Hoffen auf eine "goldene Woche"

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"Deutschland wird uns nicht unterschätzen"

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Andi Ivanschitz ist der routinierteste und erfahrenste Spieler im ÖFB-Kader.

Seit 2003 – mit Ausnahme einer zweieinhalbjährigen Pause unter Teamchef Didi Constantini – ist der Burgenländer Mitglied der österreichischen Nationalmannschaft.

Vor dem Duell in der WM-Qualifikation gegen Deutschland funkeln aber auch beim 28-Jährigen die Augen wie bei einem kleinen Kind.

„Das ist ein ganz besonderes Spiel – nicht nur für mich, sondern für ganz Österreich. Jeder fiebert dem Spiel entgegen.“

Im LAOLA1-Interview spricht der Mittelfeld-Regisseur über den bevorstehenden Showdown, die Chancen der ÖFB-Auswahl und den verpatzten Saisonstart seiner Mainzer.

LAOLA1: Österreich trifft bereits zum fünften Mal innerhalb der letzten viereinhalb Jahren auf Deutschland. Wie hat sich der Stellenwert des österreichischen Fußballs in Deutschland in dieser Zeit verändert?

Andreas Ivanschitz: Der Respekt ist vorhanden. Das merke ich als Österreicher in der deutschen Bundesliga jede Woche. Unser Stellenwert ist gestiegen. Nicht umsonst spielen so viele Österreicher in Deutschland. Sie kommen auch regelmäßig bei Topmannschaften zum Zug. Die Deutschen werden uns mit Sicherheit nicht unterschätzen. Die Wertschätzung ist eine ganz andere als noch vor ein paar Jahren. Das ist angenehm und positiv.

LAOLA1: Dein letztes Aufeinandertreffen mit der DFB-Auswahl war bei der EURO 2008. Zuletzt warst du zweimal nicht dabei. Ist bei dir persönlich daher die Vorfreude noch größer?

Ivanschitz: Auf jeden Fall. Das ist ein ganz besonderes Spiel – nicht nur für mich, sondern für ganz Österreich. Jeder fiebert dem Duell entgegen. Dank des 2:0 gegen die Türkei herrscht eine gute Stimmung  - bei uns im Team und im ganzen Land. Es ist wieder eine kleine Euphorie zu spüren. Das wird uns helfen. Vielleicht gelingt uns eine Sensation.

LAOLA1: Träumen ist bekanntlich erlaubt. Wie groß ist der Gedanke an eine Sensation?

Ivanschitz: Für mich steht eine interessante Woche bevor. Am Dienstag geht es gegen die DFB-Auswahl, am Wochenende spielen wir mit Mainz gegen die Bayern. Ich hoffe, dass es eine goldene Woche mit zwei Topspielen wird. Diese Begegnungen sind absolute Highlights in einer Karriere. Ich möchte die Spiele mit einem guten Gefühl beenden.

LAOLA1: Glaubt ihr im Team an eine Überraschung?

Ivanschitz: Ich sehe keinen Anlass, warum wir nicht mit einer positiven Einstellung ins Spiel gehen sollen. Die Stimmung ist gut und wir haben die Fähigkeiten, die Deutschen zu ärgern. Natürlich sind wir Außenseiter, aber es hat genug Partien gegeben, wo der Außenseiter den Großen geschlagen hat. Daran glauben wir fest und werden alles dafür investieren.

LAOLA1: Deutschland kommt – wenn man das sagen darf – ersatzgeschwächt. Gomez und Schweinsteiger fallen aus. Wie beurteilst du ihr Fehlen?

Ivanschitz: Die Aufgabe wird nicht leichter. Statt Gomez spielt Klose. Er ist noch agiler, arbeitet mehr und bewegt sich sehr gut. Miro spielt viel mehr für die Mannschaft. Wenn bei einer Nation wie Deutschland jemand ausfällt, wird er eins zu eins ersetzt. Sie haben einen sehr breiten Kader, wo jeder den Anspruch stellt, zu spielen.

LAOLA1: Gegen Deutschland geht man als Außenseiter ins Spiel, dafür danach gegen Kasachstan als Favorit. Welche Begegnung wird schwieriger?

Ivanschitz: Es ist eigentlich immer leichter, wenn man den Druck dem Gegner zuschieben kann. Als Außenseiter spielt es sich doch etwas lockerer, denn daheim gegen Kasachstan ist ganz klar, dass wir gewinnen müssen. Wir versuchen in jeder Partie das Optimum herauszuholen. Und man muss sagen, dass Österreich sehr viele Spiele als Außenseiter bestreitet. Daher kennen wir diese Situation. Von der Vorbereitung und Einstellung her wird sich bei uns nicht viel ändern – egal wie der Gegner heißt und wie die Rollen verteilt sind.

LAOLA1: Die Testphase ist beendet. Mit dem Start der WM-Quali wird es erstmals unter Teamchef Marcel Koller so richtig ernst. Wirkt sich das auch auf die Vorbereitung aus?

Ivanschitz: Es ist jetzt eine sehr lange Vorbereitung, auch weil wir am Freitag keine Begegnung haben und erst am Dienstag spielen. Wir haben viel Zeit, um Dinge auszuprobieren, uns in Stimmung zu bringen. Der Teamchef wird uns perfekt einstellen und uns mit auf dem Weg geben, wie wir die Deutschen ärgern können.

LAOLA1: Kommen wir zu Mainz. Der Saisonstart hätte besser verlaufen können, oder?

Ivanschitz:  Wir sind nicht zufrieden. Unser Minimalziel waren vier Punkte. Es wurde aber nur ein Zähler aus zwei Spielen. Das ist bitter, denn als nächstes wartet auf uns das Auswärtsspiel bei Bayern München. Wir werden aber klaren Kopf bewahren. Die Saison ist noch lang. Wir werden uns nicht verunsichern lassen, sondern fokussieren uns auf das nächste Spiel.

LAOLA1: Du bist in beiden Saisonspielen zum Einsatz gekommen, hast zum Auftakt gegen Freiburg auch vom Elferpunkt getroffen. Spielst du heuer in den Plänen von Trainer Thomas Tuchel eine tragende Rolle?

Ivanschitz: Ich habe auch letzte Saison viele Spiele absolviert. Dass man manchmal nicht zum Einsatz kommt ist auch normal, wird auch heuer passieren. Es ist schön zum Stamm zu gehören und ich hoffe, dass noch viele Partien dazukommen. Die Philosophie des Trainers ist aber, viel zu rotieren. Er will vielen Spielern eine Chance geben. Das heißt für mich, dass ich dran bleiben muss. Wenn man in der Startelf steht, muss man Akzente setzen und zeigen, dass man drin bleiben will.

LAOLA1: Läuft in Mainz eigentlich bezüglich des Duells mit Deutschland der Schmäh, oder irgendeine Wette.

Ivanschitz: Eher weniger, weil wir keinen deutschen Nationalspieler haben. Daher war es eigentlich sehr ruhig, es gab auch keine Späßchen in der Kabine.

Das Gespräch führte Martin Wechtl

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