Das letzte Kapitel

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"Ich kann eh nicht alle 23 Spieler befriedigen"

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Ein Erfolgsgeheimnis des ÖFB-Teams auf dem Weg zur EM-Endrunde in Frankreich war, dass man immer nur „von Spiel zu Spiel“ geschaut und keine Hochrechnungen angestellt hat.

Da mit dem Heimspiel gegen Underdog Liechtenstein nur noch eine Partie ausständig ist, darf auch wieder gerechnet werden.

Dass man die Qualifikation-Gruppe G mit 28 Punkten abschließen möchte, ist ein offenes Geheimnis und darf auch kommuniziert werden.

Von Spiel zu Spiel. Es ist die vielleicht mühsamste Floskel, die Fußballer verwenden können. Wenn diese Strategie jedoch gelebt wird, verfehlt sie ihre Wirkung nicht. Dies ist dem Nationalteam im Laufe dieser Qualifikation definitiv gelungen.

Vom Teamchef eingetrichtert

„Es ist mittlerweile schon so in unseren Köpfen drinnen, dass wir wirklich nur an den nächsten Gegner denken. Der Teamchef hat uns eingetrichtert, dass es nur um die nächste Herausforderung geht. Mit ein bisschen Übung geht das“, verdeutlicht Christian Fuchs.

Vor dem Duell mit Liechtenstein ist die Sachlage ein wenig anders. Vor dem „Party-Länderspiel“ gilt es, die im Anschluss an das Match stattfindende Feier so gut es geht in den Hintergrund zu rücken.

„Davor gibt es keine Feier!“, stellt Marko Arnautovic vehement klar, „zuerst die 90 Minuten, das Spiel gewinnen und dann können wir über die Feier reden.“

Auch Koller fordert von seinen Schützlingen, den Fokus aufrecht zu erhalten: „Wir spielen vor einem vollen Haus, die Fans kommen mit viel Freude ins Stadion, die Stimmung wird super sein. Es ist wichtig, dass wir nochmals konzentriert zu Werke gehen und versuchen, den Dreier einzufahren.“

Spieler sind selber verantwortlich, dass sie diesen Hunger haben“

Beim 3:2 in Montenegro habe man gemerkt, dass es schwierig werden kann, wenn man auch nur ein paar Prozent-Punkte nachlässt: „Das ist dann eben auch die Schwierigkeit des Trainerteams, die Spieler immer wieder dahin zu bringen, dass sie in jedem Spiel, egal ob es um die Quali geht oder ein Testspiel ist, alles herauskitzeln. Die Spieler sind auch selber verantwortlich, dass sie diesen Hunger haben, jedes Spiel gewinnen wollen und nicht nachlassen.“

Denn diese Emotionen nach Siegen und Triumphen seien das, was letztlich in Erinnerung bleiben würde: „Das sind die Dinge, an die man zurückdenkt. Ich hoffe, dass wir das weiter im Team behalten können.“

Es sei das Ziel, „das Gewachsene so lange wie möglich zu konservieren. Das ist schwer genug. Denn da vorne wird die Luft immer dünner. Um auf diesem Level zu spielen, ist es die Aufgabe eines jeden Spielers, sich individuell immer wieder so zu konzentrieren und zu motivieren, dass er die volle Leistung bringen kann. Das ganze Jahr immer auf einem Toplevel zu spielen, ist auch Erfahrungssache.“

Ich kann eh nicht alle 23 befriedigen“

Auch wenn sich der Teamchef traditionell zugeknöpft gibt und noch das Abschlusstraining abwarten möchte, kann man davon ausgehen, dass auch beim letzten Kapitel dieser so erfolgreichen Qualifikations-Geschichte die Stammelf zum Einsatz kommt.

Ob er seine letzte Möglichkeit nutzt und das eine oder andere Kadermitglied mit wenig Einsatzzeit einwechselt, sei vom Spielverlauf abhängig: „Ich mache mir jetzt noch keine Gedanken, dass ich irgendjemandem etwas schenke. Wir können nur drei Mal auswechseln, also kann ich eh nicht jeden befriedigen. Da müsste ich alle 23 spielen lassen. Das geht leider nicht. Also werden wir das intuitiv entscheiden.“

Marcel Sabitzer hat mit seinem Siegtreffer in Podgorica bewiesen, dass auch von der Ersatzbank wertvolle Impulse kommen können.

Koller lobt, dass der Leipzig-Legionär bereits im Training aufgezeigt habe: „Er ist nah dran. Er ist einer, der immer Vollgas gibt und immer spielen möchte. Es ist gut für uns, wenn du einen Spieler hast, der immer wieder für Unruhe sorgen kann, wenn er reinkommt. Es ist wichtig für ihn, dass er da dran bleibt.“

Keine Quervergleiche mit England

Bei einem Sieg gegen Liechtenstein wird Österreich fix in die Top Ten der FIFA-Weltrangliste einziehen. Ein Umstand, dem der Schweizer im Vorfeld der Partie keine Bedeutung beimisst.

Zuerst gilt es die Abwehrmauer, den die Kicker aus dem Fürstentum bilden werden, zu überwinden: „Ich denke, dass die ähnlich wie im Hinspiel spielen werden und versuchen, gut zu verteidigen, zu verschieben, die Räume eng machen, sehr kompakt am eigenen Sechzehner stehen und Nadelstiche durch Konter und Standards setzen wollen. Es wird wichtig sein, dass wir bereit sind und versuchen, sie zu beschäftigen.“

Klappt dies ähnlich gut wie beim 5:0 in Vaduz, wird Österreich die Gruppenphase im europaweiten Vergleich mit der zweitbesten Bilanz abschließen, im Falle eines Ausrutschers von England in Litauen möglicherweise sogar als bestes.

Die „Three Lions“ sind bis dato das einzige Team ohne Punkteverlust. Quervergleiche wie diese schätzt Koller jedoch ungefähr gleich wie Hochrechnungen, also gar nicht.

„So etwas ist schwierig, weil wir ja nur mit unserer Gruppe Kontakt hatten. Um uns mit anderen Teams zu vergleichen, muss man sich mehr einarbeiten. Das ist noch zu früh. Aber England muss ein starkes Team haben, um so gut spielen zu können. Ich möchte aber nicht irgendwelche Hochrechnungen anstellen und sagen: Österreich hat eine sehr gute Qualifikation gespielt und im Umkehrschluss heißt das, wir sind Favorit auf die EM. Da möchte ich nicht mitmachen.“

Schweiz wird für Koller „spezielles Spiel“

Als Zweiter hat die England-Gruppe übrigens die Schweiz beendet, womit der Test gegen die Eidgenossen am 17. November in Wien endgültig fixiert ist.

Angesichts des emotionalen Kräftemessens mit seiner Heimat schaut Koller ausnahmsweise nicht „von Spiel zu Spiel“, sondern blickt bereits auf das übernächste:

„Ich freue mich natürlich, dass sich die Schweiz qualifiziert hat, und ich freue mich auch, dass ich mich intensiv vorbereiten und das Team genauer kennenlernen kann. Es wird ein spezielles Spiel. Ich habe auch schon viele Kartenanfragen aus der Schweiz erhalten.“

Peter Altmann

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