"Werde auch weiterhin auf Top-Niveau spielen"

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Emanuel Pogatetz ist mit dem Negativerlebnis eines Abstiegs mit dem 1. FC Nürnberg zum ÖFB-Camp nach Seefeld gereist.

„Das war sicher keine schöne Erfahrung. Man spielt lieber in erfolgreichen Mannschaften, dann geht alles einfacher, die Leute um einen herum sind glücklicher, man hat mehr Spaß am Fußball. Es ist nicht angenehm, wenn man eine Saison wie in Nürnberg erlebt. Aber das gehört zu unserem Beruf dazu“, erklärt der Steirer.

Die Hinrunde ohne Sieg sei die Basis für den Absturz in die Zweitklassigkeit gewesen: „In die Rückrunde sind wir eigentlich ganz gut gestartet, aber dann kamen zum entscheidenden Zeitpunkt verletzte Spieler dazu. Teilweise sind fünf, sechs Stammspieler ausgefallen. Dafür war der Kader nicht breit genug aufgestellt. Deswegen hat es am Ende nicht mehr gereicht.“

„Absolut richtige Entscheidung, Verbeek zu holen“

Die Kritik an Trainer Gertjan Verbeek, der im Oktober Michael Wiesinger ablöste und drei Spieltage vor Schluss gefeuert wurde, kann der 31-Jährige nicht nachvollziehen. Dem Niederländer wurde immer wieder vorgeworfen, die ersatzgeschwächte Mannschaft zu wenig auf den Endzweck spielen zu lassen.

„Ich finde, dass es die absolut richtige Entscheidung war, Verbeek zu holen. Wenn alle Spieler fit geblieben wären, hätten wir die Klasse gehalten“, glaubt Pogatetz.

Das Schlüsselspiel war wohl die 2:3-Niederlage Ende März bei Abstiegskonkurrent Freiburg. Der ÖFB-Legionär erzielte einen der beiden Treffer des „Clubs“ und holte den Elfmeter zum anderen heraus, flog allerdings auch mit Gelb-Rot vom Platz. Der Auftakt zu einer Negativserie von sieben Niederlagen in den letzten sieben Saisonspielen.

„Nach diesem Spiel war ein bisschen die Luft draußen, haben wir den Glauben daran verloren, die Liga zu halten. Das hat man in den letzten Spielen gesehen. Es ist schade, denn im Endeffekt hätten wir eigentlich nur einen Punkt mehr holen müssen, um drinnen zu bleiben. Dadurch, dass Hamburg und Braunschweig auch so schlecht waren, wäre es bis zum Schluss möglich gewesen“, bedauert Pogatetz.

Degradierung? „Das war auch seltsam für mich“

Die Franken stiegen letztlich mit 26 Punkten ab, während sich der HSV mit mageren 27 Zählern in die Relegation rettete und sich dort gegen Nürnbergs Lokalrivalen Greuther Fürth durchsetzte.

Besonders bitter aus Sicht des Grazers war der Umstand, dass ihn der Verbeek-Nachfolger für die letzten drei Spiele degradierte, er unter Roger Prinzen keine Rolle mehr spielte. Zum alles entscheidenden Gastspiel bei Schalke 04 durfte er nicht einmal mitfahren.

„Das war auch seltsam für mich. Unter Verbeek war ich bis auf eine kurze Verletzungspause zu Beginn der Rückrunde Stammspieler, meine Leistungen waren okay. Unter Roger Prinzen habe ich nicht mehr gespielt. Warum er mich nicht mit nach Schalke genommen hat, hat er mir auch nie begründet. Nach dem Spiel blieb auch keine Zeit mehr zu fragen, weil wir nicht mehr trainiert haben. Wir sind dann so auseinander gegangen. Man muss es akzeptieren, aber es ist natürlich schade, denn ich hätte gerne meinen Beitrag dazu geleistet, in den letzten drei Spielen die entscheidenden Punkte zu holen.“

Als positiv streicht Pogatetz nach einer Saison, die in Nürnberg hauptsächlich Verlierer kannte, indessen die Anhängerschaft hervor: „Es war wirklich top, wie sich die Fans verhalten haben. Man hat es bei Vereinen wie Hannover oder Hamburg gesehen, die von Seiten der Fans riesig unter Druck kamen. Unsere Anhänger waren natürlich auch nicht glücklich, dass wir nicht gewonnen haben, sind aber trotzdem immer hinter uns gestanden.“

„Ich werde sicher zu einem guten Verein kommen“

Persönlich habe er sich nichts vorzuwerfen, betont der 60-fache Nationalspieler, er habe immer sein Bestes gegeben. Nun heißt es für ihn, sich auf die Suche nach einem neuen Arbeitgeber zu machen. Möglicherweise ist die Entscheidung auch schon gefallen.

„Ich werde sicher zu einem guten Verein kommen, mehr will ich noch nicht dazu sagen“, gibt sich Pogatetz geheimnisvoll, kündigt jedoch an:

„Ich habe die letzten zehn Jahre auf Top-Niveau gespielt und werde auch noch die nächsten Jahre auf Top-Niveau spielen. Aber jetzt konzentriere ich mich einmal auf die Nationalmannschaft, danach kann und werde ich mehr dazu sagen.“

An Ehrgeiz mangelt es auch mit 31 ohnehin nicht: „Ich fühle mich fit. Dieses Gefühl täuscht mich auch nicht. Bei den Tests, die wir in der Nationalmannschaft oder im Verein durchführen, sehe ich, dass ich durchaus noch zu den fittesten Spielern zähle. Gerade für einen Verteidiger bin ich im besten Alter. Daher verlasse ich mich ganz auf mich selbst und meine Stärken und freue mich auf die nächsten Herausforderungen, wo auch immer das sein wird.“

„In der Innenverteidigung hat der Teamchef das geringste Problem“

Mit dem Nationalteam heißen die nächsten Herausforderungen Island und Tschechien. Am Dienstag bat Teamchef Marcel Koller seine Schützlinge zum Videostudium, in welchem Pogatetz die Schussgewalt des isländischen Tottenham-Legionärs Gylfi Sigurdsson auffiel, wie er schmunzelnd zu Protokoll gibt: „Der hat einen Martin-Hiden-Gedächtnisschuss. Zum ‚Hidi‘ haben wir auch immer gesagt, er soll mal einen Strahl loslassen.“

Wesentlich ernster geht es freilich im Gerangel um die Stammplätze in der Innenverteidigung zu, wo sich Pogatetz mit Aleksandar Dragovic, Sebastian Prödl und Martin Hinteregger konfrontiert sieht:

„Jeder ist bereit, dass er spielt. Die letzte Entscheidung wird dann beim Teamchef liegen. Ich denke, in der Innenverteidigung hat er das geringste Problem, er kann sich auf jeden Spieler verlassen und jeder hat auch den Anspruch zu spielen.“

Die Vergangenheit habe bewiesen, dass man im Verlauf einer Qualifikation aufgrund von Sperren und Verletzungen ohnehin alle Kadermitglieder benötigen werde: „Es ist selten so, dass immer die gleichen Spieler spielen. Daher ist es gut, dass sich jetzt viele Spieler um die Positionen streiten – nicht nur in der Innenverteidigung, auch auf anderen Positionen sind wir doppelt bis dreifach besetzt.“

„Ich bin überzeugt, dass wir uns qualifizieren“

Nicht nur wegen dieser Kaderdichte, sondern auch aufgrund der gestiegenen Qualität und der gesammelten Erfahrung schließt sich Pogatetz jenen Kollegen an, die eine Qualifikation für die EM 2016 als Muss betrachten:

„Es muss mit dieser Mannschaft und nach der letzten Qualifikation unser Anspruch sein, bei der EM dabei zu sein. Das muss man von uns erwarten. Wir haben auch die Qualität und das Umfeld dafür. Ich bin überzeugt, dass wir uns qualifizieren und für unsere harte Arbeit in den letzten Jahren belohnen werden.“

Peter Altmann

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