So wollte Koller die Deutschen schlagen

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Gut gespielt, trotzdem nicht gewonnen. Oft wurde in den letzten Jahren nach ÖFB-Niederlagen diese Phrase strapaziert. Wohl nie zuvor war sie jedoch so treffend, wie nach dem 1:2 am Dienstag gegen Deutschland.

Die Österreicher brachten den Lieblingsgegner ordentlich ins Wanken. Schlüsselkonzept dazu war ein geschicktes Pressing und ein klarer Plan, wie nach vorne gespielt werden sollte.

Zuerst kluges Pressing...

Von Beginn weg setzte das ÖFB-Team die Deutschen mit aggressivem Pressing unter Druck. Wie schon zuletzt, ließ Marcel Koller auch gegen die Nummer zwei der Welt eine hohe Defensivlinie spielen. Zeitweise machten gleich fünf bis sechs Spieler in der gegnerischen Hälfte die Räume eng.

Vor allem Deutschlands aufbaustarke rechte Seite mit Philipp Lahm wurde aus dem Spiel genommen. Dazu attackierte Ivanschitz den DFB-Kapitän, Zlatko Junuzovic setzte Mats Hummels unter Druck und Martin Harnik stellte den Passweg auf Holger Badstuber zu. Auf diese Weise verzeichneten die Österreicher vor allem in der Anfangsphase einige Ballgewinne. Und das gegen drei der technisch stärksten Verteidiger der Welt.

Die Grundformationen: Österreich im erwarteten 4-2-3-1 mit Harnik als Solospitze. Deutschland im gleichen System.


...und dann mit Plan angreifen

Für die Gegenangriffe hatte sich Koller etwas einfallen lassen. Erstens bekamen die ÖFB-Spieler den Auftrag, so schnell wie möglich den Abschluss zu suchen. Auf Ballbesitz wurde kein Wert gelegt. Gegen die Pressing-Spezialisten aus Deutschland hätte man sonst zu viele Ballverluste riskiert.

Zweitens war Marko Arnautovic bei Konterangriffen als Anspielstation Nummer eins gedacht. Dazu agierte der Bremer ein bisschen höher als seine Mittelfeldkollegen. Zudem hielt er sich konsequent an der rechten Seitenlinie auf. Kollers Absicht: Arnautovic mit geschickten Seitenwechseln Platz verschaffen, damit dieser das Dribbling suchen kann. Der ÖFB-Elf gelang es aber erst in der zweiten Hälfte, Arnautovic ins Spiel einzubinden. „Ich hätte mir gewünscht, dass Marko diese Eins-gegen-Eins-Situationen, wie bei seinem Assist, schon in der ersten Hälfte öfter gehabt hätte“, meinte der Schweizer nach dem Spiel.

Als dritter Aspekt des Offensiv-Plans agierte die linke Seite genau gegensätzlich zur rechten. Dort hatte Andreas Ivanschitz die Lizenz, zur Mitte zu ziehen. Damit sollte er Linksverteidiger Christian Fuchs Räume öffnen. Dies gelang zum Beispiel bei Ivanschitz' Schuss in der 42. Minute. Während er zentral seinen Alleingang abschloss, wartete Fuchs links vergeblich auf den Pass.

Österreichs Offensivkonzept: Arnautovic hält seine rechte Seite. Ivanschitz zieht zur Mitte und schafft damit Räume für Fuchs.

Die Deutschen

Jogi Löws Jungs wirkten überrascht von der aggressiven Anfangsphase der Österreicher. Das führte zu enormen Problemen beim Herausspielen aus der Abwehr. Auch weil die Abstände zwischen Offensiv- und Defensivspielern zu groß waren. "Wir haben gegen ein Pressing gespielt, gegen das wir keine Lösung gefunden haben", meinte DFB-Kapitän Lahm. Dass Deutschland am Ende aber doch gewann, hängt nicht nur mit den sogenannten „deutschen Tugenden“ zusammen.

Wie Österreich zog auch das DFB-Team ein starkes Pressing auf. So musste ÖFB-Schlussmann Robert Almer schon nach wenigen Minuten nach einem von den Deutschen provozierten Garics-Fehlpass retten. Ein ruhiger Spielaufbau war zumindest in der ersten Hälfte kaum möglich.

In der Pause veränderte Löw ein wenig den Spielaufbau. Er wies sein Team an, vermehrt die linke Seite einzusetzen. Damit wurde dem starken Pressing auf Lahm der Wind aus den Segeln genommen. Nicht zufällig ging dem Elfmeterfoul eine starke Drangphase über die linke Flanke voraus.

Fazit: Keine Belohnung für guten Plan

Koller hatte viel Zeit, sich auf den Schlager zum WM-Quali-Auftakt gegen Deutschland vorzubereiten. Und der Schweizer hatte seine Hausaufgaben vor dem Spiel erledigt. Er und sein Trainerteam gaben der Mannschaft einen Plan mit, der den Favoriten ins Wanken brachte.

Von Beginn weg wurde den Gästen jenes Angriffspressing aufgezwungen, das die Österreicher seit Kollers Amtsübernahme einstudiert haben.Dazu überlegte sich der Teamchef mit der Sonderrolle von Arnautovic in der Offensive und dem dazugehörigen schnellem Umschaltspiel ein passendes Konzept für die Offensive. Dass es dennoch nicht mit einem Punkt klappte, liegt auch an den Deutschen, die letztlich ihre Klasse ausspielten.  

 

Jakob Faber

Die zweite Hälfte: Arnautovic wird besser

Mit zunehmender Spieldauer baute das kräfteraubende Angriffspressing der Österreicher natürlich ab. Zwischenzeitlich ließ sich Junuzovic deswegen auch ins Mittelfeld zurückfallen, um bei gegnerischem Ballbesitz eine Fünferreihe zu formen. Grundsätzlich blieb das unter Koller einstudierte Defensivkonzept mit hoher Verteidigung, frühem Attackieren und zwei kompakten Linien aber gleich.

In der Offensive prägte Arnautovic das Spiel der Österreicher in den zweiten 45 Minuten immer mehr. Gegen die defensiv schwach arbeitende, linke Seite der Deutschen hatte der 23-Jährige nicht nur beim 1:2 (57.) seinen Spaß. Teamchef Koller setzte auch in der zweiten Hälfte weiterhin auf flaches Direktspiel. "Wir haben die Bälle in die Tiefe gespielt und über die Seiten. Also dort wo wir gefährlich sind und sie ein bisschen die Schwachstellen haben", meinte Junuzovic. Erst mit der Einwechslung von Marc Janko (85.) setzte Koller auf lange Bälle, die am Ende sowieso nichts mehr einbrachten.

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