"Keine Kampfansagen"

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"Damals waren mehr Eintagsfliegen dabei"

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„Wir sind nur sechs Punkte vom Tabellenführer entfernt, man kann es also auch positiv sehen...“

Seinen Humor hat Martin Harnik trotz der beiden Niederlagen mit Stuttgart zum Saisonstart beziehungsweise des „Pferdekusses“, der bislang seine Teilnahme am ÖFB-Training im Hinblick auf den Schlager gegen Deutschland verhinderte, nicht verloren.

Ab Donnerstag will der 25-Jährige jedoch wieder voll in die Vorbereitung auf sein bereits fünftes Kräftemessen mit seinem Geburtsland einsteigen.

Die bisherigen vier Duelle gingen allesamt verloren. Kaschierte man zum Beispiel 2008 noch einige Defizite mit forsch-frechem Auftreten, man erinnere sich an Harniks Kampfansage unmittelbar vor dem Aufeinandertreffen bei der EURO, sind Qualität und Konstanz im ÖFB-Team inzwischen gestiegen. Dies sieht auch der gebürtige Hamburger so:

MARTIN HARNIK…

…ÜBER DIE WEITERENTWICKLUNG IN DEN VERGANGENEN VIER JAHREN:

Wir sind individuell unglaublich gewachsen und haben uns sehr, sehr gut weiterentwickelt. Das müssen wir jetzt auch auf dem Platz umsetzen. Da gilt es dann auch, das Resultat zu liefern. Ich glaube nicht, dass wir die Punkte in der WM-Qualifikation unbedingt gegen Deutschland holen müssen, sondern eher gegen die anderen Mannschaften, aber natürlich wollen wir so viel wie möglich bei diesem Spiel mitnehmen.

…DIE GEWONNENE KONSTANZ SEIT 2008:

Es war auf jeden Fall noch nicht die Qualität, die wir jetzt haben. Damals waren mehr Eintagsfliegen dabei. Ich glaube schon, dass wir uns von Jahr zu Jahr weiterentwickelt haben. Aber auch bei uns im Nationalteam ist das Wichtigste die Konstanz. Wir haben dieses Jahr recht gute Resultate abgeliefert. Das letzte Spiel gegen die Türken war sehr clever, sicher nicht ansehnlich, auch nicht unbedingt mit Highlights gespickt. Aber wir haben früh mit 2:0 geführt und haben es dann super verwaltet. So muss man Spiele gewinnen. Deswegen denke ich, dass wir da schon einige Schritte weiter sind.

…ÜBER DEN FAKT, DASS ÖSTERREICH 2012 NOCH KEIN LÄNDERSPIEL VERLOREN HAT:

Das sind die Früchte unserer Arbeit. Wir haben jetzt mit Marcel Koller einen Trainer, der unsere individuellen Stärken gut zusammenführt. So etwas muss sich auch in Resultaten zeigen. Ich glaube, dass wir da schon seit langem auf einem guten Weg sind, jetzt aber auch die Resultate dazukommen.

…DIE BALANCE ZWISCHEN REALISMUS UND SELBSTBEWUSSTSEIN IM HINBLICK AUF DAS DEUTSCHLAND-SPIEL:

Wir sind uns unserer Rolle bewusst. Nichtsdestotrotz beginnt das Spiel bei 0:0. Wir wissen auch, dass wir gerade gegen so große Gegner bisher relativ gut ausgesehen haben – ausgenommen das 2:6 in Deutschland. Wir werden uns nicht kleiner reden, als wir sind, aber wir werden auch keine großen Kampfansagen raushauen.

…DARÜBER, WO DIE DEUTSCHEN AM EHESTEN VERWUNDBAR SIND:

Ich glaube, dass wir sie sehr gut stören und attackieren müssen, wir müssen auf Ballverluste hoffen. Sie werden das Spiel machen. Wenn wir im Ballbesitz sind, müssen wir das so gut es geht nützen. Es ist schwierig, über deutsche Schwächen zu sprechen, da gibt es nicht viele. Es entscheiden einfach kleine Situationen oder kleine Fehler, die müssen wir so gut es geht ausnützen.

…DIE KRITIK AM DEUTSCHEN TEAM IM EIGENEN LAND:

Es ist eben so, dass die Deutschen zurzeit mit sich selbst beschäftigt sind. Medial haben sie das Spiel im Hinterkopf, aber zurzeit konzentrieren sie sich mehr auf sich selbst und ihr eigenes Team, aber ich glaube nicht, dass sie es auf die leichte Schulter nehmen. Man darf sie nicht schlechter reden, als sie sind – das wäre der falsche Ansatz. Wir wissen ganz genau, welch bärenstarke Mannschaft auf uns zukommt.

…DARÜBER, WAS AN IHM TYPISCH DEUTSCH UND WAS TYPISCH ÖSTERREICHISCH IST:

Ich glaube, dass ich so ein bisschen die deutsche Disziplin habe, deutsche Wertarbeit in mir trage. Das Österreichische ist die nötige Lockerheit und dann auch im richtigen Moment mal das Verbissene wegzulassen. Ich hoffe natürlich, dass ich von beiden Seiten nur das Positive mitgenommen habe.

…ÜBER DAS 1:6-DEBAKEL BEI DEN BAYERN:

In München kann man verlieren, das ist keine Schande, aber die Art und Weise, wie wir verloren haben, war eine Schande. Das gilt es abzuhaken. Ich hoffe, dass ich mit einem Erfolgserlebnis zurück nach Stuttgart komme.

…DARÜBER, OB ES MÖGLICH IST, SEINE 17 TORE UND ACHT ASSISTS FÜR STUTTGART IN DER VORSAISON NOCH ZU TOPPEN:

Rein von den Zahlen her liegt die Messlatte schon sehr hoch, aber ich habe sehr inkonstante Leistungen gezeigt und versuche da anzusetzen, dass ich die Spiele noch besser gestalten und über die ganze Saison hinweg gute Leistungen zeige und nicht immer nur ein Auf und Ab erlebe.

…SEINE SELBSTEINSCHÄTZUNG ALS SPIELER:

Ziemlich geradlinig. Ich glaube, dass ich ganz genau weiß, wo meine Stärken und Schwächen liegen. Deswegen konzentriere ich mich darauf, so einfach wie möglich zu spielen und einfach meine läuferischen Qualitäten einzubringen. Ich werde nie der große Zauberer oder Techniker auf dem Platz sein.

…SEINE SELBSTEINSCHÄTZUNG ALS PRIVATMENSCH:

Ich bin ein richtiger Dorfjunge. Ich bin am Dorf aufgewachsen, fühle mich da auch am wohlsten. Das große City-Leben gibt mir nicht so viel. Ich bin lieber mit den Hunden in den Wäldern unterwegs.

Aufgezeichnet von Peter Altmann

…DARÜBER, OB ER GLAUBT, AM RECHTEN FLÜGEL ODER ALS MITTELSTÜRMER EINGESETZT ZU WERDEN:

Es liegt nicht in meinem Aufgabenbereich, mir die Aufstellung zu wünschen. Ich habe gegen die Türken erstmals als Mittelstürmer gespielt. Das gelang mir ganz gut, hat mir auch gefallen, aber grundsätzlich glaube ich schon, dass der Trainer mit mir rechts außen plant.

…DARÜBER, OB DIESES DUELL FÜR IHN NOCH BESONDERER IST ALS FÜR SEINE MITSPIELER:

Das würde ich gar nicht sagen. Ich glaube, es ist für jeden ein emotional besonderes Spiel. Klar bin ich zur Hälfte Deutscher, bin dort aufgewachsen und lebe dort. Aber wir haben viele Legionäre, die dort spielen. Es gibt keine größere Rivalität, zumindest aus unserer Sicht. Ich denke, es gibt keinen Spieler, den das nicht kitzelt.

…DARÜBER, WIE ES WÄRE, MIT EINER NIEDERLAGE IM GEPÄCH ZURÜCK NACH STUTTGART ZU MÜSSEN:

Ich glaube, es gibt schlimmere Niederlagen, als wenn man gegen Deutschland verliert. Das wäre keine Schande. Aber ich möchte mich nicht vor dem Spiel mit Niederlagen beschäftigen, das ist nicht angebracht. Das Spiel beginnt bei 0:0, und wir wollen auf jeden Fall versuchen, die kleine Chance, die wir haben, zu nutzen.

…ÜBER DEN GESTIEGENEN DEUTSCHEN RESPEKT VOR ÖSTERREICH:

Der Respekt hat auf jeden Fall zugenommen, auch aufgrund der Leistungen der einzelnen Legionäre in Deutschland. Österreicher haben einen guten Stellenwert in Deutschland, dementsprechend sind auch die Nationalteamspieler bekannter und folglich der Respekt größer. Das eine baut auf dem anderen auf.

…ÜBER DEN VORTEIL, DASS DIE DEUTSCHLAND-LEGIONÄRE DIE GEGENSPIELER BESTENS KENNEN:

Ich persönlich spiele zum Beispiel international immer sehr gerne gegen Spieler, die ich nicht kenne, weil ich dann nicht voreingenommen bin. Grundsätzlich glaube ich, dass der Teamchef die Spieler aufstellen wird, die er gegen Deutschland am Effektivsten sieht. Das hat weniger damit zu tun, ob man die Gegenspieler kennt oder nicht. Ich glaube, wer die deutsche Nationalmannschaft im Einzelnen nicht kennt, hat mit Fußball nicht viel am Hut.

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