Die deutschen Presse-Stimmen zur Partie

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Von "Dösi-Kick" bis "Dusel-Zitter-Sieg der allersten Güte" reichen die deutschen Pressestimmen der WM-Quali-Partie Österreich gegen Deutschland. Nachlese:

"Bild": "Jogi, dieser Sieg schmeckt bitter! Rumpel-Fußball und viel Dusel. Jogi, was war das denn? Deutschland zittert sich zu einem dünnen 2:1 in Wien gegen Österreich. Vor der Partie sprach Löw von einem 'Spiel auf Augenhöhe'. Unsere Elf war aber lange nicht auf Ballhöhe. Das von Löw geforderte Pressing praktizierten die Ösis - und Deutschland produzierte die Fehler. Mancher dachte schon an 1986 zurück, als wir das letzte Mal gegen Österreich unterlegen waren. Die Leichtigkeit, die unsere Elf ausgezeichnet hat, ist weg. Die Ösis (nur Nr. 49 der Weltrangliste) schnürten uns ein.

"Abendzeitung": "Tu felix Jogi! Mit viel Dusel und Treffern von Reus und Özil gewinnt das DFB-Team 2:1 in Österreich und entführt recht unverdient drei Punkte. Zu denken geben vor allem die Abwehrfehler. Bedanken darf sich Bundestrainer Joachim Löw bei Marko Arnautovic, der kurz vor Schluss den Ausgleich vergab. Ein Spiel auf Augenhöhe hatte Löw angekündigt - bis zur 44. Minute war das Wunschdenken. Die mit neun Bundesliga-Legionären angetretenen Österreicher (bei  Team Germany liefen acht Bundesliga-Kicker auf) präsentierten sich  bissig, willig, aggressiv, hellwach und mit großer Leidenschaft - alles Attribute, die man auf deutscher Seite zunächst vergeblich suchte. Von wegen Felix Austria. Vielmehr: Glückliches Deutschland."

"Express": "Jogis Jungs siegen trotz Dösi-Kick. Nein, sie rissen nach dem Abpfiff ihre Arme nicht in den Wiener Nachthimmel. Denn die deutschen Spieler wussten: Das war ein Dusel-Zitter-Sieg der allerersten Güte. Okay, Pflicht im Hexenkessel Ernst-Happel-Stadion irgendwie erfüllt. 2:1 gewonnen. Der zweite Sieg im zweiten WM-Qualifikationsspiel. Seit 1934 bleibt Deutschland damit auch im 37. Auswärtsspiel in der WM-Qualifikation ungeschlagen. Aber der Ist-Zustand der Mannschaft ist ernüchternd. Die Abwehr ein Torso, der Angriff ein laues Lüftchen. Fehlpässe en masse. Die Leichtigkeit ist weg. Die Ösis über weite Strecken sogar besser. Was ist los im Löw-Land? Vom Pressing der Löw-Jungs nix zu sehen. Die Österreicher, auf Rang 49 in der Welt, waren es, die das deutsche Team immer  wieder unter Druck setzten. Hätte Marko Arnautovic kurz vor Spielende den Ball reingegrätscht statt zu spät zu kommen, wäre es der hochverdiente Ausgleich der tapferen Österreicher gewesen."

"Berliner Zeitung": "Deutsche Elf siegt mit Glück und Verstand. Es war ein rassiges Fußballspiel, in dem beide Mannschaften an ihre Leistungsgrenzen gingen. Österreich war ungeheuer stark. Die achttägige Trainingsarbeit unter Marcel Koller war gut sichtbar, immer  wieder liefen die österreichischen Spieler die deutsche Defensive so  geschickt und kollektiv an, dass vor allem die Innenverteidiger Mats Hummels und Holger Badstuber unter Zeitdruck gerieten."

"Süddeutsche": "Unter Augenhöhe. Trotz des gewohnten 4-2-3-1- Systems tut sich die deutsche Nationalelf schwer und gewinnt nur mit  großer Mühe 2:1 gegen Österreich. Vor allem in der ersten Hälfte wirkt  die Abwehr bei den Angriffen der Gastgeber bisweilen hilflos. Das zweite Spiel der WM-Qualifikation bringt zwar den zweiten Sieg - wirft aber auch viele Fragen auf. Den Deutschen blieben die drei Punkte - aber so richtig verdient war das alles nicht. Zwei Bremer Profis spielen Deutschland schwindelig: Damit war einiges gesagt über die zweite Halbzeit. Die wohl gruseligste erste Halbzeit der jüngeren Länderspielgeschichte hatte das DFB-Team da bereits hinter sich. Kaum dass die Partie begonnen hatte, war jedenfalls eindrucksvoll zu besichtigen, dass der Bundestrainer nicht ganz richtig gelegen hatte mit seiner Prognose, Marcel Kollers Österreicher würden in ihrem "Spiel des Jahres" einen "Abnutzungskampf auf Augenhöhe" liefern. Einen Abnutzungskampf - wenn man es denn so martialisch nennen will - sah man zwar durchaus. Aber einen, bei dem sich die Deutschen tendenziell unterhalb der Augenhöhe bewegten. Nach dem 3:0 gegen  die Färöer hatten die Deutschen noch - vergleichsweise milde - über die mangelnde Chancenverwertung geklagt. Jetzt wären sie schon froh
gewesen, wenn es wenigstens ein paar Chancen zum Verdaddeln  gegeben hätte."

"FAZ": "Zweites Spiel, zweiter Sieg: Deutschland gewinnt auf dem Weg zur WM 2014 mit 2:1 in Österreich. Bundestrainer Löw nimmt aus Wien aber auch ein paar offene Fragen mit. Das vom Bundestrainer angekündigte Pressing blieb in einer spannenden, von den Österreichern leidenschaftlich geführten Partie nur Stückwerk, wenn man es überhaupt entdecken konnte. Dominanz im deutschen Spiel suchte man vergebens, spielerische Klasse war nur in ganz wenigen Momenten erkennbar. Die Nummer 49 der Weltrangliste rückte der Nummer zwei immer wieder leidenschaftlich, aggressiv und gut organisiert auf den Leib. So früh und konsequent jedenfalls wurde die deutsche Defensive nicht oft von einem Gegner beim Spielaufbau  gestört."

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