Koller hat Ivanschitz im Auge

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"Möchte Aspekt seiner Erfahrung im Team behalten"

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Mit 69 Länderspielen rangiert Andreas Ivanschitz gleichauf mit Hans Krankl immer noch auf Platz neun in der ewigen Bestenliste des ÖFB.

Vom aktuellen Kader musste er inzwischen Christian Fuchs (71 A-Team-Einsätze) ziehen lassen.

Ivanschitz gehört zwar schon seit dem Beginn der EM-Qualifikation keinem aktuellen Aufgebot mehr an, präsent ist er im ÖFB-Dunstkreis jedoch sehr wohl.

Auch nach seinem Wechsel in die USA zu den Seattle Sounders ist der 32-Jährige Stammgast auf der Abrufliste von Teamchef Marcel Koller.

Keine abgebrochenen Brücken

Anders als sein Amtsvorgänger neigt der Schweizer nicht dazu, die Brücken zu potenziellen Kandidaten abzubrechen. Vielmehr hält er sich für den Fall der Fälle gerne alle Optionen offen.

So auch beim langjährigen Kapitän des Nationalteams, der einst während seines Engagements bei Mainz von Didi Constantini aus dem Kader verbannt worden war.

Koller und Ivanschitz pflegen ein korrektes Verhältnis. Den letzten persönlichen Kontakt gab es am 15. Oktober anlässlich des Geburtstags des Burgenländers. Vor dem Beginn seines US-Abenteuers wurde der ÖFB-Status-quo des Mittelfeldspielers in einem längeren Gespräch abgeklärt.

„Ich hab Andi gesagt, von meiner Seite wird nicht kommen: ‚Du bist nicht mehr dabei.‘ Wenn er sagt, er gibt seinen Rücktritt bekannt, können wir das natürlich nicht verhindern“, berichtet der Teamchef.

Argumente auf dem Platz

Ein Schritt, der für Ivanschitz selbst bekanntlich nicht in Frage kommt. Anfang Oktober bekräftigte er im LAOLA1-Interview, dass die EURO in seinen Gedanken auf jeden Fall präsent sei und er weiterhin zur Verfügung stehe.

Gleichzeitig stellte er klar, dass er sich nur mit guten Leistungen für eine Rückkehr aufdrängen könne: „Ich tue alles dafür, um dem Teamchef wieder gute Argumente zu liefern, und zwar auf dem Platz.“

Sein Treffer in den MLS-Playoffs gegen den FC Dallas fällt wohl unter diese Kategorie.

„Wir nehmen das natürlich wahr und schauen uns das an, wie wir es vorher schon während seiner Zeit in Spanien gemacht haben. Das Scouting direkt vor Ort ist natürlich ein bisschen schwieriger. Wir machen das via Video und sind informiert“, betont der Teamchef, dass man die Auftritte von Ivanschitz im Auge hat.

„Gerade auf den Außenbahnen gibt es viele gute und junge Spieler“

Aber wie hoch sind die Chancen des Routiniers tatsächlich, sich noch einmal zurück in das Nationalteam zu spielen und sein 70. Länderspiel zu absolvieren? Wie für viele andere Kandidaten, die keinen Fixplatz im Kader haben, tendenziell nicht allzu hoch.

„Für jene, die aktuell nicht dabei sind, ist es sicher nicht einfach“, gibt Koller zu, „wenn sich einer verletzt oder absolut nicht in Form ist, kann eine Tür aufgehen und wir schauen uns das entsprechend an. Es ist aber so, dass die Konkurrenz sehr groß ist. Gerade auf den Außenbahnen gibt es viele gute und auch junge Spieler, die sich aufdrängen. Für uns gilt es zu schauen: Wer kann uns weiterbringen?“

Aufgrund des verletzungsbedingten Ausfalls von Martin Harnik bekommt diesmal Mattersburg-Kicker Karim Onisiwo die Chance, das Betreuerteam von seinem Können zu überzeugen.

Koller streicht jedoch auch die gute Entwicklung von Guido Burgstaller beim 1. FC Nürnberg hervor, auch die beiden Rapid-Flügelflitzer Florian Kainz und Philipp Schobesberger finden sich auf der Abrufliste wieder – Letzteren hat der 54-Jährige bereits beim Lehrgang vor dem Gastspiel in Russland unter die Lupe genommen.

EURO-Erfahrung als Trumpf von Ivanschitz

Mit dem in der Offensive vielseitig einsetzbaren HSV-Legionär Michael Gregoritsch hält der Teamchef auf einen Youngster große Stücke, belässt ihn vorerst jedoch wie Louis Schaub für die anstehenden EM-Qualifikations-Spiele in der U21.

Schafft ein Kandidat doch den Sprung in den Kader, gilt es auf Anhieb zu überzeugen. „Das ist der Vorteil des Nationaltrainers. Wir können sagen, wir schauen uns mal an, welche Fähigkeiten ein Spieler hat, ob er uns vielleicht noch das gewisse Etwas bringen kann.“

Während die biologische Uhr nicht für Ivanschitz tickt, hat er indessen ein gewisses Etwas, das keiner seiner Konkurrenten aufweisen kann: seine Routine. Gerade seine EURO-Erfahrung vom Heim-Event 2008 könnte sich als Trumpf erweisen, je näher das Turnier in Frankreich rückt.

Der neue Vastic?

Diesen Hintergedanken möchte Koller erst gar nicht verhehlen: „Genau diesen Aspekt seiner Erfahrung möchte ich beim Team behalten. Vielleicht ist es irgendwann im nächsten Jahr so, dass der eine oder andere verletzt ist oder die Jungen nicht in Form sind, sodass es gut ist, wenn wir noch einen routinierten Spieler dabei haben, der sich auskennt und in gewissen Situationen auch Ruhe reinbringen kann.“

Nun ist Ivanschitz noch um einige Jahre jünger als es Ivica Vastic bei der EM 2008 war. Aber schon damals konnte man beobachten, wie schnell es gehen kann, dass lange nicht berücksichtigte Oldies plötzlich wieder ein Thema werden können.

Peter Altmann

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