Der Faktor X

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Shirokov als Russlands Ass im Ärmel?

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60 Prozent. So viel würde David Alaba bei Österreich ausmachen und Roman Shirokov bei Russland.

Das behauptete zumindest Dmitri Poloz. „Also spielen 160 Prozent Russland gegen 40 Prozent Österreich“, meinte der russische Nationalspieler ob des Ausfalls des ÖFB-Stars und der Rückkehr seines Teamkollegens.

Natürlich hat der 23-Jährige mit dieser Aussage maßlos übertrieben, dennoch steckt ein Fünkchen Wahrheit darin. Niemand weiß, wie sich das Fehlen Alabas auf das ÖFB-Team auswirken wird.

Andererseits könnte das Comeback von Shirokov für eine Belebung des russischen Spiels sorgen.

Der einzige Spielmacher, den wir haben“

„Er ist der einzige richtige Spielmacher, den wir haben. Er hat sehr viel Erfahrung, sehr viel Qualität und auch ein gutes Auge. Es lastet viel Druck auf ihm“, meinte Sturms russischer Legionär Naim Sharifi am Rande des Traininscamps in Bad Tatzmannsdorf.

Vor der WM in Brasilien galt der damalige Kapitän als wichtigster Spieler im Kader. Dann fiel er aufgrund von Achillessehnenproblemen lange aus, jetzt ist er wieder dabei.

Mit Shirokov, der neben dem defensiven Sechser Denis Glushakov als Antreiber im zentralen Mittelfeld agiert, könnte Russland spielerisch stärker auftreten als zuletzt. Auf Seite der Österreicher wird sich weisen, ob man auch ohne Alaba einen Gegner dieses Formats dominieren kann. Es ist schwierig vorauszusehen, welches Team auf mehr Ballbesitz kommen wird. Die Fans dürfen sich auf ein enges Spiel freuen.

Achtung vor Kokorin

Neben der Information zu Shirokov hat Sharifi noch einen weiteren Hinweis für das ÖFB-Team auf Lager: „Österreich muss auf Aleksandr Kokorin und Artem Dzyuba aufpassen. Wenn sie gegen die beiden defensiv gut stehen, dann ist einiges möglich.“

Seine Warnung vor dem Stürmer-Duo kommt nicht von ungefähr. Die beiden ergänzen sich hervorragend. Dzyuba bindet mit seinem 1,96 m großen Körper die Verteidiger auf sich und fungiert als Ableger für hohe Bälle.

Die Aufstellung von Russland: Capello wird wohl ein 4-4-1-1 auf das Feld schicken. Die Flügelspieler rücken dabei oft nach innen und werden von den Außenverteidigern hinterlaufen. Im zentralen Mittelfeld agiert Shirokov offensiver als der absichernde Glushakov.

Dahinter lauert mit Kokorin der Superstar der Mannschaft. Der 23-Jährige nützt jene Räume, die Dzyuba für ihn öffnet. Er besticht als hängende Spitze mit einer unglaublichen Dynamik und Torgefährlichkeit.

Aleksandr Dragovic und Martin Hinteregger müssen aufpassen, sich von Dzyuba nicht aus der Position ziehen zu lassen. Ansonsten hat Kokorin plötzlich viel Platz und es wird gefährlich.

ÖFB-Pressing würde wohl nichts bringen

Auch Julian Baumgartlinger ist in der Defensive gefordert. Als Sechser vor der Abwehr muss er bei den hohen Pässen, von denen viele zu erwarten sind, die zweiten Bälle abräumen.

Denn die beiden Innenverteidiger Sergei Ignashevich und Vasili Berezutski sind keine begnadeten Aufbauspieler. Sie werden sich erst gar nicht auf ein mögliches österreichisches Angriffspressing einlassen, sondern die Kugel einfach nach vorne schlagen.

Auch das hat der Teamchef bereits angekündigt: „Sie spielen sehr breit, fächern in Ballbesitz sehr weit auseinander. Das heißt, dass es immer wieder Eins-gegen-eins-Situationen gibt. Wenn du dich in diesen Zweikämpfen durchsetzt und dann schnell nach vorne spielst, dann hast du Platz. Solche Dinge müssen wir ausnützen.“

Insbesondere die Räume hinter den Außenverteidigern könnte das ÖFB-Team dabei bespielen. Denn normalerweise agieren Dmitri Kombarov und Sergei Parshivlyuk sehr offensiv. Es wird also auf Marko Arnautovic und Martin Harnik ankommen, nach Ballgewinn schnell den Weg nach vorne zu suchen und sich für Steilpässe anzubieten.

Kein Janko zu Gunsten der Schnelligkeit?

Um das Umschaltspiel noch mehr zu forcieren, könnte Marcel Koller im Sturm auf einen anderen Spieler setzen, als auf den behäbigen Marc Janko. Rubin Okotie wäre ein Kandidat, vielleicht sogar der flinke Andi Weimann.

Jedenfalls ist gegen die routinierte Verteidigung aus Ignashevich (35) und Berezutski (32) Schnelligkeit gefragt. Die beiden versuchen ihre Behäbigkeit damit zu kompensieren, sich immer wieder tief nach hinten fallen zu lassen. Das ergibt Räume vor der Abwehr, die ÖFB-Zehner Junuzovic nutzen könnte.

Der Bremen-Legionär ist gemeinsam mit Baumgartlinger und dem wahrscheinlichen Alaba-Ersatz Christoph Leitgeb gefragt, Struktur ins österreichische Spiel zu bringen. Nur so kann Alaba ersetzt werden.

Es wäre die richtige Antwort auf den frechen 60-Prozent-Sager des Russen Poloz.

 

Jakob Faber

Nicht umsonst meinte Marcel Koller bei einer Pressekonferenz auf die Frage, ob man Fore-Checking betreiben werde: „Das ist vom Gegner abhängig. Es kann sein, dass sie lange Bälle spielen. Dann ist das ganz hohe Pressing schwierig und verlagert sich eher an die Mittellinie.“

Schnelles Umschalten besonders wichtig

Vom ÖFB-Team ist also eher eine abwartende Spielweise zu erwarten. Die Innenverteidiger sowie den am Ball unsicheren Torwart Akinfeev werden Zlatko Junuzovic und Co. nur situativ unter Druck setzen. Stattdessen ist damit zu rechnen, dass das Koller-Team die Räume in der eigenen Hälfte zumacht und dann schnell umschaltet.

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