"Man muss Österreich ein Kompliment machen"

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Und am Ende gewinnen wieder mal die Deutschen!

Was hilft es dem österreichischen Nationalteam, dass der gegnerische Trainer und die Spieler nicht mit Lob geizen, wenn trotzdem die Null am Punktekonto steht?

Sehr viel, denn es ist für Marko Arnautovic und Co. der Beweis, dass sie trotz der unglücklichen 1:2-Niederlage etwas richtig gemacht haben. Sehr viel sogar.

Einzig und allein die Chancenverwertung ließ zu wünschen übrig. „Es war vielleicht auch der Unterschied, dass wir ein Stück cleverer als Österreich waren“, analysierte DFB-Bundestrainer Joachim Löw.

Presse zerreißt „Dusel“-Deutsche

In der deutschen Presse kamen Jogis Schützlinge nicht gut weg. „Dusel“ war das wohl häufigst verwendete Wort in Verbindung mit dem Krampf-Sieg in Wien.

„Jogi, dieser Sieg schmeckt bitter! Rumpel-Fußball und viel Dusel. Jogi, was war das denn?“, fragte etwa die „Bild“. Die „Süddeutsche“ sah die heimischen Kicker sogar „unter Augenhöhe“ mit der Koller-Truppe. Der „Express“ ging mit der DFB-Elf noch härter ins Gericht: „Das war ein Dusel-Zitter-Sieg der allerersten Güte.“

Einzig und allein mit sechs Punkten aus den ersten zwei WM-Quali-Spielen konnten Philipp Lahm und Co. zufrieden sein. Die Art und Weise sorgte hingegen für Kopfzerbrechen. „Wir haben einen höheren Anspruch“, gab der Kapitän zu.

Vor allem das druckvolle Pressing des ÖFB-Teams bereitete den Deutschen Probleme - was sie auch offen zugaben.

„Da herauszufinden ist nicht einfach“

„Wir sind nicht davon ausgegangen, dass sie so früh Pressing spielen. So wie wir agiert haben, haben wir in den ersten 25 Minuten keine Lösung gegen das Pressing gefunden. Normalerweise ist es eine Stärke von uns, gut hinten herauszuspielen. Aber das haben wir heute nicht geschafft“, gab Lahm zu.

Trotzdem sei man vom frühen Attackieren der Hausherren nicht überrascht gewesen. Denn wie Löw feststellte, habe die ÖFB-Elf dies auch schon in den letzten Spielen gegen Finnland, Ukraine und die Türkei umgesetzt.

„Wir haben heute aber auch nicht so gut herausgespielt, wie wir das in früheren Spielen schon gemacht haben. Dadurch waren wir ein wenig verunsichert und haben ab und zu weite Bälle nach vorne schlagen müssen, was natürlich nicht unserem Spiel entspricht.“

Auch Bayern-Verteidiger Holger Badstuber zollte der Laufleistung der Österreicher Respekt. „Sie haben sehr gutes Pressing durchgeführt. Da herauszufinden ist manchmal nicht einfach. Aber da müssen wir Wege finden.“

Deutsche benötigten gegen Österreich Glück

Schlussendlich passte beim Nachbarland so einiges nicht zusammen. Zu viele Ballverluste und Fehlpässe erschwerten einen kontrollierten Spielaufbau.

„Österreich hat das gut gemacht, aber bei uns hat natürlich auch die Raumaufteilung nicht gestimmt. Dann gerät man unter Druck. Alle Torchancen haben daraus resultiert, dass wir nicht gut hinten rausgespielt, Fehler gemacht und einfache Ballverluste gemacht haben. Dass da Österreich ihre Stärken hat, steht außer Frage“, meinte Lahm.

Sein Teamkollege beim FC Bayern, Thomas Müller, gab auch zu, in der einen oder anderen Phase Glück gehabt zu haben.

„Dass Österreich eine harte Nuss ist, wussten wir. Vom Kämpferischen haben wir aber ganz gut dagegengehalten, bei einer Situation kurz vor Schluss hatten wir natürlich Glück. Das kann man nicht anders sagen“, bezog sich Müller auf die Arnautovic-Chance.

„Haben sich deutlich gesteigert“

Alles in allem imponierte den deutschen Gästen die Leistung der Österreicher, auch wenn schlussendlich die Abgebrühtheit den Ausschlag zugunsten der Nummer zwei der Welt gab.

„Es ist immer das Beste, wenn man drei Punkte holt. Ob man 6:1 oder 2:1 gewinnt, das ist am Ende des Tages nicht wichtig. Ich erinnere an eine englische Mannschaft, die – habe ich gelesen – Europas Mannschaft des Jahres ist, und auch immer nur knapp gewonnen hat. Im Endeffekt zählt immer nur, was am Ende steht. Man muss Österreich aber ein Kompliment machen“, so Müller weiter.

Auch Badstuber sah eine ÖFB-Elf, die sich unter Teamchef Marcel Koller in eine andere Richtung zu entwickeln scheint.

„Österreich ist über 90 Minuten ein sehr hohes Tempo gegangen. Sie haben sich meiner Meinung nach gegenüber dem letzten Spiel hier deutlich gesteigert. Sie sind nach vorne hin gute Wege gegangen und haben ein gutes Spiel abgeliefert.“

„Hier werden sich noch einige schwer tun“

Badstuber war froh, in Wien noch einmal den Kopf aus der Schlinge gezogen zu haben. Sonst wäre die Unruhe im Umfeld noch größer geworden.

„Hätten wir heute Punkte liegen gelassen, wäre das schon ein derartiges Debakel gewesen. Dann wäre alles auf uns eingestürzt, aber wir müssen ruhig bleiben.“

Dortmunds Meister-Verteidiger Marcel Schmelzer glaubt, dass Deutschland nicht die letzte Mannschaft sein wird, die gegen Österreich Probleme bekommt.

„Wir haben drei Punkte in Österreich geholt. Das wird hier nicht mehr vielen Mannschaften gelingen, hier werden sich noch einige schwer tun. Österreich hat eine sehr gute Mannschaft mit vielen Spielern mit sehr hoher Qualität.“

Nur gegen Deutschland reicht es vorerst noch nicht zur großen Sensation.


Alexander Karper/Bernhard Kastler/Martin Wechtl/Peter Altmann

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