Taktik-Analyse: Im Angriffsdrittel mit Problemen

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Es war kein Augenschmaus, den das ÖFB-Team beim 3:1-Erfolg gegen Finnland bot.

Viele Fehlpässe und wenig Tempo prägten die Partie. Dennoch fiel der Sieg letztendlich souverän aus.

„Gegen die Ukraine waren wir spielerisch sicher besser. Aber du musst die Spiele auch gewinnen, wenn sie nicht so gut laufen. Das ist wichtig für das Selbstvertrauen“, meinte Teamchef Marcel Koller nach dem Spiel.

Aufstellung dem Ukraine-Spiel angelehnt

Der Schweizer orientierte sich mit seiner Startelf an jener aus dem Ukraine-Spiel. Einzig Verletzungen bzw. das Comeback von György Garics zwangen ihn zu Umstellungen.

Auch an der grundlegenden Spielausrichtung veränderte Koller gegenüber seinem Debüt so gut wie gar nichts: In der Offensive agierte das ÖFB-Team in einem 4-2-3-1, defensiv in einem 4-4-2. Die Verteidigung stand hoch. David Alaba, der links positionierte zentrale Mittelfeldspieler, war zentraler Spielgestalter. Wie schon gegen die Ukraine gingen deswegen vor allem zu Beginn des Spiel fast alle Angriffe über links. Aber dazu später mehr.

Die Startaufstellungen: Österreich mit dem bereits aus der Ukraine bekannten 4-2-3-1-/4-4-2-System und Finnland im Tannenbaum 4-3-2-1. 


Ein Tannenbaum für die Finnen

Finnlands Teamchef Mixu Paatelainen schickte seine Mannschaft in einem klaren 4-3-2-1 auf das Feld. Der große Vorteil dieses als Tannenbaum bezeichneten Systems: Die drei Mittelfeldspieler vor der Abwehr machen das Zentrum vor der Abwehr zu. Berühmtestes Beispiel für die erfolgreiche Umsetzung dieser Formation ist der AC Milan unter Carlo Ancelotti. Mit dem Tannenbaum holten die Mailänder zwei Champions-League-Titeln (2003, 2007).

Wie die Finnen aus diesem System nach vorne spielten, erklärt ÖFB-Rückkehrer Garics: „Sie haben das Spielfeld breit gemacht und versucht jeden Ball hinten schön herauszuspielen.“ Tatsächlich rückten vor allem die finnischen Außenverteidiger konsequent an den Flanken vor. Um dies zu ermöglichen, ließ sich der defensive Mittelfeldspieler Tim Sparv immer wieder zwischen die beiden Innenverteidiger fallen.

Letztlich fehlte den Nordeuropäern jedoch die Passgenauigkeit und Durchschlagskraft, um dem ÖFB-Team spielerisch etwas entgegen zusetzen. Die beiden offensiven Mittelfeldspieler Kasper Hämäläinen und Alexander Ring wirkten auch aufgrund der fehlenden Unterstützung von Kazan-Star Roman Eremenko und Chievo-Legionär Perparim Hetemaj relativ hilflos.

Einzig Schalke-Stürmer Teemu Pukki stellte die ÖFB-Abwehr mit seiner Schnelligkeit vor die ein oder andere Herausforderung. Diese jedoch wussten Aleksandar Dragovic und Franz Schiemer zumeist souverän zu meistern.

Die österreichischen Probleme in Halbzeit eins

In der ersten Hälfte neutralisierten sich beide Mannschaften. Österreich hatte zwar mehr Ballbesitz, wusste jedoch nichts mit dem Leder anzufangen. Dafür gab es mehrere Gründe:

  • Arnautovic kommt nicht zur Geltung

Marko Arnautovic absolvierte vermutlich eines seiner schlechtesten Länderspiele. Die Zuschauer quittierten dies mit Pfiffen. Doch zur Verteidigung des Bremen-Legionärs muss gesagt werden, dass es ihm das finnische System nicht leicht machte. In seiner Hybridrolle zwischen offensivem Spielgestalter und hängender Spitze bekam es Arnautovic immer zumindest mit drei Gegenspielern zu tun.

Der finnische Tannenbaum verengte den Raum vor der Abwehr so sehr, dass der Wiener kaum Platz hatte. Natürlich hätte Arnautovic mit mehr Bewegung dem Spiel womöglich mehr Impulse liefern können. Doch „man hat Tage, da geht es halt nicht“, wie Arnautovic seine Leistung auf den Punkt brachte.

Folgende Grafik zeigt den Problembereich von Arnautovic, der von den Finnen belagert wurde und jene Räume an den Flanken, in die die Österreicher zu wenig vorstießen.

  • Keine Pässe in die Tiefe

„Wir haben gewusst, dass die Finnen sehr hoch stehen werden. Deswegen habe ich den Spielern im taktischen Bereich versucht zu vermitteln, dass wir in die Tiefe spielen müssen. Aber das haben wir zu wenig gemacht“, kritisierte Koller nach dem Spiel. Wie der Schweizer richtig erkannte, ist eine hoch stehende Abwehr besonders anfällig auf Steilpässe. Doch vor allem in der ersten Hälfte suchten die Offensivspieler so gut wie nie den Lauf in die Tiefe.

Marc Janko ist dafür vielleicht auch nicht der geeignete Stürmertyp – Als großgewachsener Stürmer ist vor allem der Strafraum sein Metier. Die Einwechslung des schnellen Erwin „Jimmy“ Hoffer gab dem Spiel die richtige Richtung vor. Denn in der zweiten Hälfte funktionierten die Steilpässe in die Tiefe wesentlich besser, wie Martin Harniks Tor nach Baumgartlinger-Zuspiel beweist.

  • Problemzonen: Pressing und Konterspiel

Sowohl das schnelle Umschalten von Defensive auf Offensive, als auch das Angriffspressing funktionierten schon einmal besser beim ÖFB-Team. Vor allem mit letzterem konnten Baumgartlinger und Co. beim Koller-Debüt beeindrucken. Dieses Mal jedoch hatten die Finnen zu viel Zeit am Ball.

Der Teamchef hat für beide Unzulänglichkeiten jedoch eine simple Erklärung parat: „Wir hatten gegen die Ukraine mehr Trainingseinheiten, in denen wir das Pressing und Verschieben intensiv geübt haben. Das war diesmal nicht möglich, wie man gemerkt hat. Auch das Konterspiel kann man in drei Tagen schlecht trainieren.“

  • Flankenspiel?

Die stabile zentrale Achse des ÖFB-Teams in der zweiten Hälfte: Baumgartlinger, Alaba, Junuzovic. Allerdings bieten die Finnen im Mittelfeld nun auch mehr Räume an.

  • Stabile zentrale Achse

Viel Schwung brachte die Einwechslung von Zlatko Junuzovic. Der Bremen-Profi schloss nahtlos an seine Auftritte im Werder-Dress an. Er bewegte sich viel, forderte die Bälle und kombinierte. Davon profitierten auch seine Mitspieler im zentralen Mittelfeld. Alaba und Baumgartlinger bildeten mit dem eingewechselten Ex-Austrianer ein Dreieck, das zum Motor des österreichischen Spiels wurde.

Fazit: Probleme im Angriffsdrittel

Beide Teamchefs bemängelten nach dem Spiel die hohe Fehlpassquote. Angesichts der geringen Vorbereitungszeit dürfte auch der subotpimale Termin seiniges dazu beigetragen haben. Der Test darf insofern nicht überbewertet werden. Dennoch lieferte uns der 3:1-Erfolg gegen Finnland einige wichtige Erkenntnisse.

Das ÖFB-Team ist mittlerweile in der Lage, gegen einen Gegner wie Finnland (Nr. 79 der Welt) das Spiel zu machen und den Ball zu halten. Das streicht auch Rückkehrer Garics gegenüber seiner letzten Partie mit dem Nationalteam positiv hervor: „Es sind viele Junge mit Qualität dabei. Das merkt man am Platz. Wir sind ruhiger am Ball und versuchen, Fußball zu spielen.“ Damit dürfen sich wohl vor allem Dragovic, Alaba und Baumgartlinger angesprochen fühlen.

Andererseits jedoch funktionierte das Spiel im letzten Angriffsdrittel nur stückweise. Wie schon gegen die Ukraine fehlten großteils die Pässe in die Tiefe, sowie ein durchdachtes Flügelspiel. Für Marcel Koller wartet also bis zum Start der WM-Quali noch genügend Arbeit. Auch wenn das nächste Länderspiel erst in vier Monaten ansteht.

 

Jakob Faber/Harald Prantl/Peter Altmann

 

Vor allem in der ersten Hälfte gelang es den Österreichern kaum einmal, über die Flanken gefährlich nach vorne zu kommen. Dabei wäre dies angesichts des überladenden Zentrums umso wichtiger gewesen. An den Seiten bildeten sich kaum Dreiecke, über die schnelle Kombinationen nach vorne gespielt werden hätten können. Links machte sich natürlich die Abwesenheit von Christian Fuchs bemerkbar. Das Zusammenspiel des zweifellos ambitionierten Debütanten Markus Suttner mit Andreas Ivanschitz funktioniete nur im Ansatz.

Die Außenverteidiger kamen kaum einmal an die gegnerische Grundlinie. Auf rechts hatten Harnik und Garics zunächst Probleme ins Spiel zu finden. Wie schon gegen die Ukraine machte diese Flanke der Linkslastigkeit der österreichischen Spielanlage zu schaffen. Doch dies besserte sich in der zweiten Hälfte.

Die zweite Hälfte: Junuzovic bringt Schwung

Nach der Pause wurde das Spiel offener. Auch die Finnen versuchten jetzt mehr nach vorne zu spielen und lösten ein wenig die defensiven Fesseln ihres 4-3-2-1. Dadurch ergab sich im zentralen Mittelfeld mehr Platz für die ÖFB-Elf, aber auch Koller beeinflusste das Spiel mit seinen Umstellungen zum Positiven:

  • Die rechte Seite blüht auf

Harnik agierte nach der Pause offensiver und mit mehr Zug nach innen. Damit setzte er einerseits das von Koller geforderte Spiel in die Tiefe um. Andererseits bot sich dadurch Garics mehr Raum für Vorstöße. „Teilweise haben wir gut kombiniert. Martin hat mir Räume aufgemacht, weil er oft in die Mitte zog. Vielleicht hätte das Zusammenspiel noch besser sein können, aber das wird schon, je öfter wir miteinander spielen“, so der Bologna-Legionär dazu.

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