"Österreich ist endlich wieder stolz"

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Den Erfolg im Zuge der Feierlichkeiten „nüchtern“ einzuordnen, ist meist gar kein einfaches Unterfangen.

Die Emotionen nehmen Überhand, bei einigen ist auch Übermut zu spüren. Doch das ÖFB-Team qualifiziert sich ja nicht alle Tage für eine Europameisterschaft und rundet dies mit einem 3:0-Erfolg über Liechtenstein ab.

„Frankreich, wir kommen“, hat man sich im rot-weiß-roten Lager auf die Fahnen geheftet, die Nacht wurde nach dem neunten Sieg im zehnten Spiel bei einem Remis zum Tag gemacht.

Und trotzdem gibt es in den ausgelassenen Momenten auch Spieler in den Reihen der Koller-Elf, die das Erreichte und die Bedeutung dieses Triumphzuges sachlich einordnen können.

„Erkennt, dass es keine Selbstverständlichkeit ist“

„Es war schon eine sehr große Feier. Allerdings habe ich keine Ahnung, wie das noch getoppt werden soll, wenn wir mal Europameister werden“, scherzt Martin Harnik zuerst noch, um dann doch ernst zu werden. „Wir haben es definitiv genossen. Ich glaube, dass man daran auch erkennt, dass wir wissen, woher wir kommen und so eine Qualifikation keine Selbstverständlichkeit ist.“

Die rot-weiß-rote Auswahl befindet sich dadurch in einer Situation, die es in diesem Ausmaß noch nie gegeben hat. Auch nicht für den Stuttgart-Legionär, der mittlerweile 54 ÖFB-Einsätze und die Heim-EURO 2008 in den Beinen hat.

„Das ist etwas vollkommen anderes. Ich bin jetzt natürlich auch ein bisschen reifer, weiß so ein Event um einiges mehr zu schätzen. Es ist natürlich schon ein Unterschied, ob man sich sportlich oder mehr oder weniger politisch für so eine EM qualifiziert. Ich glaube schon, dass wir dieses Turnier in Frankreich um einiges mehr wertschätzen können.“

Interessant wird die Einschätzung bei David Alaba, der mit dem FC Bayern München auf Vereins-Ebene schon so gut wie alles gewonnen hat.

EM-Quali über Champions League oder U20-WM

Trotzdem wird der souveräne Weg nach Frankreich auch für den ÖFB-Regisseur ein unvergessliches Erlebnis bleiben.

„Das hat einen ganz hohen Stellenwert – nicht nur für mich, sondern für die ganze Mannschaft, für das ganze Land. Wir haben uns erstmals für so ein Ereignis qualifiziert. Das ist auch für mich das Höchste, was ich auf Nationalteam-Ebene erreicht habe. Es ist schwer, das mit der Champions League zu vergleichen.“

Im richtigen Moment auf die Euphoriebremse zu steigen, war bisher eine große Stärke. Dieser Linie gilt es auch in den kommenden Monaten bis zur Endrunde treu zu bleiben.

„Österreich ist endlich wieder stolz“

Zwar konnte ein großes Ziel erreicht werden, allerdings will man sich auch in Frankreich so teuer wie möglich verkaufen und den Prozess fortführen. Harnik weiß, dass sich in der Quali die Spreu vom Weizen trennt und gegen die Besten der Besten Kleinigkeiten über Sieg oder Niederlage entscheiden werden.

„Ich glaube, dass wir in der Qualifikation sicherlich sehr, sehr gute Leistungen abgeliefert haben. Man darf aber auch nicht vergessen, dass bei all den Siegen, die wir eingefahren haben, immer auch ein Quäntchen Glück dabei war – was wir vielleicht die Jahre davor nicht hatten. Dementsprechend fahren wir mit breiter Brust nach Frankreich, aber auch mit gewisser Demut. Denn wir wissen, dass wir doch ein gewisser Neuling auf der Bühne sind.“

Im wahrsten Sinne des Wortes überschlagen sich die Ereignisse derzeit. In letzter Zeit purzelte ein Rekord nach dem anderen, die Nationalelf eilte von Sieg zu Sieg. Und zusätzlich stieß man in der FIFA-Weltrangliste in die Top 10 vor.

„Das ist zwar mit Vorsicht zu genießen, aber irgendwie schon auch ein Feedback für unsere Leistung. Österreich ist endlich wieder stolz, auf diese Jahre habe ich wirklich gewartet. Aber um uns wirklich mit den Top 10 zu messen, fehlt doch noch ein bisschen“, relativiert Harnik.

Das Pflänzchen soll noch weiter wachsen

Marc Janko, seit seinem 50. ÖFB-Einsatz gegen Liechtenstein 25-facher Torschütze, sieht es ähnlich. Vor allem die langdienenden Teamspieler wissen, wie sich die Resonanz in den letzten Jahren verändert hat und wie einige vom Buhmann zum umjubelten Helden aufstiegen.

„Es gab viele Geschichten, die sich geändert haben. Bei der Person Marcel Koller angefangen über Marko (Arnautovic), Robert Almer ist auch ein Thema, bis hin zu mir - das sind aber alles alte Geschichten, die wollen wir jetzt nicht mehr aufwärmen. Wir sind jetzt froh, dass das ganze Land hinter uns steht und sind froh, dass sich mittlerweile auch wieder viele Leute mit Stolz als österreichische Fußball-Fans outen. Wir sind froh, dass wir dieses Pflänzchen zum Wachsen gebracht haben.“

Zlatko Junuzovic blickt wie einige andere im Kader zumindest auf einen vierten Platz bei der U20-WM 2007 zurück: „Klar ist es ein Unterschied, aber wenn du schon einmal so ein Turnier mit all seinen Emotionen erlebt hast, egal ob Jugend oder höchstes Niveau – es ist etwas Spezielles.“

Mit geringen Hoffnungen gestartet, entwickelte sich der prophezeite Kampf um Platz zwei zu einer eindeutigen, souveränen Vorstellung. Am Ende steht in Gruppe G ein erster Platz vor Russland und Schweden, als zweiterfolgreichstes Team nach England überhaupt in der EM-Quali.

„28 Punkte – so fantastisch wie wir diese EM-Qualifikation gespielt haben, war das eine richtige Duftmarke. Also so stark wie ich jetzt rieche, hat auch das Team gespielt. Es hat unglaublich Spaß gemacht“, versucht Teamchef Marcel Koller nach der Bierdusche einen aromatischen Vergleich zu ziehen.

Bescheidenheit und Miteinander als Erfolgsfaktoren

Die Erfolgsfaktoren sind schnell gefunden. Während spielerisch ein Rädchen ins andere passt und in der Ära Koller ein Stamm geformt wurde, der seinesgleichen sucht, wird ein Faktor von allen Spielern unisono hervorgehoben.

„Es passt halt sehr viel zusammen. Das Wichtigste ist aber das Miteinander. Das ist nicht nur die Mannschaft an sich, sondern auch Betreuer-, Trainerteam und die Euphorie der Fan-Masse. Das genießen wir, das gibt uns diesen Rückhalt, die Sicherheit, wenn du ein Heimspiel hast – egal, gegen wen. Du weißt, dass du dieses Spiel gewinnen kannst. Es passt momentan alles sehr gut“, analysiert Zlatko Junuzovic, um im selben Atemzug jedoch eine weitere wichtige Eigenschaft der ÖFB-Auswahl zu betonen: Bescheidenheit.

„Aber wie sagt man so schön: Im Erfolg macht man die größten Fehler. Deshalb müssen wir aufpassen, dass unser Weg so weitergeht, wir weiter fokussiert sind und eine gute Vorbereitung auf die EURO haben.“

Der botanische Ansatz ist schön und gut, allerdings soll der Wachstums-Prozess noch lange nicht abgeschlossen sein.

Das merkt man an Aussagen von Kapitän Christian Fuchs, der aufgrund des Remis gegen Schweden von einer nicht ganz perfekten Quali spricht und dies auf den unbändigen Ehrgeiz und Hunger dieser ÖFB-Generation zurückführt.

„Wir setzen uns keine Grenzen“

Die Marschroute ist klar. Der eingeschlagene Weg soll bei der EURO gewinnbringend fortgesetzt werden. Noch ist nicht abzusehen, was mit diesem Team noch alles möglich ist.

„Wir setzen uns keine Grenzen. Wir wollen natürlich immer nachlegen, wollen jedes Spiel gewinnen. Speziell in den letzten zwei Spielen, in denen es um nichts mehr ging, haben wir gezeigt, welcher Geist in der Mannschaft steckt“, bestätigt Janko.

Weiterhin sei noch viel Luft nach oben. Die selbstkritische Herangehensweise der einzelnen Spieler spricht für den Drang, sich stetig weiterzuentwickeln und die Früchte der Arbeit zu ernten.

Die Frage „Wie sollen wir das noch toppen?“ ist damit hinreichend beantwortet. Dieses ÖFB-Team hat bereits Geschichte geschrieben. Einige Seiten wurden jedoch noch freigehalten. Fortsetzung folgt – hoffentlich.


Alexander Karper / Martin Wechtl

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Wie, Wo, Wann

EM-Endrunde

  1. Juni bis 10. Juli 2016 in Frankreich

Orte

Bordeaux, Lens, Lille, Lyon, Marseille, Nizza, Paris, St. Denis, Etienne, Toulouse

Teilnehmer

20 der 24 Teilnehmer fix: FRA, ENG, CZE, ISL, <span style=\'color: #ff0000;\'>AUT, NIR, POR, ESP, SUI, ITA, 

BEL, WAL, ROU, ALB, GER, POL, RUS, SVK, TUR, CRO

Auslosung

  1. Dezember 2015 in Paris

Gruppen

6 zu je 4 Teams

Aufsteiger

Beide Gruppenersten plus die vier besten Dritten 

K.o.-Runde

Achtelfinale startet ab 25. Juni 2016

Tickets

Sind für die Fans der Teilnehmer nach der Auslosung wieder erhältlich

Trainingslager

  1. bis 16. November 2015 in Alicante, Spanien

Nächstes Spiel

Test gegen die Schweiz am Dienstag, 17.11. 2015, in Wien

ÖFB-Lehrgang

  1. bis 29.3. März 2016 - zwei Testspiele möglich

Bundesliga

Start 2016: Frühjahrsstart: 6.2. statt 13.2., MS-Ende am 15.5. statt 26.5.

Cup-Finale

21./22.5. statt 29.5.

EM-Vorbereitung

Ende Mai, Abstellungspflicht: 30.5. 2016

EM-Kader

Bekanntgabe des 23-Mann-Kaders am 31.5. 2016

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