"In zwei Wochen redet keiner mehr über die zwei Tore"

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Selbstzufriedenheit wäre wohl typisch Österreichisch.

Mit einem genervten „Neeee“ kontert Martin Harnik die Frage, ob er seinem Doppelpack bei der 2:3-Niederlage mit dem VfB Stuttgart gegen Bayern München im DFB-Pokal-Finale etwas Positives abgewinnen kann.

„Ich verstehe auch nicht, warum auf diesen beiden Toren so rumgeritten wird. In zwei Wochen redet keiner mehr über zwei Tore von Harnik, sondern jeder redet nur noch über den Pokalsieg und das Triple der Bayern. Die zwei Tore werde ich mir nicht auf die Autogrammkarte für die nächste Saison schreiben können, sondern nur den Titel, und den haben wir nicht geholt“, ärgert sich die Offensivkraft nach wie vor über die Pleite im Berliner Olympiastadion.

Fußball sei immer noch ein Mannschaftssport, deswegen überwiege die Enttäuschung über die verpasste Aufholjagd: „Es ist ja auch meine Aufgabe, Tore zu schießen. Dass es mir zwei Mal gelungen ist, war trotzdem ein Mal zu wenig. Man braucht nicht immer mehr daraus zu machen, als es ist.“

„Müssen jetzt wirklich einmal mit breiter Brust auftreten“

Auch wenn er am Freitag im WM-Qualifikations-Spiel gegen Schweden treffen würde, wäre dies kein Fall für seine Autogrammkarte. „Aber man kann sich vielleicht die Qualifikation für die WM auf die Autogrammkarte schreiben. Das wäre ein Erfolg, den ich gerne verbuchen würde. Dementsprechend werden wir das Spiel am Freitag auch angehen.“

Harnik nimmt das Kräftemessen mit den Skandinaviern mit großem Optimismus in Angriff. Ergo lehnt er auch die Fragestellung ab, was die ÖFB-Elf tun müsse, um Zlatan Ibrahimovic und Co. Paroli bieten zu können.

„Mir gefällt diese Denkweise nicht, weil wir jetzt wirklich einmal ein bisschen mit breiter Brust auftreten müssen. Wir brauchen uns vor den Schweden nicht zu verstecken.“

Deshalb sollten die eigenen Stärken, auf die man sich bei aller akribischen Vorbereitung auf den Gegner besinnen müsse, im Mittelpunkt stehen: „Wir müssen unser Potenzial abrufen, um zu gewinnen. Das wird der Schlüssel sein - und nicht, wie man den Schweden weh tut. Wir spielen zu Hause, haben seit Monaten ein ausverkauftes Stadion, die Euphorie ist groß – und das wollen wir auch zurückgeben beziehungsweise bestätigen. Das geht nicht von alleine, es wird keine hundertprozentige Dominanz von uns geben. Aber wir haben sehr gute spielerische Fähigkeiten, die wir abrufen können. Wir haben unglaublichen Willen in der Mannschaft und den Glauben an uns, den wir in Irland mit dem 2:2 in der Nachspielzeit unter Beweis gestellt haben.“

Mehr Euphorie in der Öffentlichkeit als in den Medien?

Ob der Glaube der Mannschaft an die erfolgreiche WM-Qualifikation größer sei als jener in der Öffentlichkeit?

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Vorerst steht jedoch das Schlüsselspiel gegen Schweden am Programm, auch wenn dem 35-fachen A-Teamspieler dieser Begriff nicht gefällt: „Wenn es nach den Medien geht, sind wir ja schon ausgeschieden, denn Irland war ja auch schon ein Schlüsselspiel und die Qualifikation gelaufen, wenn wir nicht gewinnen. Nach dem 2:2 war dann alles super.“

Selbstkritische Saison-Bilanz

Dass das Ergebnis vom Freitag richtungsweisend ist, bestreitet Harnik indes nicht: „Es ist ja wirklich so, dass wir das Spiel gewinnen sollten, damit wir in den nächsten Spielen nicht zu sehr unter Druck stehen. Außerdem sollte man in einer Qualifikation sowieso die meisten Heimspiele gewinnen. Natürlich geht es jetzt gegen Schweden im direkten Duell um Platz zwei.“

Mit einem Erfolgserlebnis im allerletzten Saisonspiel wäre der Urlaub vermutlich noch erholsamer. Kommende Saison möchte er in Stuttgart, wo er noch bis 2016 unter Vertrag steht, neu angreifen. Denn die Bilanz der abgelaufenen Spielzeit fällt selbstkritisch aus:

„Ich hatte vorletztes Jahr eine sehr gute Saison, dieses Jahr war ich nicht hundertprozentig zufrieden. Es heißt auch für mich jetzt mal wieder den nächsten Schritt zu machen und einfach mehr Konstanz reinzubringen.“

Nach seiner 17-Tore-Saison 2011/12 folgten diesmal fünf Liga-Treffer und sieben Assists. Allesamt tendenziell keine Daten, die auf der Autogrammkarte landen. Dafür zählt nur eines: „Ich möchte mit Stuttgart gerne einen Titel gewinnen. Jetzt waren wir zwar nahe dran, aber das Ziel steht noch aus.“

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„Ich würde sogar zwischen Medien und Öffentlichkeit unterscheiden. Ich habe das Gefühl, dass die Medien jetzt wieder ein bisschen vorsichtiger werden oder vielleicht schon von vornherein ein bisschen tiefstapeln, damit sie am Ende möglicherweise bestätigt werden oder über eine Sensation schreiben können“, ortet der Stuttgart-Legionär im Blätterwald Zurückhaltung.

Seiner Meinung nach sei die durch die große Ticketnachfrage für Länderspiele untermauerte Euphorie der Anhängerschaft berechtigt: „Aufgrund dieser Euphorie merkt man ja, dass die Leute etwas von uns erwarten. Und die erwarten ja nicht etwas von uns, wenn wir einen Scheiß zusammenspielen würden, sondern weil sie wirklich daran glauben. Und das tun wir auch.“

Dies ist auch einem Entwicklungsprozess geschuldet, der in der jüngeren Vergangenheit von statten gegangen ist. Laut Harnik, der kommenden Montag seinen 26. Geburtstag feiert, hat sich über die Jahre einiges getan. „Es hat sich wirklich einiges verändert“, verweist er auf die „unglaublich positive Stimmung und Gemeinschaft“ im Team.

Ein Plädoyer für Koller

„Ich glaube, die individuelle Klasse haben wir schon seit mehreren Jahren. Mehrere Legionäre waren in ihren Vereinen erfolgreich, aber wir konnten das selten als Mannschaft umsetzen. Das hat sich meiner Meinung nach unter Marcel Koller geändert. Wir haben es geschafft, diese individuelle Stärke auch als Mannschaft umzusetzen. Dementsprechend sind wir alle überzeugt, dass wir einen erfolgreichen Weg weitergehen werden.“

Ein Weg, der unter der Anleitung von Koller beschritten werden sollte. Laut Harnik sollte der Teamchef-Vertrag mit dem Schweizer verlängert werden:

„Ich würde es mir natürlich wünschen. Ich glaube, dass man einen wirklich positiven Trend erkennen kann und wir diesen fortsetzen sollten. Da ist der Teamchef mit seinem Stab ein großer und wichtiger Bestandteil.“

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