"Sind am Weg zu einer Marke"

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"Haben in neuer Teamchef-Ära etwas geschaffen"

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Die „Marke Österreich.

Genau ein Jahr ist es her, dass Sebastian Prödl im Rahmen der „Asien-Tournee“ des ÖFB nach Aserbaidschan und Kasachstan diese Forderung aufstellte.

Soll heißen: Das Nationalteam soll für eine klare Spielphilosophie stehen, einen hohen Wiedererkennungswert haben.

Zum damaligen Zeitpunkt war Didi Constantini gerade als Teamchef abgelöst und Marcel Koller zu seinem Nachfolger bestellt worden, allerdings noch nicht offiziell im Amt.

Zwölf Monate später lässt sich die Handschrift des Schweizers bereits klar erkennen. „Wir sind am Weg, eine Marke zu entwickeln“, zeigt sich auch Prödl im LAOLA1-Interview zufrieden.

Zudem spricht der Bremen-Legionär über die Vorteile der „Rückkehr“ nach Astana, die Weiterentwicklung der Kasachen und seine Hoffnung auf „zwei richtig geile Spiele“.

LAOLA1: Der ÖFB-Tross hat die Reise ins ferne Kasachstan bereits im Vorjahr einmal angetreten. Ist es von Vorteil, dass ihr die Begebenheiten schon kennt?

Sebastian Prödl: Kasachstan ist natürlich nicht die nächstgelegenste Destination. Wenn man von Kasachstan-Routine sprechen kann, haben wir sie schon. Wir wissen, dass wir uns der Zeit anpassen beziehungsweise mit dem Essen und Trinken aufpassen müssen. Wir müssen schauen, dass wir die Reisestrapazen gut wegstecken. Ich denke schon, dass es ein Vorteil ist, dass wir letztes Jahr schon hier waren und wissen, wie es abläuft, wie das Stadion und die ganzen Begebenheiten sind.

LAOLA1: Die beiden jüngsten Duelle mit Kasachstan waren – unter anderen Voraussetzungen – schwierige Geburten. Was kommt dir in den Sinn, wenn du an diesen Gegner denkst?

Prödl: Ich kann mich erinnern, dass die Kasachen gegen uns sehr motiviert waren, weil sie dachten, dass sie einen Sieg landen oder zumindest einen Punkt holen könnten. Wir müssen aufpassen! Die Kasachen haben sich in den letzten Jahren extrem weiterentwickelt. Auch die Tatsache, dass sie in Europa in der Qualifikation mitspielen wollen, bedeutet, dass sie sich verbessern und mit den Besten messen wollen. Wir wollen die sechs Punkte, das ist ganz klar, aber das werden keine sechs Punkte mit Ansage. Wir werden auf eine Mannschaft mit kompakter Defensive treffen, die versuchen wird, zumindest ein Unentschieden zu holen. Es wird nicht einfach, wir müssen konzentriert rangehen, aber wenn wir es schaffen, uns auf uns zu fokussieren, sind die Sorgen gering, von hier nichts mitzunehmen.

LAOLA1: Vor genau einem Jahr hast du im Rahmen der Reise nach Aserbaidschan und Kasachstan gefordert, dass das Nationalteam eine Marke sein muss, die Wiedererkennungswert hat. Wie weit ist man auf diesem Weg?

Prödl: Ich glaube schon, dass wir in der neuen Teamchef-Ära zwar noch nichts erreicht, aber etwas geschaffen haben. Wir sind am Weg, eine Marke zu entwickeln. Ich denke, dass im Großteil der Spiele zu erkennen war, welche Strategie wir verfolgen. Das ist schon mal wichtig - auch für die Zuschauer, um sich mit uns zu identifizieren – aber auch für uns Spieler, um sich mit dem Weg zu identifizieren. Jeder weiß, wie er diesen Weg gehen muss. Die Aufgabenverteilung bei uns ist klar. Ich denke, wenn wir es konstant auf 90 Minuten hinbringen, wird es auf Sicht sicherlich eine Spielweise, mit der wir Erfolg haben werden.

LAOLA1: Ist dadurch auch die gesteigerte Konstanz bezüglich der Leistungen zu erklären? Ein schlechtes Länderspiel war zuletzt nicht dabei…

Prödl: Absolut. Wir haben in der neuen Teamchef-Ära zwar zwei Spiele verloren, aber selbst in diesen beiden Spielen wäre ein Sieg absolut drinnen gewesen. Das waren keine sang- und klanglosen Niederlagen. Es geht nach oben, was die Leistungen betrifft. Aber wir müssen diese Gedanken und Ziele, die wir öffentlich formulieren, auch mit Taten erfüllen. Das ist die große Aufgabe. Daran können wir zeigen, dass wir gewachsen sind.

LAOLA1: Früher hieß es immer, man muss ein Team aufbauen. Nun ist das Ziel die WM-Qualifikation. Seid ihr auf dem Niveau, um Rang zwei zu kämpfen?

Prödl: Das wird sich zeigen. Einerseits, wie wir jetzt die Spiele gegen Kasachstan bestreiten, wie professionell wir da reingehen, wie wir da punkten. Andererseits, wenn wir uns dann in den direkten Duellen gegenüberstehen. Wir haben gezeigt, dass wir mit Gegnern dieser Kategorie, wie etwa der Ukraine, absolut mithalten können. Aber zuerst sollten wir die Pflichtaufgaben erfüllen. Wir wollen noch nicht so weit nach vorne bis Schweden und Irland denken, sondern uns zuerst auf das Tagesgeschäft konzentrieren. Das bedeutet zwei immens wichtige und schwierige Spiele gegen Kasachstan. Ich denke jedoch, dass wir mit dem nötigen Selbstvertrauen antreten und anders als vor einem Jahr - wo es wirklich um nichts mehr ging – in diesen beiden Spielen etwas erreichen können.

LAOLA1: Ist so gesehen Kasachstan für die Mentalität dieser Mannschaft die größere Nagelprobe als ein Duell mit Erzrivale Deutschland?

Prödl: Wie unsere Mentalität war, können wir erst nach dem Spiel besprechen. Ich hoffe, dass wir zwei richtig geile Spiele abliefern und unseren neuen Stil weiterführen. Wenn wir das in den beiden Spielen jeweils über 90 Minuten schaffen, mache ich mir keine Sorgen, dass wir nicht glücklich sein werden. Ich bin positiv gestimmt, motiviert und freue mich auf die Aufgaben, auch wenn sie – seien wir ehrlich – nicht so schön sind wie die anderen Spiele in der Gruppe. Aber um die anderen Gruppenspiele schön gestalten zu können, müssen wir erst diese Partien erfolgreich bewältigen.

Das Gespräch führte Peter Altmann

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