So knackt das ÖFB-Team den Fünferriegel

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 Schaffen sie es am Samstag oder erst am Dienstag?

Nur diese Frage scheint die Öffentlichkeit vor dem EM-Qualifikationsspiel gegen Moldawien zu interessieren. Fährt Russland gegen Schweden keinen Sieg ein, ist das EM-Ticket fix.

Der dazu ebenfalls nötige Erfolg gegen Moldawien wird quasi im Vorbeigehen erwartet. Der Gegner von den Fans gar nicht ernstgenommen.

Koller hat sich alle neun Spiele angeschaut

Nur auf Spieler und Trainerteam trifft das nicht zu. Gebetsmühlenartig warnten sie in den vergangenen Tagen vor der Gefährlichkeit der Moldawier. „Der Teufel schläft nicht“, betonte ÖFB-Kapitän Christian Fuchs zuletzt.

Auch Marcel Koller nimmt den vermeintlichen Außenseiter trotz der Ausfälle der beiden Führungsspieler Artur Ionita (Hellas Verona) und Kapitän Alexandru Epureanu (Medipol Basaksehir) ernst.

Der Schweizer hat sich alle neun Spiele, die der Gegner seit dem Hinspiel in Chisinau absolviert hat, angesehen. „Er recherchiert sehr gut vor Spielen. Das ist wichtig. Wir sind immer topvorbereitet, das haben alle mitbekommen. Er ist ein akribischer Arbeiter und überlässt nichts dem Zufall“, lobt Julian Baumgartlinger seinen Coach.

„Ein unangenehmer Gegner“

Der Teamchef weiß also um den defensiven Fünferriegel, den die Moldawier in und um ihren Strafraum platzieren. Die drei Innenverteidiger samt defensive Außenspieler haben Österreich schon beim knappen 2:1-Auswärtserfolg das Leben schwer gemacht.

Auch diesmal werden die Osteuropäer tief stehen und im Konter auf ihre Chancen lauern. Dafür haben sie mit Nicolae Milinceanu und Alexandru Dedov zwei giftige Stürmer vorne. Die drei Mittelfeldspieler dahinter machen das Zentrum dicht und sollen das Umschaltspiel ankurbeln.

„Moldawien ist ein unangenehmer Gegner “, meint Baumgartlinger. „Sie warten darauf, bei einem Ballverlust schnell kontern zu können. Da ist es für uns hinten wichtig, konzentriert zu sein. Wenn man nicht an vorderster Front agiert, muss man schauen, wo die Gefahren im Umfeld liegen und Angriffe vielleicht schon vor der Entstehung verhindern. Wir müssen früh ins Gegenpressing kommen. Es gibt schon ein paar Mittel, die wir da haben.“

Wie gegen Liechtenstein

Der Mainz-Kapitän erwähnt das Spiel auswärts in Liechtenstein (Taktik-Analyse) als positives Beispiel: „Es geht um Konzentration, um Geduld. So müssen wir von Anfang an ins Spiel gehen. Genauso wie gegen Liechtenstein. Da haben wir den Gegner nie ins Spiel kommen lassen. Das müssen wir diesmal auch machen.“

Im Fürstentum zeigte das ÖFB-Team ein tolles Ballbesitzspiel. Koller hatte einen klaren Plan, wie er den Beton des Gegners knacken wollte: Spiel breit machen, Überzahl auf den Flügeln, Zlatko Junuzovic als Mann für die Doppelpässe zwischen den Linien und über schnelle Seitenverlagerungen Platz für Eins-gegen-eins-Duelle schaffen.

Genau diese Mittel führten beim 5:0-Erfolg zu den ersten beiden Toren, denen jeweils ein hoher Diagonalpass vorausging. Gut möglich, dass Koller gegen Moldawien eine ähnliche Strategie wie in Liechtenstein wählt.

„Wir müssen sie gut durchbewegen“

Beide Underdogs unterscheiden sich jedoch durch ihre Formationen. Die Osteuropäer setzen im Gegensatz zur vom Österreicher Rene Pauritsch betreuten Mannschaft auf eine Fünferkette. Das macht es besonders schwer, im Zentrum gegen drei Innenverteidiger zum Abschluss zu kommen.

„Andererseits darf man nicht vergessen, dass sie dadurch höher im Feld weniger Spieler haben“, streicht Baumgartlinger hervor. „Deswegen wird es darum gehen, die Mannschaft gut durchzubewegen. Wir müssen den Ball laufen lassen, flexibel agieren und nicht versuchen, nur mit einem Spielzug durchzukommen. Sie dürfen sich nicht einigeln können, man muss sie aus der Ordnung bekommen.“

Gerade der 27-Jährige dürfte in dieser Hinsicht gefordert sein. Als zentraler Mittelfeldspieler muss er den Takt vorgeben und im richtigen Moment auch einmal den Rückpass spielen, um den tief stehenden Abwehrblock herauszulocken.

Wer spielt den Quarterback?

Spannend wird dabei die Aufgaben-Verteilung zwischen ihm und David Alaba. Gegen Liechtenstein übernahm der Bayern-Star zu Beginn die tiefere Positionierung nahe den Innenverteidigern, um von dort als „Quarterback“ das Tempo vorzugeben.

Daraufhin drängte der Teamchef seinen Superstar aber dazu, weiter nach vorne zu rücken. „Gerade er hat die Qualität, sich in diesen engen Räumen zu bewegen und den Ball zu behaupten“, begründete Koller nach der Partie.

Insofern darf davon ausgegangen werden, dass sich Alaba diesmal gleich von Beginn weg offensiver positioniert. Als sogenannter „Nadelspieler“ (ein beweglicher Kicker, der den Ball dank feiner Technik auch in Bedrängnis verarbeiten kann) soll er Lücken in den gegnerischen Verbund reißen.

Janko muss die Tore machen

Umgekehrt wird wohl Baumgartlinger die Rolle als „Quarterback“ vor der Abwehr übernehmen. Er muss jene Diagonalpässe spielen, die Marko Arnautovic oder Martin Harnik in gefährliche Positionen bringen.

Ein wichtiger Part dürfte zudem Marc Janko zukommen. Als Sturmtank muss er sich gegen die rustikalen Innenverteidiger bewähren und Chancen in Tore verwandeln.

Dann sollte der wichtige Sieg gegen Moldawien im Bereich des Möglichen liegen.

 

Jakob Faber

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