"Wäre ein Fehler, den Kopf in den Sand zu stecken"

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Robert Almer steht in der Pole-Position für die Rolle des Einser-Goalies gegen Deutschland.

In seinen drei Länderspielen unter Teamchef Marcel Koller präsentierte sich der Steirer fehlerlos und hat sich somit das Vertrauen des Schweizers erarbeitet.

Die Krux an der Causa: Der 28-Jährige wurde bei seinem Arbeitgeber Fortuna Düsseldorf zur Nummer zwei degradiert, das Tor beim Aufsteiger hütet Neuzugang Fabian Giefer. Dieser Umstand sorgt zwangsläufig für Fragezeichen im Hinblick auf das Nationalteam.

Im LAOLA1-Interview nimmt Almer zu dieser Problematik und zum Tag X gegen die DFB-Elf Stellung.

LAOLA1: Vieles deutet darauf hin, dass du am Dienstag im Tor stehen wirst. Was macht dich zuversichtlich?

Robert Almer: Ich hoffe natürlich, dass ich im Tor stehe, nachdem ich gegen die Türkei meiner Meinung nach eine ganz gute Partie gespielt habe. Letztendlich entscheidet der Teamchef. Am Dienstag werden wir sehen, wie es aussieht.

LAOLA1: Teamchef Koller hat immer wieder darauf hingewiesen, dass er dir schon bei seinem Debüt in der Ukraine das Vertrauen geschenkt hat, obwohl du auch damals keine Spielpraxis hattest. Wie wichtig ist das Vertrauen eines Trainers für einen Torhüter?

Almer: Es ist auf alle Fälle etwas Schönes und auch für das Selbstvertrauen sehr wichtig, wenn man weiß, dass der Trainer hinter einem steht. Das kann die Leistung eigentlich nur verbessern.

LAOLA1: Redet Koller viel mit dir?

Almer: Er kommuniziert allgemein sehr viel mit den Spielern, was ich für sehr wichtig halte. Er hat einen sehr guten Draht zu den Spielern. Ich glaube, das ist auch mitausschlaggebend für den Lauf, den wir gerade haben.

LAOLA1: Inwiefern ist Spielpraxis für einen Torhüter eigentlich das Nonplusultra?

Almer: Ich glaube, dass es als Tormann sicher nicht so schwierig ist, mit wenig Spielpraxis ein gutes Spiel abzuliefern, wie als Feldspieler. Wenn du als Feldspieler verletzt bist und nach ein paar Kurzeinsätzen wieder 90 Minuten spielen musst, geht dir irgendwann die Kraft aus. Als Torhüter ist die einzige Schwierigkeit, finde ich zumindest, dass du über 90 Minuten die Konzentration aufrecht haltest. Das kann man aber sehr gut mit einem Mentaltrainer trainieren.

LAOLA1: Was würde es dir als jemand, der in Deutschland lebt, bedeuten, gegen Deutschland zu spielen?

Almer (schmunzelt): Auf alle Fälle müsste ich mir dann keine Scherze meiner Mitspieler anhören, das ist der wichtigste Aspekt. Nein, im ernst: Im Endeffekt ist diese Rivalität schon sehr lange gegeben, und es ist natürlich immer etwas Besonderes, wenn man da auflaufen kann.

LAOLA1: Wie sehr lief in der Düsseldorf-Kabine im Vorfeld dieses Duells der Schmäh?

Almer: Das beruht ja auf Gegenseitigkeit. Wenn wir gewinnen oder einen Punkt holen sollten, werde ich natürlich ein paar Scherze loslassen. Wenn wir verlieren, kommen natürlich von den anderen immer wieder Scherze. Aber das passiert ja im normalen Meisterschaftsbetrieb auch, das sind wir mittlerweile schon gewohnt.

LAOLA1:Düsseldorf hat im Sommer mit Fabian Giefer einen Tormann geholt. Du warst in den ersten beiden Meisterschaftsspielen nur Ersatz. Wie gehst du damit um?

Almer: Die ganze Situation war schon etwas überraschend – vor allem nach der Leistung gegen die Türkei. Aber so ist der Fußball. Das Geschäft ist kein Wunschkonzert. Der Verein hat eben andere Interessen. Die sportliche Leistung war eigentlich nicht ausschlaggebend. Da man als Sportler ehrgeizig ist, ist es natürlich bitter, aber das muss man akzeptieren und weiter hart trainieren, bis sich die Chance wieder ergibt. Mal schauen, wie sich die ganze Geschichte weiterentwickelt. Es sind erst zwei Runden gespielt, es stehen also noch 32 Spieltage am Programm. In einer Saison kann sehr viel passieren.

LAOLA1: Gehst du mit der Situation anders um, weil es für dich aufgrund deiner Zeit bei der Austria nicht das erste Mal ist, dass dir die Ersatzbank blüht?

Almer: Ich habe in der Hinsicht schon Routine – das stimmt. Daher nehme ich mir das Ganze nicht mehr so zu Herzen.

LAOLA1: Wie viel Vereinspolitik hat bei der Entscheidung mitgespielt? Giefer gehört der jungen, deutschen Torhüter-Generation an…

Almer: Man weiß natürlich, dass in Deutschland mittlerweile sehr auf die junge deutsche Welle gebaut wird. Aber ich will das gar nicht genau wissen. Fakt ist für mich sowieso nur, dass ich nicht spiele. Ich werde versuchen, das wieder zu ändern.

LAOLA1: Hast du unter Trainer Norbert Meier eine Perspektive?

Almer: Das kann ich nicht beurteilen. Es bleibt mir eigentlich eh nichts anderes übrig. Es wäre ein Fehler, den Kopf in den Sand zu stecken. Weiter Gas geben, dann wird man sehen, was sich in den nächsten Wochen tut.

LAOLA1: Spielt in Düsseldorf der Ersatztormann wenigstens im Pokal?

Almer: Nein. Der Einser-Goalie spielt alle Partien. Trainer Meier ist kein großer Freund der Rotation. Auch bei den Feldspielern gibt es kaum Veränderungen.

LAOLA1: Herrscht in Düsseldorf nach dem Aufstieg in die Bundesliga noch immer eine große Euphorie?

Almer: Selbstverständlich. Bei uns Spielern und bei den Fans ist die Euphorie ungebrochen. Gegen Gladbach waren nur 30.000 Zuschauer im Stadion zugelassen, die Atmosphäre hat sich aber angefühlt wie bei 50.000 oder 60.000. Es ist etwas ganz Besonderes. Ich freue mich schon auf das erste Heimspiel, wenn das Stadion ganz voll ist.

LAOLA1: Zurück zum Deutschland-Spiel: Spürt man, dass nach den vielen Tests endlich ein Bewerbspiel am Programm steht?

Almer: Natürlich. Jedem ist bewusst, dass es jetzt richtig ernst wird. Es ist nichts anderes als in der Meisterschaft. Zunächst gibt es zahlreiche Vorbereitungsspiele und dann ist Tag X da. Dann geht es zur Sache. Wir sind alle gut vorbereitet und könnten jederzeit loslegen.

LAOLA1: Kann man bereits ein kleines Resümee ziehen und sagen, was unter Marcel Koller anders ist?

Almer: Das sieht man in den Spielen. Wir spielen von Beginn an Pressing nach vorne. Das hat gegen die Türkei super funktioniert, aber auch schon im Februar gegen Finnland. Es ist wichtig, die Gegner früh unter Druck zu setzen beziehungsweise es zu probieren. Ein Vorteil davon ist, dass es uns den Weg zum gegnerischen Tor verkürzt.

LAOLA1: Ändert sich aufgrund Kollers Spielausrichtung für dich etwas?

Almer: Nein, es ist eigentlich gang und gebe. Natürlich gibt es dort und da ein paar Feinabstimmungen, aber im Großen und Ganzen ist das kein Problem. Mittelweile ist es im modernen Fußball gefordert, dass du als Tormann gut mitspielst. Du musst das Spiel lesen, musst gewisse Steilpässe früh erkennen und rechtzeitig reagieren. Ich glaube, dass funktioniert auch gut. Das haben zumindest die letzten Spiele gezeigt.

LAOLA1: Beim DFB fällt Mario Gomez aus. An seiner Stelle spielt Miroslav Klose. Musst du dich auf den jeweiligen Stürmertyp einstellen? Klose ist bekanntlich enorm stark in Luftduellen.

Almer: Wir haben auch große Spieler im Kader. Ich bin solche Duelle dank Marc Janko gewöhnt. Mich extra auf einen Spieler einzustellen, tue ich nicht. Beim Aufwärmen werden sowieso Flanken und Steilpässe geübt.

LAOLA1: Österreich wartet schon sehr lange auf einen Sieg gegen Deutschland. Hat diese Generation Chancen, die Deutschen zu ärgern?

Almer: Die Qualität, sie zu ärgern, haben wir auf jeden Fall.  Wie das Match ausgeht, werden wir am Dienstag sehen.

Das Gespräch führten Martin Wechtl und Peter Altmann

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