre so gesehen wohl eine Reise zur EM. Ilsanker ist guter Dinge, dass die ÖFB-Elf für die Qualifikation gerüstet ist:

„Das letzte Mal ist es sich knapp nicht ausgegangen, aber ich denke, wir sind jetzt noch ein bisschen routinierter und eingespielter. Wenn wir zehn gute Partien abliefern, haben wir Chancen, übernächstes Jahr in Frankreich dabei zu sein.“


Peter Altmann/Martin Wechtl

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