"Mir ist erstmals das 'typisch Italienische' passiert"

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„Das sollen sie nur versuchen, dann wird es rascheln!“

György Garics ist fest entschlossen, in der Winter-Transferperiode den FC Bologna zu verlassen und rät seinem Arbeitgeber, ihm trotz Vertrags bis Sommer 2016 keine Steine in den Weg zu legen.

Seinen Entschluss hat er dem im Frühjahr in die Serie B abgestiegenen Verein, für den er seit 2010 aktiv ist, bereits mitgeteilt: „Sobald ich im Jänner die Möglichkeit habe, werde ich weggehen, und da schließe ich natürlich auch einen Wechsel in ein anderes Land nicht aus.“

Das geplante Arrivederci ist die logische Konsequenz einer aus der Sicht des ÖFB-Teamspielers verkorksten Herbst-Saison.

„Es kann nicht an meiner Leistung liegen“

Ganze drei Mal durfte er bislang in Italiens zweithöchster Spielklasse ran. Einer Roten Karte beim Auftakt gegen Perugia folgten zwei weitere Einsätze, ansonsten hieß die bittere Realität Ersatzbank.

„Ich bin nur geblieben, weil sich der Verein dafür ausgesprochen hat. Der Sportdirektor ist an mich herangetreten, dass sie mich unbedingt dabei haben und sogar den Vertrag verlängern möchten. Das Gleiche beim Trainer. Gleich am ersten Tag hat er mich zur Seite genommen und gesagt: ‚Ich möchte dich zum Vize-Kapitän machen und die Mannschaft um dich herum aufbauen.‘ Dann dürfte etwas passiert sein, von dem ich keine Ahnung habe“, mutmaßt der 30-Jährige.

An eine Degradierung aus Leistungsgründen will Garics nicht so recht glauben: „Bei allem Respekt und bei aller Liebe: Es kann wahrscheinlich nicht an meiner Leistung liegen, denn ich habe sieben Jahre Woche für Woche Serie A gespielt, und nach knapp 200 Einsätzen denke ich schon, dass ich die Qualität habe, hier mitspielen zu können.“

Das „typisch Italienische“

Das Gespräch mit Trainer Diego Lopez habe er bislang nicht gesucht. Denn nachdem das komplette Gegenteil dessen, was zu Saisonstart besprochen wurde, eingetreten sei, „ist es für mich komplett irrelevant, was er sagt, denn beim nächsten Mal würde ich ihm kein Wort mehr glauben.“

Laut Garics könne es einfach passieren, dass einen ein Trainer nicht mag. „Jetzt ist mir in meiner Italien-Karriere zum ersten Mal das ‚typisch Italienische‘ passiert. Wahrscheinlich bin ich zuvor sogar noch gut gefahren. Aber das gehört auch zum Fußball dazu, ich habe jetzt mit 30 erstmals so eine Phase. Ich werde auch diese Hürde nehmen und nicht alles in Frage stellen, weil ich zum ersten Mal in meinem Leben nicht spiele.“

Über potenzielle Interessenten könne er nichts sagen, dafür wäre es ohnehin noch zu früh: „Selbst wenn Real Madrid sagen würde ‘Wir wollen dich haben‘, wäre es jetzt unmöglich. Es hat keinen Sinn, darüber zu sprechen. Ich muss schauen, dass ich dann, wenn es im Jänner so weit ist, fit und bereit für eine neue Aufgabe bin.“

„Klein und ich haben einen ganz sauberen Zweikampf“

Ablenkung vom Reservisten-Schicksal in Bologna bietet das Nationalteam, wenngleich Garics auch unter Marcel Koller seinen Stammplatz rechts in der Viererkette verloren hat. Für den 40-fachen Internationalen ist dies jedoch eine komplett andere Baustelle.

„Einerseits denke ich, wenn man schon über menschliche Klasse spricht, tut man das nicht über die Presse. Andererseits ist es so, dass bei ihm anscheinend hängengeblieben ist, was ich damals gesagt habe. Es freut mich, dass er auch nach so langer Zeit immer noch an mich denkt. Ich hatte in meiner Karriere nie ein menschliches Problem mit einem Trainer oder Spieler. Daher ist das für mich abgehakt. Was gesagt wurde, wurde gesagt und mit dem würde ich das Ganze auch abschließen wollen.“

Über das Timing von Constantinis Abrechnung wenige Tage vor einem wichtigen Qualifikations-Spiel kann man vermutlich streiten. Garics findet jedoch, dank der Meinungsfreiheit könne jeder sagen, was er will, deshalb müsse man über solchen Aussagen stehen:

„In diesem Moment ist es das Recht eines jeden Österreichers zu versuchen, dem Team zu helfen. Denn ich glaube, in solch einer Situation hat sich die Mannschaft schon länger nicht mehr befunden. Wenn versucht wird, negativ herumzuschreiben, hat das eigentlich keinen Sinn. Ich glaube, das ist Schwachsinn.“

Peter Altmann

Florian Klein und ich haben einen ganz sauberen Zweikampf. Wir wollen beide das Beste für die Mannschaft geben. In den letzten zwei Jahren hatte ich eher die Nase vorne, jetzt hat Flo die Nase vorne. Natürlich würde es mir Spaß machen, wenn ich spielen könnte, aber es freut mich, dass es der Mannschaft gut geht und ich helfe ihr eben auf eine andere Art und Weise. In so einem Moment, den wir gerade mit der Mannschaft erleben, ist es die Aufgabe eines jeden von uns, das Beste für die Mannschaft rauszuholen und dann da zu sein, wenn du gebraucht wirst.“

Dass Klein beim VfB Stuttgart einen Fixplatz erkämpft hat, während er selbst sich in Bologna in einer schwierigen Lage befindet, habe womöglich eine Rolle bei der Entscheidung von Koller gespielt:

„Der Trainer hat sich mir gegenüber aber immer korrekt verhalten und mir immer gezeigt, dass er Vertrauen in mich hat. Ich habe zuvor auch immer bei ihm gespielt. Es kann einmal passieren, dass ein anderer vorne dran ist. Aber eigentlich würde ich das mit Flo gar nicht als Zweikampf bezeichnen. Wir wollen beide das Beste für Österreich und zurzeit läuft es gut. Ich freue mich für Flo, die Mannschaft und jeden von uns. Von meiner Seite ist es kein Problem.“

Constantini: „Garics fehlt menschlich die Klasse“

Ganz ohne Probleme ist das Nationalteam-Leben dieser Tage für Garics jedoch nicht. Denn nicht mit jedem Teamchef befand er sich in einem derart harmonischen Einklang wie mit Koller.

Für entsprechende Unruhe sorgt daher ein Zwischenruf aus Tirol. In der „Sportzeitung“ meckerte Didi Constantini über seinen ehemaligen Schützling: „Über Garics will ich gar nichts sagen. Dem fehlt einfach menschlich die Klasse.“

Der Hintergrund des Konflikts ist noch in allzu guter Erinnerung. Nach einem kritischen LAOLA1-Interview musterte der Koller-Vorgänger den Rechtsverteidiger einst aus.

„Wenn man schon über menschliche Klasse spricht…“

Garics ist spürbar bemüht, sich erst gar nicht auf einen verbalen Infight mit Constantini einzulassen, weist den Vorwurf des 59-Jährigen jedoch dennoch entschieden von sich:

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