ÖFB-Team tritt auf der Stelle

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Kein Schritt zurück, aber auch keiner nach vorne

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Chancen für den Sieg gab es genug.

Letztlich reichte es gegen Island aber nur zu einem 1:1.

Auch ein voller Erfolg hätte jedoch nicht über die spielerischen Schwächen des ÖFB-Teams hinwegtäuschen können.

Wie schon gegen Uruguay wurde eine Führung leichtfertig hergeschenkt. Auch weil Marcel Kollers Wechsel nicht zündeten.

Plan B“ wird wieder ausgepackt

Der Teamchef griff in der ersten Hälfte wieder auf jene defensivere Spielweise zurück, die im November im spanischen Trainingslager einstudiert wurde.

Wie gegen Uruguay und die USA betrieb seine Mannschaft nicht bedingungsloses Forechecking. Stattdessen gewährte man den Isländern in der eigenen Spielhälfte relativ viel Ballbesitz.

Kam einmal der Pass über die Mittellinie, schnappte das ÖFB-Pressing wie eine Mausefalle zu. Insbesondere Team-Debütant Stefan Ilsanker konnte hierbei seine Zweikampfstärke unter Beweis stellen.

Am besten funktionierte diese abwartende Spielweise in der 20. Minute. Nach einem Ballgewinn in der eigenen Hälfte wurde Marc Janko auf die Reise geschickt. Er legte sich das Leder im Strafraum aber zu weit vor.

Ballbesitz Island: Aus dem 4-4-2 wird bei den Gästen ein 4-1-3-2. Gunnarsson agiert als Spieleröffner. Das ÖFB-Team verteidigt kompakt als 4-4-2 und attackiert erst ab der Mittellinie


Fore-Checking sorgt für Führung

Situationsbedingt pressten die Österreicher auch weiter vorne an. Das klappte zwar nicht immer nach Wunsch, in der 28. Minute wurde damit aber ein Treffer provoziert.

Nach einem hohen Ball der Isländer spielte Sigthorsson zurück in die eigene Hälfte. Das ÖFB-Team roch die Chance auf den Ballgewinn. Janko und Ilsanker holten sich die Kugel, woraufhin Marko Arnautovic als Assistgeber für Marcel Sabitzer fungieren konnte.

Über den Stoke-Legionär liefen die meisten Offensiv-Aktionen bei den Österreichern. Grund dafür war einerseits seine engagierte Leistung, andererseits jedoch auch die Alternativ-Losigkeit im ÖFB-Spielaufbau

Arnautovic reißt Spiel an sich

Denn das Zentrum stellten die Isländer geschickt zu. Ilsanker, der tiefere der beiden ÖFB-Sechser, wurde von den Stürmern bewacht. Dahinter orientierten sich Emil Hallfredsson und Aron Einar Gunnarsson an Christoph Leitgeb und Zlatko Junuzovic.

Dazu machten auch die Flügelspieler das Spiel eng. Auf diese Weise ließ das isländische 4-4-2 über die Mitte nichts zu, dafür aber der Verteidigung und den Flügelspielern umso mehr Platz.

Logische Folge waren etliche Vertikalbälle der Innenverteidiger auf die Offensiv-Akteure. Insbesondere wurde dabei Arnautovic gesucht. Mit seinen Diagonalläufen sorgte er für viel Gefahr, zumal ihn Markus Suttner mit Vorstößen unterstützte. Am besten funktionierte dieses Zusammenspiel in Hälfte zwei, als Janko nach Hereingabe von Suttner den Siegtreffer am Fuß hatte.

Auf der Gegenseite spekulierte Sabitzer eher auf Steilpässe über die Abwehr, als auf kurze Anspiele. Deswegen entwickelte sich im ÖFB-Angriffsspiel eine starke Linkslastigkeit.

Ballbesitz Österreich: Die Koller-Elf spielt ein 4-2-3-1. Links fungieren Arnautovic und Suttner als Motor des Offensiv-Spiels. Sabitzer beweist rechts den Zug zum Tor. Island positioniert sich gegen den Ball im kompakten 4-4-2-Block.

Einfallsloses Spiel führt zum Ausgleich

Unterdessen setzte Island in der Offensive auf lange Bälle. Aufgrund der kompakten ÖFB-Defensive blieb ihnen auch nicht viel anderes übrig. Flache Pässe, die vor allem Gunnarsson von hinten herausspielte, blieben allzu oft hängen.

So wurden die beiden Sturmspitzen immer wieder mit hohen Zuspielen gesucht. Das blieb eigentlich wirkungslos, doch einmal ging diese dumpfe Strategie doch auf. Kurz nach der Pause führte ein langer Ball zu jenem Freistoß, den Kolbeinn Sigthorsson per Kopf zum Ausgleich verwertete.

Wechsel verpuffen

Das Tor sollte die einzig wirklich gefährliche Aktion der Isländer bleiben. Marcel Koller versuchte mit den Einwechslungen von Andreas Weimann und Lukas Hinterseer neuen Schwung zu bringen.

Angetrieben von den beiden laufstarken Jokern attackierte das ÖFB-Team nun höher. Dem Pressing fehlte es jedoch an der nötigen mannschaftlichen Geschlossenheit. Auch spielerisch brachten die Wechsel nicht die erhoffte Frischzellenkur.

Ohne Ballverteiler Leitgeb wurden die Bälle noch direkter nach vorne gespielt. Kaum einmal nahm jemand Tempo aus dem Spiel. Debütant Ilsanker fehlte dazu noch die Ruhe am Ball. Mit den Auswechslungen von Arnautovic und Junuzovic ging auch die letzte spielerische Linie verloren.

Fazit: Kein Rückschritt, aber auch keiner nach vorne

Lars Lagerbäck hat seinen Isländern dasselbe 4-4-2 beigebracht, das er schon als schwedischer Teamchef zwischen 2000 und 2009 spielen ließ. Noch heute sind die „Tre Kronor“ von dieser Zeit geprägt. Insofern war das Spiel ein guter Test für die bevorstehende WM-Qualifikation.

Die kompakt stehenden Nordländer machten es der Koller-Elf lange Zeit schwer. Das ÖFB-Zentrum blieb ohne den verletzten David Alaba weitgehend wirkungslos. Wieder gelang es nicht, den Gegner über einen längeren Zeitraum in der eigenen Hälfte einzuschnüren. So kamen viele Chancen zu Stande, deren Qualität litt aber unter zu hastigem Spiel.

Dennoch hätte Österreich genügend Möglichkeiten für einen Sieg vorgefunden. Zudem ließ man defensiv kaum etwas zu. Das 1:1 gegen Island bedeutet für das ÖFB-Team zwar keinen Schritt zurück, doch es zeigten sich zum wiederholten Mal die bereits bekannten Schwächen.

 

Jakob Faber

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