"Angenehmer, aus Position der Stärke zu handeln"

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Nach dem 1:0-Arbeitssieg gegen Moldawien herrschte im ÖFB-Lager Erleichterung.

Erleichterung darüber, dass die rot-weiß-rote Auswahl beim nächsten Schritt in Richtung EURO 2016 nicht ins Stolpern kam.

Teamchef Marcel Koller konnte dem Geduldspiel sogar Positives abgewinnen und sprach in der Nachbetrachtung von einer wichtigen, extremen Erfahrung für seine Spieler.

Insgesamt blieb Österreich im 100. Spiel im Zuge einer Europameisterschaft siegreich, feierte im siebenten Spiel der laufenden EM-Quali den sechsten Erfolg (bei einem Remis).

Dies gelang zuletzt 1997, ein Jahr später durfte man bekanntlich bei der WM-Endrunde in Frankreich antreten - dort, wo man auch diesmal hin will.

Die Hürde Moldawien wurde erfolgreich genommen. Der Fokus liegt aber ohnehin schon auf der Neuauflage des Duells mit Schweden in Stockholm, wo man erstmals aus eigener Kraft den Aufstieg schaffen kann.

In der Nachbetrachtung legte Koller schon einmal den Schalter um und wagte trotz Analyse einen Ausblick auf den bevorstehenden Showdown.

MARCEL KOLLER…

ÜBER DEN STELLENWERT DES ARBEITSSIEGES GEGEN MOLDAWIEN:

Es war natürlich ein weiterer wichtiger Schritt – einerseits vom Ergebnis, andererseits vom Ziel her, wo wir hin wollen, nämlich nach Frankreich. Es war auch eine wichtige Erfahrung für die Spieler, dass es auch Geduldspiele gibt, du ruhig bleiben, auf die eine Chance warten und die verwerten musst. Ich denke, das ist eine Erfahrung, die wir – so extrem, wie es gestern war – auch noch nicht gehabt haben. Bei der WM-Quali in Kasachstan, wo wir als bessere Mannschaft das entscheidende Tor schießen wollten, ist alles hektisch geworden. Wir haben nicht mehr das gespielt, was wir hätten müssen. Das war gestern schon viel abgeklärter, viel ruhiger, bewusster und besser.

DARÜBER, WAS DIE ENTWICKLUNG UND STÄRKE DES DEFENSIVVERHALTENS (NUR 2 GEGENTORE) AUSMACHT:

Natürlich schon das Wissen der Spieler, dass es notwendig ist, defensiv zu arbeiten und jeder mithelfen muss - nicht nur die Verteidiger. Die Stürmer dürfen nicht denken, dass sie nur für die Offensive zuständig sind und die Tore schießen, während die Verteidiger schauen sollen, dass wir keine Tore bekommen. Heutzutage geht das nicht mehr. Du brauchst alle, die nach vorne und zurück arbeiten. Daran haben wir schon in den letzten zwei Jahren gefeilt. Wir haben beim Team nicht so viel Zeit, um das intensiv zu bearbeiten. Aber wir haben es immer wieder angesprochen, Videos gezeigt und von den Spielern verlangt. Dann ist die Bereitschaft der Spieler notwendig, die das umsetzen. Sie machen das gut und sehen, dass wir erfolgreich sein können. Wir müssen nicht 3:0 oder 4:0 gewinnen, ein 1:0 reicht. Dafür ist es wichtig, dass man hinten gut steht und das über die Runden bringt.

ÜBER GEPLANTE ÜBERRASCHUNGEN GEGEN SCHWEDEN, ETWA WIE IM HINSPIEL MIT DRAGOVIC IM MITTELFELD:

Ich habe schon eine Idee im Kopf, wie wir spielen könnten. Schauen wir mal, ob dann alle so überrascht sein werden. Es geht nicht in die Richtung wie das letzte Mal mit Dragovic im Mittelfeld. Mehr im Großen und Ganzen als eine individiuelle Veränderung. Vielleicht kommt noch was, aber aktuell ist nichts angesagt. Wir müssen noch schauen, ob alle fit sind und jeder einsetzbar ist. Arnautovic hat bei einem geblockten Schuss einen Schlag bekommen und hat da noch ein bisschen Probleme. Aber er hat ja gesagt, dass er für das Team stirbt. Also kann das nicht so schlimm sein. Wir werden das mit der medizinischen Abteilung abklären, bei wem es Sinn macht.

ÜBER DIE ENTWICKLUNG VON DER AUSWÄRTSSCHWÄCHE ZUR AUSWÄRTSSTÄRKE:

Das waren die ständigen Nachfragen der Journalisten nach der Auswärtsschwäche. Ich habe das dem Team weitergegeben und sie haben das gut umgesetzt (lacht). Nein, das muss sich natürlich entwickeln. Seit ich hier vor vier Jahren angefangen habe, habe ich das eine oder andere mitgenommen, gesehen und gehört. Das Entscheidende ist, dass du es spürst und siehst, wo die Schrauben sind, die du stellen musst. Dann ist es gut, wenn du vier Jahre zusammen bist und die Zeit bekommst, um das zu analysieren. Diese Phasen von WM- zu EM-Quali sind wichtig, um diese Analysen zu machen. Wenn die Spieler sehen, dass sie auswärts gewinnen und in der Fremde auch so spielen können wie zu Hause, gibt das Selbstvertrauen. Wenn du dann in Russland einen Sieg einfährst, dann ist das nicht nur gut, sondern klasse.

ÜBER DIE MÖGLICHE ABSICHT, BEREITS GEGEN SCHWEDEN ZU ROTIEREN:

Nein, wir brauchen noch einen Punkt. Nur zu sagen, dass ich dem einen oder anderen einen Einsatz gebe, wäre nicht gut. Wir wollen schon sehr fokussiert sein. Grundsätzlich will jeder dabei sein, wir müssen aber entscheiden, ob das auch für alle gut ist. Ob wir nach der hoffentlich fixierten Qualifikation noch Spieler dazu ziehen, weiß ich noch nicht. So weit bin ich noch nicht.

ÜBER EFFIZIENZ IN DER EM-QUALI AUFGRUND VON MENTALER STÄRKE:

Ich weiß noch, wie wir diskutiert haben, dass uns die Effizienz fehlt, wir uns viele Torchancen herausarbeiten, aber zu wenige Tore schießen. Das war vor drei Jahren so, das war vor vier Jahren so. Da haben wir schon auch im Bewusstsein, dass man aggressiver, fokussierter, konzentrierter sein muss, wenn es vor das Tor geht und dass wir dann, wenn immer es möglich ist, die erste Chance nützen. Wenn du das immer wieder erzählst, greift das irgendwann. Wir können es umsetzen. Es ist schon auch wichtig, dass du viel Selbstvertrauen hast. Wenn das stimmt, funktioniert mehr, als wenn du zögerlich bist.

ÜBER DIE EINTSCHÄTZUNG SCHWEDENS MIT ODER OHNE ZLATAN IBRAHIMOVIC:

Es macht keinen großen Unterschied. Über die hohe Qualität von Ibrahimovic braucht man nicht viel reden. Er hat in den Spielen gegen uns immer beigetragen, dass Schweden noch ein Tor erzielt hat. Wenn er nicht spielt, haben sie auch andere gute Stürmer, auch wenn die nicht die Klasse von Ibra haben. Wenn er spielt, nehmen wir das so mit. Wenn nicht, stellen wir uns auf die anderen ein. Das hat in dem Sinn keinen Einfluss auf unser Konzept oder unsere Idee, so dass wir alles auf den Kopf stellen würden.

ÜBER DIE VERÄNDERTE SITUATION, DASS DIESMAL SCHWEDEN UND NICHT DAS ÖFB-TEAM UNTER DRUCK STEHT:

Es ist grundsätzlich immer angenehmer, wenn du aus der Position der Stärke handeln kannst, als unter Druck, wenn du nicht weißt, was dabei herauskommt. Sie haben aber ein Heimspiel, haben das letzte gegen uns gewonnen und sind dadurch in die Playoffs gekommen. Ich denke, dass sie es auf dieser Schiene aufbauen werden. Wir sind mit einem Punkt definitiv bei der EM dabei, aber ich weiß auch, dass es nicht gut ist, wenn man nur vom Unentschieden spricht und dementsprechend das Team einstellt. Wir wollen nach Schweden fahren, um zu gewinnen.

DARÜBER, WIE ER SCHWEDEN NACH DEM SCHWACHEN AUFTRITT IN RUSSLAND ERWARTET:

Ein Heimspiel ist grundsätzlich auch für die Schweden etwas anderes, wenn das Stadion ausverkauft ist. Sie werden nach vorne kommen, aber nicht blind stürmen, weil sie auch Respekt vor uns haben. Dementsprechend haben sie 90 Minuten Zeit, um zu treffen. Sie werden nicht alles auf eine Karte setzen – das werden sie nicht tun. Das war das letzte Mal auch so. Wir haben geführt, hätten 2:0 in Führung gehen können und sie sind erst in der zweiten Halbzeit aufgekommen und haben das Spiel auch noch gewonnen.

DARÜBER, OB MAN MIT EINEM SPIEL WIE IN RUSSLAND AUCH SCHWEDEN SCHLAGEN KANN:

Da ist die Frage, ob wir das auch so angehen wollen. Aber von der Idee – ob vorne, in der Mitte oder hinten -, vom Selbstverständnis, vom Selbstvertrauen und der Überzeugung her ist das natürlich ein wichtiger Parameter, um auch sagen zu können: Wenn wir in Russland so spielen, können wir auch in Schweden Punkte mitnehmen. Das Gute ist, dass die meisten, die dabei sind, die Erfahrung vom letzten Mal haben, als wir es in Schweden in der ersten Halbzeit sehr gut gemacht haben und in der zweiten Halbzeit nicht mehr. Wir wissen ja, dass ein Spiel nicht nur 45 Minuten dauert, sondern ein bisschen länger.

ÜBER DIE NEUE SITUATION FÜR DIE SPIELER, DIE QUALIFIKATION NUN AUS EIGENER KRAFT ZU FIXIEREN:

Ich denke, dass es eine Freude ist, die zusätzliche Kräfte freisetzen kann. Wenn der Schritt jetzt wirklich aus eigener Kraft möglich ist und du es schaffen kannst, sollte es Kräfte freisetzen und uns nicht hemmen.


Alexander Karper

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