Schmerzlinderndes Exra-Lob nach Arnautovic' Gala

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Es ist nicht die Zeit, um einzelne Spieler herauszuheben“, hielt Florian Klein nach dem 1:0 gegen Montenegro fest und stand mit dieser Meinung nicht alleine da.

Keine Frage, die gute Leistung im Kollektiv sollte gewürdigt werden. Trotzdem kam man nach dem wichtigen Sieg in der EM-Quali an drei Namen nicht vorbei: Rubin Okotie, Julian Baumgartlinger und Marko Arnautovic.

Nicht umsonst wurden zwei der drei Akteure in der LAOLA1-Einzelkritik mit „Sehr Gut“ und einer mit "1,5" bewertet. Vor allem die Leistung des Stoke-Legionärs fand diesmal besonderen Anklang.

Oft kritisiert und mit Pfiffen bedacht, lieferte der 25-jährige Kreativgeist diesmal eine herausragende Performance ab – mit Sicherheit eine der besten in seiner ÖFB-Team-Ära.

Danke an die Fans, das macht mich stolz“

Des öfteren wurde ihm Bewegunsfaulheit vorgeworfen, auch fehlender Einsatz und negative Körpersprache wurden dem Offensivspieler, von dem stets erwartet wird, den Unterschied ausmachen zu können, unterstellt.

Diesmal spielte Arnautovic befreit auf, fast aufgezuckert, forderte die Bälle wie kein Zweiter und verteilte diese mit Präzision und Finesse – so wie beim Assist zum Siegtor Okoties.

Die 44.200 Fans im Ernst-Happel-Stadion würdigten seine Leistung mit Standing Ovations bei seiner Auswechslung. Ein gutes Gefühl für den oft vorab kritisierten Ausnahmekönner.

Mir tut es immer gut, wenn wir mit dem Nationalteam eine gute Leistung bringen, dann werden wir alle gefeiert. Natürlich ein großer Dank an die Fans, dass sie mich so vom Platz verabschiedet haben. Ich bin natürlich stolz darüber“, genoss der England-Legionär den Moment.

Arnautovic' bester Auftritt im ÖFB-Team?

Doch auch Arnautovic war der Meinung, dass das Lob nicht ihm alleine gebühre, sondern die ganze Mannschaft eine einwandfreie Vorstellung abgeliefert habe.

Ich bin nicht so ein Mensch, der sagt: 'Ich war der Beste und die anderen interessieren mich nicht.' Ich schaue lieber auf die Mannschaft. Wie ich mich auf dem Platz gegeben habe, sollen dann andere entscheiden.“

Mittlerweile hat der in früheren Jahren als Bad Boy abgestempelte Edeltechniker 38 Länderspiele auf dem Buckel – eine stolze Zahl. Dementsprechend schwer fiel es ihm, einzuordnen, ob dies möglicherweise sogar sein bestes im A-Team war.

Von den 38 Spielen kann ich jetzt nicht jedes nachvollziehen, aber es war sicher eines der besseren“, hielt sich Arnautovic vornehm zurück.

Koller: „Ich habe ihn heute stark gesehen“

Für Teamchef Marcel Koller, der auch in schwierigen Phasen an seinem Schützling festgehalten hatte, war es eine Art Bestätigung.

Auch der Schweizer kam diesmal nicht drumherum, ihn mit Extralob zu belohnen und meinte bei der Pressekonferenz nach dem Spiel:

Ich habe ihn heute stark gesehen. Er war sehr aktiv. Er hat sich über zu wenig Ballkontakte beschwert, dann habe ich gesagt, er muss sich eben mehr bewegen und mehr ins Spiel einbringen. Das hat er heute gemacht und das hat gut ausgesehen.“

Der Grund für die Unbekümmertheit, die Arnautovic gegen Montenegro an den Tag legte? Kein spezieller, lediglich der Spaß am Fußball – meinte zumindest der Protagonist.

Ich habe immer Spaß am Fußball. Ich denke, ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Ich bin einfach stolz, dass ich jeden Tag am Platz stehen und spielen kann.“

So brauchen wir ihn, das weiß er auch“

Auch von den Teamkollegen wurde seine positive Körpersprache und der wieder gefundene Spielwitz mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen.

Während Kapitän Christian Fuchs scherzhalber meinte, Arnautovic sei sowieso immer aufgezuckert, ging David Alaba näher auf seinen Freund und Wegbegleiter ein.

Wir haben schon oft gesehen, dass er gute Spiele hat. Heute war es ein sehr gutes Spiel von ihm. So brauchen wir ihn, das weiß er auch.“

Arnautovic gab alles für den Teamerfolg, sogar dann noch, als er mit Schmerzen in der Hüfte kaum noch laufen konnte.

Arnautovic biss für den Erfolg auf die Zähne

Den Schlag bekam der Legionär schon Ende der ersten Halbzeit ab. Laut Koller habe er in der Kabine eine Tablette eingenommen und so lange gekämpft, bis es nicht mehr ging.

Egal, welche Bewegung ich mache, egal ob ich niese, selbst beim Reden, es tut einfach weh. Ich hoffe, es ist nur ein Schlag und nichts Weiteres“, wollte Arnautovic die Kollegen bis zu seiner Auswechslung nicht hängen lassen.

Einige Aspekte machten die Schmerzen im ersten Moment jedoch erträglicher: Die Tabellenführung in der EM-Quali-Gruppe G sowie der gebührende Abschied, als er von Koller vom Platz genommen wurde.

Morgen werde ich dann wahrscheinlich gar nicht aufstehen können“, sprach Arnautovic und verließ humpelnd das Stadion. Wohlwissend, dass es eine, wenn nicht die beste Leistung im ÖFB-Team war.


Alexander Karper/ Peter Altmann/ Jakob Faber/ Martin Wechtl

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