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"An Ineffizienz nicht mehr zu überbieten"

Die Null steht im ÖFB-Team – so gut wie nie.

In den letzten 35 Länderspielen seit der Nullnummer gegen Tunesien am 21. November 2007 gelang es dem Nationalteam nur zwei Mal, die 90 Minuten ohne Gegentor zu überstehen.

Und zwar letzten Herbst beim holprigen 2:0 gegen Kasachstan und beim souveränen 3:0 gegen Aserbaidschan – zwei Kontrahenten, die nicht unbedingt mit einem Gütesiegel in Sachen rundes Leder zu versehen sind.

In den übrigen 33 Matches klingelte es zumindest ein Mal – egal, ob der Gegner Spanien, Litauen oder Färöer hieß. Also eine Problematik, die unter Teamchef Josef Hickersberger begann, sich durch die komplette Ära von Karel Brückner zog und auch von Didi Constantini in 19 von 21 Versuchen nicht abgestellt werden konnte.

Wenn wir nur wüssten wie…

Die Rechnung ist so simpel anzustellen, wie schwierig umzusetzen: Wenn man jedes Mal einen Treffer kassiert, muss man selbst mindestens zwei schießen, um den Platz als Sieger zu verlassen.

Auf die Frage, wie man dieses Manko abstellen kann, erntet man im rot-weiß-roten Lager vorwiegend Schulterzucken.

„Wenn wir wissen würden wie, würden wir es eh machen“, verdeutlicht Goalie Christian Gratzei, der beim 1:2 gegen die Slowakei ein äußerst unglückliches Kopfball-Tor, bei dem der Ball erst an die Stange, dann an seinen Rücken und von dort ins Netz sprang, sowie einen Abseits-Treffer kassierte.

Sinnbildlich für das eine oder andere denkbar unnötige Gegentor in der jüngeren Vergangenheit. „Fakt ist, dass wir auch ein bisschen verhext sind, wenn man sich die letzten Spiele anschaut“, flucht der Sturm-Keeper.

Das erste Tor muss her

Einen konkreten Lösungsansatz hat auch Kapitän Marc Janko nicht anzubieten: „Vielleicht müssen wir noch konzentrierter in die Zweikämpfe gehen, die Gegenspieler noch mehr stören – nach dem Motto: Wenn ich den Ball nicht bekomme, dann er auch nicht.“

Um Missverständnissen vorzubeugen: Diese Problematik ist keine, die ausschließlich die Defensivkräfte im ÖFB-Dress etwas angeht. Man kann den Spieß nämlich genauso gut umdrehen.

„Vielleicht würde es helfen, wenn wir selbst einmal das erste Tor machen“, meint Julian Baumgartlinger, „dann müsste man nicht sofort wieder in jeder Situation Angst haben, dass man in Rückstand gerät. Vielleicht ist es schon ein bisschen im Hinterkopf, dass wir immer wieder früh mit unnötigen Toren in Rückstand geraten und dem dann hinterherlaufen. Diese Serie müssen wir einfach einmal brechen.“

Neben dem Slowakei-Spiel führt der Mainz-Legionär auch den einzigen Sieg in diesem Länderspiel-Jahr als Beispiel an: „Gegen Lettland war es ähnlich. Da haben wir auch das Spiel beherrscht, unsere Chancen jedoch nicht genützt, und dann geraten wir sogar noch in Rückstand. Damals haben wir das Spiel mit Moral noch gedreht. Gegen die Slowakei ist uns das leider nicht geglückt, weil wir 0:2 in Rückstand waren.“

„Große Mannschaften nutzen zu 80 Prozent die erste Chance“

Wobei man betonen muss, dass Österreich unter Constantini nicht an Ladehemmung leidet. Nur in sechs von 21 Auftritten unter Anleitung des Tirolers blieb Rot-weiß-rot torlos.

Das letzte Mal – abgesehen von den beiden „Ausreißer-Partien“ gegen Kasachstan und Aserbaidschan – dass das ÖFB-Team das erste Tor des Spiels erzielte, ist jedoch schon eine Weile her – und zwar am 3. März 2010 beim 2:1 im Freundschaftsspiel gegen Dänemark.

„Die großen Mannschaften nutzen ihre Chancen – zu 80 Prozent gleich die erste. Das ist momentan bei uns noch das große Manko. Wir nutzen die erste nicht, die zweite nicht, vielleicht sogar die dritte nicht. Dann kann es natürlich passieren, wenn man offensiv spielt, dass man hinten einmal ein Gegentor kassiert“, kritisiert Baumgartlinger.

„An Ineffizienz nicht zu überbieten“

Eine Analyse, die Emanuel Pogatetz unterschreibt: „Wir müssen einfach einmal in Führung gehen, unsere Chancen nützen. Dann wäre es für uns alle einfacher, guten Fußball zu zeigen. Dann könnten wir auch einmal mit weniger Aufwand mehr erreichen.“

Für Janko wird „speziell gegen qualitativ hochwertige Mannschaften die Sache nicht einfacher, wenn man immer wieder gegen einen Rückstand spielen muss.“

So gesehen war das Slowakei-Spiel sinnbildlich für eines der Hauptdefizite der ÖFB-Elf – fehlende Kaltschnäuzigkeit vorne wie hinten.

Das bittere Fazit von Pogatetz: „Das Slowakei-Spiel war an Ineffizienz nicht mehr zu überbieten.“

Peter Altmann / Bernhard Kastler / Christoph-Felix Walter

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