"Besser spät als nie"

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"Für mich war es ein sehr, sehr gutes halbes Jahr"

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Nein, seinen Urlaub musste Michael Liendl nicht extra stornieren, um am ÖFB-Camp in Seefeld teilnehmen zu können.

„Ich habe nichts Großartiges vorgehabt“, grinst der Spätberufene in Sachen Nationalteam.

Im für einen Fußballer nicht mehr ganz taufrischen Alter von 28 Jahren hat der Vorarlberger erstmals den Sprung in die rot-weiß-rote Auswahl geschafft, indem er für den verletzten Bayern-Star David Alaba nachnominiert wurde.

„Ich sage einmal, besser spät als nie“, bringt es Liendl auf den Punkt, „so kurz vor dem Karriereende bin ich auch noch nicht, deswegen bin ich froh, dass ich diese Chance bekommen habe. Für David ist es natürlich bitter, dass er verletzt ist. So einen Spieler hat man immer gerne dabei. Aber für mich ist es die Möglichkeit, dass ich mich hier präsentieren kann.“

„Es hat ein bisschen später geklappt als normal“

Zu verdanken hat der Mittelfeldspieler dies einem starken Frühjahr bei Neo-Arbeitgeber Fortuna Düsseldorf. Nachdem er schon im Herbst beim Wolfsberger AC mit elf Toren und fünf Assists zu überzeugen wusste, gelang der langersehnte Sprung über die Landesgrenzen hinaus.

Mit zehn Scorer-Punkten (drei Tore, sieben Assists) in 15 Einsätzen für den deutschen Zweitligisten wusste der Neuzugang aufzuzeigen. Vor allem im Saison-Finish unter Interimstrainer Oliver Reck hatte er wesentlichen Anteil an fünf Siegen in den finalen sechs Partien.

Der Schritt in die Rhein-Metropole sei ein großer gewesen: „Aber es war immer ein Ziel von mir, einmal ins Ausland zu kommen. Es hat ein bisschen später geklappt als normal, aber unterm Strich gilt hier das Gleiche: Besser spät als nie. Für mich persönlich war es ein sehr, sehr gutes halbes Jahr, ich bin sehr gut angekommen und in der Mannschaft sehr gut aufgenommen worden.“

Gleich beim Debüt im Fortuna-Dress beim Gastspiel bei 1860 München lieferte Liendl einen Assist. Dieser Start sei sehr wichtig gewesen, die Eingliederung in die Mannschaft dadurch noch einmal leichter gefallen.

Das nötige Selbstvertrauen

Vor Respekt erstarrt ist der frühere Austria- und Kapfenberg-Spieler ohnehin von Beginn an nicht. „Ich weiß, dass ich ein guter Fußballer bin“, sagt er und verdeutlicht seine Herangehensweise:

„Ich bin dort hingekommen und war überzeugt, dass ich der Mannschaft helfen kann. In den eineinhalb Jahren davor in Wolfsberg habe ich auch sehr gute Leistungen gezeigt und bin natürlich mit einem gewissen Selbstvertrauen nach Düsseldorf gekommen. Vor allem, wenn du ins Ausland wechselst, ist es wichtig, wenn du dort mit einer  nötigen Portion Selbstvertrauen hingehst.“

Michael Liendl steht erstmals im Training des A-Nationalteams

Dass es jedoch so gut laufen würde, sei auch für ihn eine kleine Überraschung gewesen. Keine Überraschung war freilich, dass er in Düsseldorf im Vergleich mit heimischen Gefilden in eine andere Fußball-Welt eintauchen würde:

„Wir haben einen Zuschauerschnitt von 30.000 Leuten, beim letzten Spiel waren 45.000 Zuschauer im Stadion. Das ist schon überragend. Für einen Fußballer gibt es ohnehin nichts Schöneres, als vor so einer Kulisse zu spielen. Deswegen wird man Fußballer.“

Perspektive Aufstieg?

Neben Liendl halten bei der Fortuna mit Jimmy Hoffer und Christian Gartner zwei weitere Österreicher die rot-weiß-rote Fahne hoch.

„Wenn du Landsleute im Verein hast, gibt es gleich einmal Bezugspersonen, mit denen du vielleicht ein bisschen schneller ins Reden kommst. Von dem her war es natürlich ein bisschen leichter. Außerdem verstehen sie dich auch besser“, grinst der 28-Jährige, der jedoch keine Probleme kennt, sich über alle Dialektgrenzen hinweg Gehör zu verschaffen: „Ich bin ein relativ offener Typ, deswegen bin ich auch schnell in die Mannschaft reingekommen.“

Erst reingekommen, dann raufgekommen? Die Perspektive für die kommende Saison scheint klar. Nach dem Abstieg 2013 möchte die Fortuna wieder um die Rückkehr in die Bundesliga mitspielen.

„Wenn man das Stadion, das Umfeld und die Fans sieht, ist es ein Verein, der natürlich das Potenzial hat, in die Bundesliga aufzusteigen. Wir werden sicher noch zwei, drei Spieler holen. Wenn wir uns gezielt verstärken, bin ich mir sicher, dass wir kommende Saison ganz oben mitspielen können. Um wirklich in die Bundesliga aufzusteigen, gehört aber eine perfekte Saison dazu.“

Wiedersehen mit alten Bekannten

Damit, dass ihm der Sprung in die höchste Spielklasse schon vorher mittels eines weiteren Transfers gelingen könnte, will Liendl nicht spekulieren:

„Auszuschließen ist gar nichts, im Fußball geht es sehr schnell. Aber ich weiß auch, dass es in beide Richtungen schnell gehen kann. Ich bin momentan sehr zufrieden damit, was ich gezeigt und wie ich mich in die Mannschaft integriert habe. Viel weiter denke ich noch gar nicht.“

Vorerst genießt ohnehin das Nationalteam Priorität – allen voran natürlich sportlich, aber auch von der sozialen Komponente her: „Ich kenne viele Gesichter, mit vielen habe ich schon zusammengespielt und freue mich, dass ich sie alle wieder sehe, denn so oft kommen wir nicht zusammen.“

Erstmals nominiert zu sein, ist das eine. Erstmals für das A-Team zu spielen, wäre das andere. Deswegen steht über allem natürlich die Hoffnung auf das Länderspiel-Debüt:

„Ich werde mein Bestes geben und hoffe, dass ich überzeugen kann und zu meinen Einsatzminuten komme.“

Peter Altmann

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