"Wir Österreicher jammern gerne"

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Prödl: "Wir dürfen nicht zu lange nachtrauern"

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Am Freitag in Astana war Sebastian Prödl genervt. Richtig genervt. Vom 0:0.

„Natürlich war das Ergebnis enttäuschend und nervend, denn wir haben eindeutig mehr Qualität als die Kasachen“, erklärt der Steirer mit zwei Tagen Abstand, „mittlerweile ist es aber so, dass man es eh nicht mehr zurückdrehen kann.“

Die Enttäuschung der strapaziösen Reise nach Zentralasien abzuhaken und sich für das „Rückspiel“ am Dienstag neu zu fokussieren, ist wohl die große Kunst, die dieser Tage vom ÖFB-Team gefordert ist.

Genau so sieht es auch der Werder-Legionär: „Es ist Fakt, dass wir zwei Punkte liegen gelassen haben, aber das können wir nicht mehr ändern. Wir brauchen dem Freitag nicht mehr viel nachzujammern. Wir sind Österreicher und jammern gerne und schreiben jetzt schon, dass wir es nicht geschafft haben. Wir haben am Dienstag ein Spiel vor uns, das wir richtig motiviert angehen und für das wir die Lehren aus dem Freitagsspiel ziehen. Wir dürfen nicht zu lange nachtrauen, nicht zu viel Negatives im Kopf haben. Um etwas zu bewegen, müssen wir positiv denken.“

„Wir haben nicht viel falsch gemacht“

Möglicherweise ist es auch eine Chance für das Nationalteam, bereits nach vier Tagen beweisen zu können, dass man es gegen diesen Gegner besser machen kann. Bei allen Blicken nach vorne ist dafür allerdings natürlich auch die Fehleranalyse vom Gastspiel in Astana von Nöten.

„Wir haben am Freitag nicht viel falsch gemacht“, findet Prödl, „weil wir zwei Punkte verloren haben, dürfen wir die Stimmung nicht so hinstellen, dass wir schlecht gespielt haben, denn das war nicht der Fall.“

Man habe zwar von Beginn an offensiven Fußball gepflegt, das Risiko aber nur Schritt für Schritt erhöht: „Weil wir einfach nicht ins offene Messer laufen und uns noch mehr Druck auferlegen wollten. Mit der Zeit hat man gesehen, dass die Kasachen mit ihrer Taktik müde geworden sind. Ab der 60. oder 65. Minute sind sie meiner Meinung nach eingebrochen und haben mit dem Liegenbleiben Mittel gewählt, die für uns, aber auch für die Zuschauer nicht schön anzuschauen waren.“

Unter dem Strich kamen die Kasachen mit ihrer destruktiven Taktik durch, weil der Ball bei keiner der ÖFB-Chancen den Weg ins Tor fand.

„Gezwungen, unser Spiel ein bisschen zu verändern“

„Es ist einfach das Tor nicht gelungen, unserem Spielstil gegen eine defensive Mannschaft kann man nichts vorwerfen“, sieht der Innenverteidiger nicht das Problem darin, dass Österreich sich schwer damit tut, das Spiel machen zu müssen, wiewohl er zugibt, dass man sich gegen aktivere Kontrahenten leichter tut:

„Wir haben unseren Charakter, den wir mit dieser Mannschaft geschaffen haben, also unser Offensiv-Pressing, nicht so ausleben können, weil der Gegner nicht bereit war, mitzuspielen. Das hat uns natürlich gezwungen, unser Spiel ein bisschen zu verändern.“

Apropos Konzentration. Um das Zusammenspiel zwischen Kopf und Körper zu verbessern, setzt der Steirer seit zwei Jahren auf „Life Kinetic“.

„Ich wollte eine zusätzliche Trainingsform für mich gewinnen. Als Verteidiger musst du oft sehr schnelle Entscheidungen treffen, und Life Kinetic hat mir dabei geholfen, die Entscheidungszeit zu verkürzen, einfach nicht zu lange nachzudenken, sondern die Aktion zu starten“, erläutert Prödl, der nicht einzuschätzen vermag, ob ihm diese Methode auch bei seinem spektakulären Tackling in Astana geholfen hat.

„Man lernt quasi nie aus“

Bei „Life Kinetic“ gebe es tausende verschiedene Übungen, angefangen mit einfachen, bei denen man mit ausgestreckten Armen zwei Bälle in die Luft wirft und sie mit gekreuzten Armen wieder auffängt.

Der Schwierigkeitsgrad steigere sich zunehmend: „Sobald du eine Übung beherrscht, bist du bei der nächsten Übung. Man lernt quasi nie aus, um einfach nie mit dem Erlernten zufrieden zu sein – das ist eine Parallele zum Fußball. Am Anfang hatte ich wenig Spaß daran, aber sobald sich der Erfolg eingestellt hat, hat es mich weitergebracht.“

Bezogen auf das Nationalteam wäre es für Prödl tendenziell der größte Spaß, wenn sich am Dienstag gegen Kasachstan der Erfolg einstellt.

Peter Altmann

Durch diese Spielanlage bedingt kamen Prödl und sein Nebenmann Emanuel Pogatetz auf viele Ballkontakte, zu viele nach dem Geschmack von Teamchef Marcel Koller, der das ÖFB-Spiel gerade im Mittelfeld gerne weiter nach vorne verlagert gehabt hätte.

„Heutzutage ist es Teil des Spiels, dass auch Innenverteidiger den Spielaufbau machen und Angriffe einleiten“, sah der Deutschland-Legionär in diesem Umstand kein Problem.

„Astana war kein Rückschritt“

Probleme sieht er indes auch auf zukünftige Gäste der Kasachen zukommen. Die Iren hätten sich dort schon schwer getan, „auch die Schweden werden es schwer haben, auf den Färöer haben sie nur mit Ach und Krach 2:1 gewonnen. Dort wird es keine Mannschaft leicht haben.“

Prödls Fazit: „Astana war kein Rückschritt, aber auch kein Schritt nach vorne.“ Ein solcher soll am Dienstag gelingen. Vor dem zweiten Duell mit dem Underdog muss man wohl von einem Pflichtsieg sprechen.

„Vom Spiel her wird es am Dienstag nichts anderes sein, das wissen wir ganz genau“, kündigt die Abwehrkraft an, prophezeit jedoch den wesentlichsten Unterschied: „Wir werden es nicht hinkriegen, dass wir über 180 Minuten kein Tor machen. Das kann ich mir nicht vorstellen. Sobald ein Tor fällt, wird es ein ganz anderes Spiel werden.“

Hilfe durch „Life Kinetic“

Drei Punkte wären bitter notwendig. Wenn man auf die Tabelle blickt, wird die Entscheidung über Rang zwei in der Quali-Gruppe aber wohl in den Kräftemessen mit Schweden und Irland fallen.

„Um mitreden und von etwas träumen zu dürfen, müssen wir uns so oder so in den direkten Duellen beweisen“, bestätigt Prödl, dessen Konzentration zuerst jedoch dem Re-Match mit Kasachstan gilt.

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