"Auf diese Fragen steigen wir sowieso nicht ein"

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Der FC Basel hat in sieben Meisterschaftsspielen noch nicht einen Punkt abgegeben, Marc Janko in seinen vier Liga-Partien vier Tore erzielt – zuletzt traf er am Sonntag beim 3:1-Erfolg gegen den FC Zürich.

Naturgemäß kann der Stürmer eine positive erste Zwischenbilanz seines Engagements beim Schweizer Spitzenklub ziehen, hätte es da nicht einen Rückschlag gegeben.

„Natürlich ist es ein sehr großer Wermutstropfen, wenn man sich nicht für die Champions League qualifizieren kann – speziell gegen einen Gegner, den man als FC Basel schlagen muss. Jeder, der die zwei Spiele gesehen hat, hat sofort gemerkt, dass wir die klar bessere Mannschaft waren. Leider haben wir es nicht umsetzen können“, ärgert sich der 32-Jährige über das Ausscheiden gegen Maccabi Tel Aviv.

„Aus robuster Liga in spielstarke Liga“

Nach einem 2:2 im Heimspiel kamen die Schweizer auswärts nicht über ein 1:1 hinaus. Janko versäumte das Rückspiel, nachdem er sich zu Hause gegen die Israeli verletzt hatte.

„Für mich persönlich war es sehr bitter, weil ich im Hinspiel bereits nach zwölf Minuten vom Feld musste und der Mannschaft nicht mehr helfen konnte. Leider haben es die Jungs im Rückspiel nicht mehr drehen können. Wir haben zwar nach wie vor nicht verloren, es ist immer noch der beste Saisonstart, den der FC Basel seit etlichen Jahren hingelegt hat. Trotzdem ist die Enttäuschung  groß, dass wir nicht Champions League spielen können“, betont der Niederösterreicher.

Generell hat sich Janko nach seinem Australien-Abenteuer jedoch wieder bestens in Mitteleuropa eingelebt:

„Ich bin aus einer körperlich eher robusten Liga in eine spielstarke Liga gegangen, in der mit Konzept und taktisch gut gearbeitet wird. Das ist für mich aber nichts Neues, ich habe schon öfter mit solchen Systemen zu tun gehabt. Natürlich freue ich mich sehr, dass ich meinen Platz in der Mannschaft gefunden und meinen Teil dazu beigetragen habe, dass wir momentan so erfolgreich sind. Der Hauptfokus liegt immer darauf, dass man sich durchsetzt. In ein paar Mannschaften ist mir das gut gelungen, ab und zu mal nicht so ganz.“

„Sind froh, dass Marc in Form ist“

Dass der Stürmer in den ersten Wochen der noch jungen Saison seinen Torriecher unter Beweis stellen konnte, ist natürlich auch ein Vorteil für das Nationalteam – von der kräfteschonenderen Anreise ganz zu schweigen.

„Den Jetlag gibt es nicht mehr, die Flugzeit ist rund eine Stunde. Deswegen sind die Reisestrapazen nahezu bei null. Ich komme ausgeruht an. Das ist natürlich ein Vorteil für meine Form und auch für die Trainingseinheiten, dass ich schon früher voll belastbar bin als davor. Das ist ein großer Unterschied“, meint Janko.

Auch Teamchef Marcel Koller hat natürlich registriert, dass sein Stürmer Nummer eins in seinem Heimatland bislang eine gute Figur macht: „Natürlich sind wir froh, dass Marc in Form und rechtzeitig fit geworden ist.“

Leistet zuvor Schweden in Russland Schützenhilfe, dürfte ein historisches Wochenende auf das ÖFB-Team warten. Denn dann könnte sich die Koller-Elf bekanntlich schon am Samstag mit einem Heimsieg gegen Moldawien erstmals aus eigener Kraft für eine Europameisterschaft qualifizieren.

„Es war eine sehr hitzige Atmosphäre“

Denkt man an das erste Aufeinandertreffen mit den Osteuropäern im vergangenen Herbst in Chisinau, kommt einem unweigerlich die Arbeitsbilanz von Janko in den Sinn.

Auf der Haben-Seite stand der Siegtreffer zum 2:1, weniger erfreulich war seine Rote Karte in der 82. Minute.

„Es war eine sehr hitzige Atmosphäre, die moldawische Mannschaft ist sehr tief gestanden, hat immer wieder auf Konter gelauert. Nach dem 1:1 ist die Partie noch hitziger geworden. Ich möchte nicht von einem Faustschlag sprechen, aber ich habe den Tormann angekegelt, und er ist theatralisch zu Boden gegangen. Gott sei Dank haben wir das 2:1 noch über die Runden bringen können. Jeder, der dabei war, kann sich erinnern, dass das Spiel alles andere als eindeutig war für uns. Deswegen müssen wir extrem auf der Hut sein“, warnt der 1,96-Meter-Hüne.

Große Kampfansagen sind aus dem ÖFB-Lager auch im Vorfeld des Heimspiels gegen den Underdog nicht zu erwarten, und das obwohl man sich auf der Zielgeraden zur EM in Frankreich befindet.

„Nicht zulassen, dass irgendeine Art von Lockerheit reinkommt“

Laut Janko sei jeder heiß auf die Partie am Samstag, man sei sich jedoch auch der Schwierigkeit bewusst: „Wir werden nicht zulassen, dass irgendeine Art von Lockerheit reinkommt. Auf die Fragen, dass wir eh schon bei der EM sind, steigen wir sowieso nicht ein.“

Das hört der Teamchef mit Sicherheit gerne. Auch Koller weigert sich, einen Sieg gegen Moldawien klipp und klar als Muss zu bezeichnen.

„Wir müssen sterben, alles andere wird sich ergeben“, philosophiert der Schweizer, der jedoch klarstellt: „Wir wollen natürlich gewinnen. Wir sind Gruppen-Erster und spielen zu Hause. Unser Ziel ist ganz klar, drei Punkte einzufahren.“

Ein frühes Tor wäre gegen den tiefstehenden Kontrahenten natürlich Gold wert. Moldawien setzt für gewöhnlich auf eine Fünferkette, gegen diese Betonabwehr könnte auch Geduld ein Faktor werden.

„Wir brauchen Geduld“

Koller: „Wir müssen Druck aufbauen und natürlich aufpassen, wenn viele recht offensiv sind, dass wir nicht in einen Konter laufen. Wir brauchen Geduld. Es ist wichtig, eine gute Aufteilung, Organisation, Zielstrebigkeit und Konsequenz zu haben, in den Zweikämpfen richtig dagegen zu halten.“

Eine Ablenkung will der 54-Jährige weitestgehend vermeiden. Das im Vorfeld stattfindende Spiel Russlands gegen Schweden kann man im ÖFB-Team zwar nicht ausblenden, es soll jedoch nur eine untergeordnete Rolle spielen:

„Wir sind da gerade in der Vorbereitung auf unser Spiel, da hat die Russland-Partie keinen Platz. Wir werden das Ergebnis sicher mitbekommen, aber es darf uns nicht zu sehr interessieren. Wir müssen uns fokussieren und schauen, dass wir dieses schwierige Spiel nach Hause bringen. Alles andere können wir nicht beeinflussen, also soll es uns nicht ablenken oder stören.“

Peter Altmann

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