"Wir müssen höllisch aufpassen"

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"Ein sehr starker und interessanter Gegner"

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Sowohl Österreich als auch Island würden sich gerade wohl lieber intensiv auf die WM in Brasilien vorbereiten.

Beide Nationalteams verpassten die Qualifikation für das Großevent mehr oder weniger knapp.

Also gilt die Konzentration in beiden Lagern bereits der im September startenden Ausscheidung für die EM 2016 in Frankreich.

Das Aufeinandertreffen in Innsbruck wird das Kräftemessen zweier Fußball-Länder, die in den vergangenen Jahren unter ausländischen Teamchefs einen Sprung nach vorne gemacht haben.

Unterschätzen will man die Insel-Kicker auf Seiten des ÖFB-Teams keinesfalls. „Sie haben eine sehr gute Quali gespielt, sind in ihrer Gruppe Zweiter geworden. Da müssen wir höllisch aufpassen, ich sehe sie als sehr guten Gegner an“, warnt etwa Sebastian Prödl.

LAOLA1 fasst die wichtigsten Brennpunkte vor diesem Testspiel am Tivoli zusammen:

GENERALPROBE: Aufgrund des gestrichenen August-Termins dienen die Begegnungen gegen Island und Tschechien als Generalprobe für den Auftakt in die EM-Qualifikation gegen Schweden. Im konkreten Fall kommt den beiden Partien aber zwangsläufig eher das Motto „Testspiele sind zum Testen da“ zu, denn in Abwesenheit von David Alaba, Christian Fuchs, Martin Harnik und Veli Kavlak kann Teamchef Marcel Koller nur schwer seine Stammelf einspielen. Der Schweizer wurde nicht müde zu betonen, dass dies für etwaige Alternativen die perfekte Gelegenheit sei, sich aufzudrängen. Andreas Ulmer bleibt diese Möglichkeit wegen einer im Abschlusstraining erlittenen Muskelverhärtung im Oberschenkel verwehrt. Das eine oder andere Experiment ändert jedoch nichts an der ergebnisorientierten Herangehensweise, denn Koller waren die schwachen Testspiel-Leistungen im Verlauf der WM-Qualifikation stets ein Dorn im Auge. „Wir wollen beide Spiele gewinnen“, war somit einer der am öftesten gehörten Sätze in der einwöchigen Vorbereitung im Camp in Seefeld. „Das Ergebnis können wir vorher nicht sagen, aber wir wollen ein gutes Spiel zeigen. Wenn wir den Ball nicht haben, wollen wir fighten und so schnell wie möglich wieder in Ballbesitz kommen. Der Weg soll weitergehen“, betont Koller. Nach der langen Vorbereitung wird es höchste Zeit für den Ernstfall. „Wir sind heiß auf das Spiel“, verspricht Marko Arnautovic.

RESPEKT VOR ISLAND: Island mag kein Gegner mit klingendem Namen sein, hat in den letzten Jahren jedoch einen Sprung nach vorne gemacht. Während Österreich knapp an der Qualifikation für die WM-Playoffs scheiterte, erreichten die Insel-Kicker selbige, konnten jedoch gegen Kroatien nicht das Ticket für Brasilien lösen. „Egal welches Spiel uns der Teamchef gezeigt hat, man hat gemerkt, dass sie sowohl aggressiv verteidigen können, mit ihren vielen großen Spielern in den Luftzweikämpfen sehr stark sind, als auch Fußball spielen können. Teilweise haben sie spektakuläre Tore erzielt“, streicht Andreas Ivanschitz hervor, der besonders folgende Stärken ausmachte: „Das frühe Gegenpressing, ihre Aggressivität, die Kompaktheit mit zwei Viererketten in der Defensive, das gute Verschieben, um dem Gegner wenig Räume zu geben, dazu waren ein paar blitzschnelle Konter dabei. Ein sehr starker und interessanter Gegner.“ Auch Zlatko Junuzovic lobte: „Sie spielen einen sehr guten Fußball. Ich hätte mir nicht gedacht, dass sie so kombinationsstark sind, sehr viel Kurzpassspiel machen. Auf den Flügeln haben sie starke, wendige Spieler, die sehr torgefährlich sind. Das wird ein harter Brocken – ein sehr guter Test für die EM-Qualifikation im Hinblick auf Schweden oder Russland.“

DER GEGNER: Ob Islands Teamchef Lars Lagerbäck seine stärkste Elf aufs Feld schicken wird, bleibt jedoch abzuwarten – nicht nur, weil mit Tottenham-Legionär Gylfi Sigurdsson der Star-Spieler fraglich ist. Der 65-Jährige kündigte an, dem einen oder anderen Kadermitglied mit weniger Routine Länderspiel-Erfahrung zu verschaffen. Erstmals im Aufgebot steht beispielsweise Valerenga-Oslo-Legionär Vidar Kjartansson, der mit elf Treffern in elf Saison-Spielen die Schützenliste der norwegischen Tippeligaen souverän anführt und auf sein Länderspiel-Debüt brennt. Feiern kann er selbiges nur gegen Österreich und nicht kommende Woche gegen Estland, da er wie zwei andere Norwegen-Legionäre (Birkir Saevarsson/Brann Bergen und Jon Dadi Bödvarsson/Viking) nach dem Spiel in Innsbruck aufgrund von Cup-Verpflichtungen zurück zum Verein muss. Lagerbäck war 2011 als ÖFB-Teamchef im Gespräch, den Zuschlag erhielt jedoch Koller. Der Schwede erwartet eine enge Partie: „Ich sehe in diesem Spiel keinen echten Favoriten, die Chancen stehen 50:50. Für uns ist es wichtig, solche Spiele zu gewinnen, damit wir uns ans Siegen gewöhnen. Natürlich steht aber auch das Testen von Spielern im Vordergrund.“ Insgesamt ist es erst das dritte Kräftemessen zwischen Österreich und Island, die sich bislang nur im Rahmen der für den ÖFB erfolgreichen Qualifikation für die WM 1990 in Italien duellierten. Beim 83. und letzten Länderspiel von Herbert Prohaska trennte man sich im Juni 1989 in Reykjavik mit einem für Rot-Weiß-Rot schmeichelhaften 0:0. Beim Rückspiel im August 1989 in Salzburg schossen Heimo Pfeifenberger und Manfred Zsak die Elf von Teamchef Josef Hickersberger zu einem wichtigen 2:1-Sieg.

WERBUNG IN EIGENER SACHE: Beim Länderspieltermin am Saisonende gehört Transfergeflüster im ÖFB-Quartier zum guten Ton. Während etwa Florian Klein (Stuttgart), Lukas Hinterseer (Ingolstadt) oder Marcel Sabitzer (Red Bull Salzburg) ihre Wechsel schon vollzogen haben, sind andere Teamspieler wie unter anderem Emanuel Pogatetz oder György Garics noch auf der Suche. Der eine oder andere kann die beiden anstehenden Tests also nützen, um sich ein weiteres Mal in die Auslage zu spielen – etwa Goalie Robert Almer oder Marc Janko. Für Letzteren ist die Vereinszukunft „ein großes Fragezeichen. Es gibt noch nichts Konkretes. Da ich ablösefrei zu haben bin, sollte es leichter sein einen Verein zu finden als zuvor.“ Der Noch-Trabzonspor-Legionär betrachtet das Nationalteam als gute Gelegenheit, sich zu präsentieren: „Auf der anderen Seite denke ich, dass die Vereine mittlerweile eine so gute Scouting-Abteilung haben, dass sie wissen, was ich zu leisten imstande bin, wo meine Stärken und Schwächen liegen. Ich glaube nicht, dass es ein Verein von einem Spiel abhängig macht, ob er jemanden verpflichtet oder nicht.“

SCOUTS: Beobachter internationaler Vereine werden am Tivoli jedenfalls zur Genüge vertreten sein. So entsenden unter anderem folgende Vereine einen Spion: Schalke 04, Bayer Leverkusen, Borussia Mönchengladbach, VfB Stuttgart, Werder Bremen, VfL Wolfsburg, 1. FC Köln, Fortuna Düsseldorf, Chievo Verona, Hellas Verona, Ajax Amsterdam, Feyenoord Rotterdam und PSV Eindhoven. Von Verbands-Seite lassen Schweden, Montenegro, Tschechien und die Türkei künftige Länderspiel-Gegner beobachten.

WEISSE WESTE IN INNSBRUCK: Sollten Kurzentschlossene noch eine letzte Motivation brauchen, um ins Stadion zu kommen: In Innsbruck hat das österreichische Nationalteam meistens gute Figur gemacht. Genauer gesagt ist Tirols Landeshauptstadt der einzige Länderspiel-Austragungsort, an dem das ÖFB-Team noch ungeschlagen ist. In neun Partien feierte Rot-Weiß-Rot bei zwei Unentschieden sieben Siege. Die Tordifferenz ist mit 22:8 klar positiv. Unter der Anleitung von Koller fanden bereits zwei Länderspiele am Tivoli statt. Anfang Juni 2012 wurde die Ukraine 3:2 geschlagen, ehe man sich von Rumänien mit einer Nullnummer trennte.

Peter Altmann

Datum Gegner Ergebnis
27.08.1986 Schweiz 1:1
25.04.2001 Liechtenstein <span style=\'color: #ff0000;\'>2:0
11.06.2003 Weißrussland <span style=\'color: #ff0000;\'>5:0
28.04.2004 Luxemburg <span style=\'color: #ff0000;\'>4:1
11.10.2006 Schweiz <span style=\'color: #ff0000;\'>2:1
17.10.2007 Elfenbeinküste <span style=\'color: #ff0000;\'>3:2
10.10.2009 Litauen <span style=\'color: #ff0000;\'>2:1
01.06.2012 Ukraine <span style=\'color: #ff0000;\'>3:2
05.06.2012 Rumänien 0:0
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