Koller: "Die Frage ist, wie viel wir ändern"

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Die Ursachenforschung nach der Nullnummer von Kasachstan.

Wenn Marcel Koller derzeit die österreichischen Medien konsumiert, wird er mit Tipps, Ratschlägen und Analysen diverser Art konfrontiert.

Vor allem in Hinblick Aufstellung und Strategie. Einen gestiegenen Druck will der ÖFB-Teamchef jedoch nicht verspüren.

„Ich lese das natürlich auch und nehme das mit, aber ich lasse mich nicht beeinflussen“, stellt der Schweizer klar, „ich bin immer noch locker und versuche mich auf das Spiel zu konzentrieren.“

Aus der Startelf macht Koller wie gewohnt ein Geheimnis, kündigt nur Änderungen im Vergleich zum Gastspiel in Astana an: „Wir werden sicher etwas machen. Die Frage ist nur noch, wo und wie viel.“

Gut möglich, dass der 51-Jährige diese Fragen für sich selbst zum aktuellen Zeitpunkt auch noch nicht endgültig beantworten kann – vor allem aufgrund der Personalie David Alaba. Die Änderungs-Optionen Kollers im Überblick:

DAVID ALABA: Den Publikumsliebling als zusätzlichen Motivationsschub für die Anhänger von Anfang an aufzubieten, hat fraglos seinen Reiz. Davon will der Teamchef seine Entscheidung jedoch nicht abhängig machen. „David hat einen gewissen Status, wir müssen aber auf das Fußballerische schauen und nicht ob er der Liebling der Fans ist. Das kann natürlich etwas bewegen, ist aber nicht unser erster Gedanke“, betont Koller.

Der Eidgenosse bezeichnet den Bayern-Jungstar, der sich in den vergangenen zwölf Wochen nach einem Ermüdungsbruch zurückkämpfen musste, als „absolut fit, aber die Spielpraxis fehlt noch. Wenn er aber nie spielt, kriegt er auch keine Spielpraxis. Beim einen oder anderen Ball ist vielleicht die Sicherheit noch nicht so da, aber dafür muss man Verständnis haben.“

Sollte der ÖFB-Betreuerstab das Wagnis eingehen und dem 20-Jährigen zu seinem Comeback verhelfen, müssten entweder Julian Baumgartlinger oder Veli Kavlak auf die Bank. Beide haben im ÖFB-Dress zuletzt selten enttäuscht. Kavlak wäre gegen einen destruktiven Gegner die vielleicht eine Spur offensivere Variante. Beim Testspiel gegen kompakte Rumänen harmonierten Alaba und Kavlak jedenfalls gut im zentralen Mittelfeld.

Entscheidend, ob Alaba beginnt oder nicht, könnte das Abschlusstraining am Montagabend werden. „Vorher wird keine Entscheidung fallen“, so Koller, „wir müssen erst im Trainer-Team unsere Eindrücke besprechen.“

JAKOB JANTSCHER: Der Dynamo-Moskau-Legionär bezeichnet sich als „heiß darauf zu spielen. Ich bin bereit.“ Der Steirer war längere Zeit weg vom Nationalteam-Fenster, absolvierte im kompletten Kalenderjahr 2011 kein einziges Länderspiel. Unter Koller kämpfte er sich zuletzt wieder zurück und kam sowohl gegen die Türkei, Deutschland als auch in Kasachstan zu Joker-Auftritten.

Gut möglich, dass sein 13. Länderspiel sein erstes von Anfang seit September 2010 sein wird, der Gegner hieß damals vor heimischem Publikum ironischerweise Kasachstan. Mit seiner Dynamik und Dribbelstärke könnte er auf dem Flügel ein belebendes Element sein. Wenn ja, ist die Frage auf welchem Flügel, der 23-Jährige ist sowohl rechts als auch links einsetzbar. Sollte Jantscher den Zuschlag bekommen, müssten also Andreas Ivanschitz oder Marko Arnautovic auf die Bank.

Der Teamchef selbst, seit knapp zwölf Monaten im Amt, hatte potenzielle Rückschläge stets einkalkuliert, legt seine Aufgabe längerfristig an:

„Ein Jahr reicht nicht. Wenn man etwas aufbauen will, ist es normal, dass es nicht immer nur geradeaus geht, sondern dass es auch einmal Ecken und Kanten gibt, man vielleicht einmal einen Schritt zurückgehen muss, um zwei nach vorne zu kommen. Als ich noch Klubtrainer war, wusste ich auch noch nicht, dass es bei einem Nationalteam über Jahre geht. Die guten Nationalteams sind alle über Jahre beisammen.“

Im Rückspiel gegen Kasachstan wären zwei Schritte nach vorne wünschenswert.

Peter Altmann

MARC JANKO: Schon in Astana wurde mit der Option, dass der Vize-Kapitän von Anfang an im Sturm-Zentrum spielt, spekuliert. Dort erhielt jedoch wie zuletzt Martin Harnik den Vorzug, der Stuttgart-Legionär hätte vor der Pause auch das erlösende 1:0 machen können. Nach seiner Einwechslung sorgte Janko in der letzten halben Stunde für Betrieb im Strafraum, entscheidende Akzente konnte jedoch auch er nicht setzen.

Koller hat sich bereits festgelegt, dass er sein System nicht verändern, also dem 4-2-3-1 treu bleiben wird. Eine Variante mit zwei Stürmern ist daher vom Tisch. „Wir hatten mit diesem System auch in Kasachstan unsere Möglichkeiten. Wenn du das Tor machst, müssten wir diese Frage gar nicht beantworten“, erklärt der Schweizer. Sollte der Teamchef auf die Präsenz von Janko im Sechzehner setzen, müsste Harnik wohl auf die Bank – oder auf seine angestammte Position am rechten Flügel zurückkehren.

"Ein Jahr reicht nicht"

Wem auch immer der Teamchef das Vertrauen schenkt, gegen die Nummer 147 der FIFA-Weltrangliste ist ein Sieg gefordert, um in der WM-Qualifikation nicht allzu früh mit dem Rücken zur Wand zu stehen.

Bislang zeigte die Kurve unter Anleitung Kollers stets nach oben, entsprechend möchte die ÖFB-Elf nicht ausgerechnet gegen Kasachstan vom eingeschlagenen Weg abkommen.

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