"Es macht Spaß, mit dieser Mannschaft zu spielen"

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Dominant, aber ineffizient.

Mit diesen zwei Schlagworten lässt sich der 1:0-Sieg Österreichs im EM-Qualifikations-Duell mit Montenegro wohl am besten zusammenfassen.

Am Ende zählt jedoch die simple Rechnung: Zwei Spiele, sechs Punkte. „Das war eine perfekte Woche“, freuten sich die ÖFB-Kicker, die am Donnerstag bereits 2:1 in Moldawien gewonnen hatten, unisono.

„Wir hätten es uns einfacher machen können“, atmete am Ende nicht nur Teamchef Marcel Koller durch, dass den Gästen nicht noch ein Lucky Punch gelang.

„Ich liebe es hier zu spielen“

So konnte die ÖFB-Elf nicht nur den Sieg gemeinsam mit den Fans feiern, sondern wegen des 1:1-Unentschiedens von Russland gegen Moldawien im Parallelspiel auch die Tabellenführung in der Qualifikations-Gruppe G.

„Das Auftreten, das Pressing, das Zirkulieren des Balls – es macht richtig Spaß. Das ist genau der Spielstil, den ich so liebe", schwärmte Zlatko Junuzovic, „generell ist es eine geile Truppe. Jeder opfert sich für jeden. Ich liebe es hier zu spielen, ich liebe es in diesem System zu sein.“

Eine Liebeserklärung des Werder-Legionärs, die vielleicht der ersten Emotion entsprang, die jedoch die Stimmung im Kader relativ gut trifft.

Es wäre ein Leichtes gewesen, nach dieser Performance einzelne Spieler herauszuheben. Rubin Okotie etwa, der den gesperrten Marc Janko würdig vertrat und sein erstes Länderspieltor erzielte. Marko Arnautovic, der den Treffer vorbereitete und eines seiner besten Länderspiele ablieferte. Oder die beiden zentralen Mittelfeldsspieler David Alaba und Julian Baumgartlinger, die eine strategische Top-Leistung ablieferten und gekonnt die Fäden im ÖFB-Spiel zogen.

„Nicht einen einzelnen herausheben“

Die rot-weiß-roten Spieler bemühten sich jedoch nach Kräften, die Mannschaft als Star erscheinen zu lassen.

„Jeder hat seines dazu beigetragen, die ganze Mannschaft hat sehr gut funktioniert, jeder hat alles für den Sieg getan, dann kann man solche Leistungen abrufen“, lobte Kapitän Christian Fuchs.

Florian Klein stimmte zu: „Ich denke nicht, dass wir heute einzelne Spieler herausheben sollten. Die ganze Mannschaft hat sensationell gespielt, gekämpft, gemeinsam mit dem Ball agiert und auch gegen den Ball gespielt.“

Auch Baumgartlinger stellte seine augenscheinliche Topform hinten an: „Ich fühle mich gut, bin jetzt im Rhythmus, habe sehr viel Spaß, mit dieser Mannschaft Fußball zu spielen. Jeder will den Ball, jeder spielt dir den Ball so zu, dass du etwas damit anfangen kannst. Wir arbeiten zusammen, spielen erfrischenden Fußball. Da fällt es dann auch leichter, erfolgreiche Leistungen zu bringen.“

Das Nationalteam reagierte mit der guten spielerischen Performance auch auf die Kritik nach dem Moldawien-Spiel, in dem man in unangenehmem Ambiente vermehrt kämpferische Tugenden an den Tag legen musste.

„Wir hatten Chancen für zwei Spiele“

„Wir haben gesagt, dass das Ergebnis im Vordergrund steht“, weist Baumgartlinger darauf hin, dass weniger das Wie, sondern der Output zählt. Und der stimmte, wie der Mainz-Legionär verdeutlichte:

„Es ist sehr viel wert, in dieser harten Qualifikations-Gruppe mit sechs Punkten aus der Woche zu gehen. Auch die Art und Weise, wie wir sie geholt haben – in Moldawien mit sehr viel Charakter, gegen Montenegro mit einer sehr guten Leistung – spricht auf jeden Fall für uns.“

 



Platz für Selbstkritik blieb jedoch auch nach dem Heimsieg genügend und dies lag augenscheinlich vor allem am Dauer-Thema Chancenverwertung.

„Wir hatten Chancen für zwei Spiele. Das ist anscheinend unser Manko. Aber wir werden weiter daran arbeiten, da ist jeder einzelne gefragt, an sich selbst und der Effizienz zu arbeiten. Wenn wir das abstellen, können wir vielleicht einmal ein Spiel früher entscheiden“, hoffte Fuchs diesbezüglich auf Besserung.

„Gutes Gefühl, wenn man weiß, dass man immer zu Chancen kommt“

„Es war natürlich nicht angenehm, wenn man die Chancen nicht reinmacht, aber es ist auch ein gutes Gefühl, wenn man weiß, dass man immer zu Chancen kommt. Es ist bei unserer Mannschaft in jedem Spiel der Fall, dass wir viele Möglichkeiten herausspielen können. Das gibt einfach extrem viel Selbstvertrauen. Da kann es sein, dass man einmal nicht so viele Chancen verwertet, aber wenn man trotzdem 1:0 gewinnt, ist es trotzdem ein Zeichen von Klasse“, versuchte Klein einen positiven Ansatz zu finden.

Österreich Montenegro
Ballbesitz 56,6% 43,4%
Zweikämpfe 52,5% 47,5%
Eckbälle 9 3
Torschüsse 21 11
Torschüsse außerhalb Strafraum 6 6
Torschüsse innerhalb Strafraum 15 5
Kopfballchancen 1 1
Abseits 4 0
Fouls 15 18

 



Unterm Strich stand das vermutlich beste Länderspiel in der Teamchef-Ära Kollers. „Über 90 Minuten vielleicht“, fand auch der Schweizer nach kurzer Nachdenkpause, wobei er nicht nur wegen der ausgelassenen Torchancen weiter Luft nach oben sah: „Ich bin nicht ganz zufrieden. Ich habe die Ruhe vermisst, den Ball auch einmal länger zirkulieren zu lassen. Vor allem am Schluss hätten wir den Gegner mehr laufen lassen müssen – auch einmal zur Eckfahne gehen, um das Spiel zu verzögern. Da müssen wir noch Erfahrung sammeln.“

„Wir wissen, es ist eine Momentaufnahme“

Es wäre ohnehin nicht Koller, wenn er aufkeimende Euphorie nicht bremsen würde. Und auch seine Schützlinge waren bei allem Jubel über die gelungene Darbietung darum bemüht, die Situation nüchtern einzuschätzen.

„Wir sollten jetzt nicht zu sehr in Euphorie verfallen, denn mit sieben Punkten hat sich noch keine Nation für die Endrunde qualifiziert“, betonte etwa Klein.

Fuchs stellte klar: „Wir stellen überhaupt keine Hochrechnungen an. Wir wissen, es ist eine Momentaufnahme. Wir haben einen super Start hingelegt, aber die richtig schweren Spiele kommen noch. Wir spielen jetzt einmal gegen Russland, müssen auch noch nach Montenegro oder Schweden. Es liegt noch ein weiter Weg vor uns, aber wir haben Selbstvertrauen getankt. Zurücklehnen werden wir uns sicher nicht. Wir wollen ganz einfach unser Ziel erreichen, und wenn wir solche Leistungen bringen, werden wir das auch schaffen.“

Oder wie es Baumgartlinger auf die Tabellenführung angesprochen ausdrückte: „Wo wir jetzt stehen, ist uns wurscht. Am Ende der Quali wollen wir es immer noch ähnlich erfolgreich haben.“


Peter Altmann/Alexander Karper/Martin Wechtl/Jakob Faber

Ähnlich argumentierte Koller, durch dessen Amtszeit sich diese Problematik wie ein roter Faden zu ziehen scheint: „Ich werte das nicht anders als in den letzten zweieinhalb Jahren. Ich habe schon oft gesagt, dass das beim Nationalteam schwierig zu verbessern ist, weil man tagtäglich daran arbeiten muss. Es ist wichtig, dass wir die Torchancen überhaupt herausspielen.“

Neben der mangelnden Kaltschnäuzigkeit vor dem gegnerischen Tor fiel zudem auf, dass man nach dem 1:0 nicht sofort nachsetzte – kein neuer Kritikpunkt. Gegen Schweden wurde dies etwa bitter bestraft.

Martin Hinteregger missfiel das Verhalten auch diesmal: „Wo wir noch zulegen müssen, ist, wenn wir ein Tor schießen, dass wir dann nicht abfallen. Da lassen wir kurz ein bisschen nach und lassen den Gegner kommen. Das darf nicht sein. Da müssen wir beim nächsten Mal den Hebel ansetzen, dass wir nach einer Führung sofort auf das zweite Tor spielen und den Gegner nicht zu Chancen kommen lassen.“

Koller: „Ich bin nicht ganz zufrieden“

Ohne den zweiten Treffer hätte es auch noch schief gehen können, etwa als Goalie Robert Almer in der Schlussphase mit einer Glanzparade gegen Mirko Vucinic retten musste.

Richtig gezittert habe man laut David Alaba jedoch nicht: „Wir hatten natürlich im Hinterkopf, dass Montenegro vorne sehr gute Spieler hat, die Spiele entscheiden können und dass es immer gefährlich sein kann. Aber wir haben bis zum Schluss an uns geglaubt und versucht, unser Spiel weiterzuspielen.“

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