"Mehr Fans für ÖFB-Elf gewinnen"

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"Wir können nicht locker-flockig ins Spiel gehen"

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Gebetsmühlenartig wiederholte Marcel Koller seit seinem Amtsantritt als ÖFB-Teamchef seine Skepsis gegenüber Kurzlehrgängen bei Mittwochs-Freundschaftsspielen.

„Wenn man nur drei Tage Zeit hat, trudelt jeder schnell ein, du hast eine Einheit, das Match, dann sind alle wieder weg und du hast gar nicht die Möglichkeit, den Menschen kennenzulernen oder auch mal ein Gespräch zu führen“, missfällt dem Schweizer die Hektik solcher Termine.

Umso mehr in seinem Element ist der 53-Jährige bei mehrtägigen Camps wie jenem aktuell in Seefeld. Seit vergangenem Freitag hat Koller seine Auserwählten im Tiroler Tourismusort versammelt, um sich auf die beiden Testspiele gegen Island am Freitag und in Tschechien am Dienstag vorzubereiten.

„Du hast wirklich fünf, sechs Tage hintereinander Zeit, deine Ideen rüberzubringen“, verdeutlicht der Eidgenosse, hebt jedoch gleichzeitig den sozialen Aspekt hervor. Der große Vorteil sei, dass man mehr Zeit für den zwischenmenschlichen Bereich habe.

„Auf dem Platz fliegen die Fetzen“

Jene Kadermitglieder, die diesmal neu dazu gestoßen sind, hätten sich gleich wohl gefühlt: „Das ist auch den Stammspielern zu verdanken, dass das so reibungslos geht. Das ist natürlich neue Konkurrenz für sie, aber es spricht für die menschliche Qualität in diesem Kader, dass man sie sportlich aufnimmt und versucht, neben dem Platz gut miteinander umzugehen und auf dem Platz schon auch die Fetzen fliegen. So soll’s sein!“

Potenzielle Debütanten wie Valentino Lazaro, Stefan Ilsanker oder Michael Liendl wiederum stünden doppelt unter Beobachtung: „Auf der einen Seite auf dem Trainingsplatz, auf der anderen Seite auch menschlich. Das Zusammengehörigkeitsgefühl ist sehr wichtig für mich. Wenn das passt und man sich gut versteht, kann man aus meiner Sicht bessere Leistungen bringen. Wir haben das gut beobachtet.“

Ob der verletzungsbedingten Ausfälle von David Alaba, Christian Fuchs, Martin Harnik und Veli Kavlak dienen die beiden anstehenden Tests ohnehin nicht nur als Generalproben für die EM-Qualifikation, sondern stehen auch unter dem Motto, dass sich potenzielle Alternativen ins Rampenlicht spielen können.

Koller: „Das ist die Möglichkeit für andere, um sich zu präsentieren. Während der vergangenen zwei Jahre hatten wir eigentlich einen sehr kompakten Stamm und es war schwierig für andere, dazuzukommen.“

Spielpraxis für alle drei Goalies

Ob alle Kadermitglieder in diesen beiden Partien einen Einsatz bekommen, könne er zum aktuellen Zeitpunkt jedoch noch nicht versprechen. „Grundsätzlich wollen wir natürlich beide Spiele erfolgreich gestalten. Wenn wir das Gefühl haben, dass wir sehen möchten, was ein Spieler im Spiel zeigen kann, werden wir uns dementsprechend so entscheiden.“

Aus seiner Aufstellung macht der Teamchef wie immer ein Geheimnis. Einzig in seinen Plan, gegen Island und Tschechien allen drei Torhütern Spielpraxis zu geben, gewährt er Einsicht: „Wir haben uns im Trainer-Team entschlossen, dass alle drei zum Einsatz kommen werden. Jeder wird sich sicher eine Halbzeit präsentieren können.“

Wie genau die Einsatzzeit zwischen Robert Almer, Heinz Lindner und Ramazan Özcan aufgeteilt wird, sei jedoch noch offen. Ingolstadt-Legionär Özcan wird somit knapp sechs Jahre nach seinem Debüt beim 2:2 gegen Italien im August 2008 zu seinem zweiten Länderspiel kommen.

Einige offene Positionen

Bei den Feldspielern erscheinen einige Positionen offen. Will Koller Andreas Ulmer anstelle von Kapitän Fuchs eine Chance geben, muss er dies am Tivoli tun, da der Linksverteidiger ebenso wie der zuletzt gesetzte Christoph Leitgeb die Reise nach Tschechien nicht mehr antreten wird.

Im zentralen Mittelfeld ist es eine Variante, Leitgeb seinen aus Salzburg gewohnten Nebenmann Stefan Ilsanker zur Seite zu stellen und somit sein Debüt feiern zu lassen. Am rechten Flügel gibt es einige Optionen als Harnik-Vertreter – etwa Marcel Sabitzer, Lazaro oder auch Andreas Weimann, der jedoch die ersten Trainingstage wegen einer Grippe verpasste.

Rechts in der Viererkette spricht bei einer „Salzburg-lastigeren“ Aufstellung einiges für Florian Klein, zuletzt bekam jedoch meist György Garics den Vorzug. Spannend wird die Besetzung in der heiß umkämpften Innenverteidigung, in der sowohl gegen die USA als auch gegen Uruguay Martin Hinteregger seine Chance neben Aleksandar Dragovic bekam und eine gute Figur machte. Es ist jedoch anzunehmen, dass in zumindest einer der beiden folgenden Begegnungen auch Sebastian Prödl und Emanuel Pogatetz zum Zug kommen werden.

Gesetzt erscheinen im offensiven Quartett die Stammkräfte Zlatko Junuzovic, Marko Arnautovic und Marc Janko.

„Können nicht locker-flockig ins Spiel gehen“

Wem auch immer Koller sein Vertrauen schenkt, die Vorgabe liegt auf der Hand. Ziel des Teamchefs war es nach der verpassten WM-Qualifikation, auch in Freundschaftsspielen bessere Ergebnisse einzufahren.

Koller: „Es geht darum, dass wir auch in diesem Testspiel Vollgas geben. Wir verlangen von den Spielern 100 Prozent. Sie haben in den vergangenen zwei Jahren ja auch gemerkt, dass der österreichische Fan wieder mehr zu den Spielen kommt, dass er Freude am Nationalteam hat. Das gilt es immer wieder zu bestätigen. Wir können nicht locker-flockig ins Spiel gehen, sondern brauchen volle Konzentration, Leidenschaft, Freude und Spaß und eine Einheit aus Zuschauern, die uns anfeuern und Spielern, die mit einem guten Spiel und viel Einsatz etwas zurückgeben. Dass wir immer gewinnen, können wir nicht versprechen, aber dass jeder das Maximum gibt schon.“

Auf den Punkt gebracht: „Wir wollen noch mehr Fans für das Nationalteam gewinnen.“

Bis Donnerstagmittag waren 11.000 Tickets für das Match am Freitagabend verkauft. Im ÖFB erhofft man sich ein ausverkauftes Tivoli-Stadion.

Peter Altmann

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