Arnautovic: "Ich mache einfach mein Ding"

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Am Sonntag durfte Marko Arnautovic doch noch ran, beziehungsweise er musste.

Nach neun Tagen Medien-Embargo  seitens des ÖFB war der Doppeltorschütze aus dem Ukraine-Match Hauptdarsteller des mittäglichen Pressetermins.

Freilich unter strenger Aufsicht der Pressebetreuer des Verbandes, die „provokante Fragen“ sicherheitshalber gleich im Vorfeld verbaten.

Nach seinen Länderspiel-Treffern Nummer sechs und sieben gab es mit dem 23-Jährigen freilich auch genügend Unprovokantes zu besprechen.

„Man weiß, dass ihr Kritik an mir liebt“

Zum Beispiel die öffentliche Rückendeckung von Teamchef Marcel Koller, die der Werder-Legionär sehr zu schätzen weiß:

„Ich finde es okay, dass er die Kritik abblockt. Man weiß ja ganz genau, dass ihr Kritik an mir liebt. Aber okay, damit kann ich leben. Ich lese ehrlich gesagt auch keine Zeitung und gucke, wer mich kritisiert. Ich mache einfach mein Ding.“

Zum Schweizer habe er deshalb „Vertrauen und eine dementsprechende Beziehung. Deswegen klappt auch alles gut.“

Koller berichtete, dass er unter vier Augen sehr wohl Manöverkritik üben würde. Im Prinzip eine Selbstverständlichkeit – auch für Arnautovic: „Das ist normal. Was wir besprechen, kann ich hier nicht sagen, das ist intern. Aber er sagt natürlich jene Sachen zu mir, die ich machen und im Spiel umsetzen sollte.“

Vergleich mit Weltklassespielern

Neben dem berechtigten Lob für seine beiden Tore gegen den EM-Co-Gastgeber setzte es am Freitag tendenziell ebenso berechtigte Kritik an seiner Leistung in der ersten Stunde des Spiels. Auch der Teamchef hatte bekanntlich bereits über eine Auswechslung nachgedacht.

„Wie viele Weltklassespieler habt ihr gesehen, die 89 Minuten nichts machen, in der 90. Minute das Tor erzielen und alles war okay?“, fühlt sich der Wiener für seine Performance zu hart in die Mangel genommen, wenngleich er die Darbietung gegen die Ukraine im selben Atemzug realistisch und selbstkritisch einschätzt:

„Ich denke, die erste Halbzeit war von der ganzen Mannschaft her nicht okay. Wir haben zwar nur eine Chance zugelassen und haben durch Zlatko das Tor gemacht, aber generell war es ein schlechtes Spiel – auch von meiner Seite. In der zweiten Halbzeit ist jeder aufgewacht, dann haben die Zuschauer ein gutes Spiel gesehen. Wir haben mehr für die Offensive gemacht, auch mehr Chancen gehabt und diese genützt.“

„Stärkstes Nationalteam, das ich bisher erlebt habe“

Generell befände sich die ÖFB-Truppe am richtigen Weg. „Diese Mannschaft ist das stärkste Nationalteam, das ich bisher erlebt habe. In der Anfangself haben wir fast nur Legionäre. Martin Harnik, Christian Fuchs und Emanuel Pogatetz fehlen noch, vielleicht kommen noch ein paar Spieler nach. Also ich muss sagen, das ist eine extrem gute Mannschaft.“

Zum besseren Verständnis: Der Werder-Legionär meint das stärkste Nationalteam, dem er selbst angehört hat, und nicht zum Beispiel im Vergleich mit jenem von 1978, wie er grinsend konkretisiert. „Na, da kenn‘ ich mich net aus, des is net mei Wöd!“

In Blickrichtung WM-Qualifikation möchte sich Arnautovic jedoch nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. „Wir haben wieder eine schwere Gruppe“, betont er im Hinblick auf Deutschland, Schweden und Irland und fordert, dass man diesmal nicht nur gegen die kleineren Gegner, als Färöer und Kasachstan, Zählbares einfahren müsse: „Wir müssen schauen, dass wir auch einmal gegen die größeren Mannschaften punkten. Ich denke, das ist das Wichtigste in dieser Qualifikation.“

„Ein paar Details haben mich hinausgeworfen“

In Bremen könnte auf den 18-fachen Internationalen nach den Abgängen von Claudio Pizarro und Markus Rosenberg mehr Verantwortung zukommen, die er jedoch nicht scheuen würde: „Ich empfinde keinen Druck. Ich werde es wie jedes Jahr angehen, alles geben und probieren, die ganze Saison verletzungsfrei durchzustehen.“

Ein Umstand, der ihm in der abgelaufenen Spielzeit versagt blieb. Im Frühjahr stoppte ihn eine Knieverletzung, im Herbst hätte ihn seine Rote Karte gegen Hannover aus dem Rhythmus gebracht: „Bis dahin war ich sehr gut drauf. In dieser Saison hat es ein paar Details gegeben, die mich hinausgeworfen haben. Ich muss auch kommende Saison voll agieren und einfach meine Tore erzielen.“

Die Konstanz, seine Leistungen einfach regelmäßiger abzurufen, sei für ihn ein wichtiges Thema: „Aber ich denke, das hat auch mit Erfahrung zu tun. Umso mehr Spiele du machst und je älter du wirst, umso mehr Routine bekommst du. Dann funktioniert auch alles leichter.“

„Wenn er mich rechts hinten hinstellt, spiele ich rechts hinten“

Auch im Nationalteam gilt es für Arnautovic nachzulegen. Koller hob nicht zu Unrecht hervor, dass Tore das einfachste Mittel seien, um die Kritiker verstummen zu lassen.

Man darf gespannt sein, welche Rolle sich der Schweizer dabei für seinen polarisierenden Schützling  ausgedacht hat – gegen Rumänien nominierte er ihn bekanntlich erstmals am rechten Flügel und nicht im Zentrum hinter Solo-Spitze Marc Janko.

Für Arnautovic kein Problem: „Ich spiele, wo mich der Trainer hinstellt. Wenn er mich rechts hinten hinstellt, muss ich rechts hinten spielen.“

Ob das jemals passieren wird? Und das ist keine zu provokante Frage…

Peter Altmann

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