Selbstbewusste und ergebnisorientierte "Boygroup"

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Selbstbewusst und vor allem ergebnisorientiert. Auf diesen Nenner lässt sich die Grundstimmung im ÖFB-Camp vor dem Testspiel gegen Finnland in Klagenfurt bringen.

Beflügelt von Erfolgserlebnissen in den jeweiligen Vereinen soll der nächste Entwicklungsschritt gelingen und anders als beim Debüt von Teamchef Marcel Koller in der Ukraine nicht nur gut gespielt, sondern auch gewonnen werden.

„In allererster Linie geht es um das Ergebnis, das ist das Hauptziel gegen Finnland. Das war in der Ukraine wieder nicht das, was wir uns vorgestellt haben. Wir müssen speziell in Heimspielen einfach schauen, dass man Ergebnisse holt. Das wird dann für die WM-Qualifikation wichtig sein“, betont Julian Baumgartlinger.

LAOLA1 nennt vor dem Ankick die wichtigsten Brennpunkte der Partie:

  • DAS PERSONAL:

Vor allem in der Hintermannschaft muss Koller improvisieren. Nach Sebastian Prödl fällt mit Emanuel Pogatetz auch der zweite etatmäßige Innenverteidiger aus. Der Hannover-Legionär trat wegen Knieproblemen bereits die Heimreise an. „Es ist immer schlecht, wenn sich Spieler verletzen, weil man als Trainer natürlich Überlegungen anstellt, wie das Gerüst ausschaut, und Pogatetz ist ein Spieler, der zu diesem Gerüst gehört“, erklärt der Schweizer.

Als Vorsichtsmaßnahme wurde Franz Schiemer nachnominiert. Der Salzburg-Kicker wäre ohnehin im Aufgebot gestanden, war jedoch zum Zeitpunkt der Kaderbekanntgabe noch verletzt. „Ich möchte nicht einen Stürmer in der Verteidigung aufstellen, wenn morgen noch etwas passiert“, begründet Koller.

Erste Kandidaten für den Platz neben Basel-Legionär Aleksandar Dragovic im Abwehrzentrum sind jedoch die beiden Austrianer Georg Margreitter und Manuel Ortlechner. Für Letzteren spricht die Routine, für Margreitter wäre es im Länderspiel-Debüt die Chance, auf A-Team-Niveau sein Können unter Beweis zu stellen.

Da auch der Einsatz von Christian Fuchs fraglich ist, stünde mit Markus Suttner ein weiteres Veilchen vor seinem ÖFB-Einstand. Aktuell ist also nicht ausgeschlossen, dass Koller im Vergleich zum Ukraine-Match (Schiemer, Prödl, Pogatetz, Fuchs) eine komplett neu besetzte Viererkette aufbieten muss.

„Man muss flexibel sein. Es ist eine Chance für andere, sich zu präsentieren und auf sich aufmerksam zu machen“, betont der Teamchef, „ich bin schon zu lange dabei, um zu jammern oder zu trauern. Die Spieler, die hier sind, sind gut genug, sonst wären sie nicht hier. Sie haben unser Vertrauen.“ Bei der Suche nach dem gewünschten 30-Mann-Großkader für die WM-Qualifikation wäre es so gesehen die Möglichkeit, den einen oder anderen Akteur im Ernstfall zu erleben.

In Mittelfeld und Angriff sind nur bedingt Änderungen zu erwarten. Eine Option wäre, dass Neo-Werder-Legionär Zlatko Junuzovic eine Chance von Beginn an erhält. Grundsätzlich möchte Koller diesmal jedoch mehr Auswechslungen als in der Ukraine, wo er nur ein Mal getauscht hat, vornehmen. Nicht unwahrscheinlich ist, dass der Teamchef auf das Vereinsprogramm des einen oder anderen Spielers Rücksicht nimmt. Marc Janko muss zum Beispiel bereits am Freitag mit dem FC Porto in Lissabon beim großen Gipfeltreffen mit Benfica antreten. „Wenn er zwei Tore schießt, kann er nach 45 Minuten raus. Das können wir festlegen“, schmunzelt Koller.

  • DIE SPIELANLAGE:

Unabhängig davon, wer letztendlich auflaufen kann, sind die Vorgaben Kollers für diese Begegnung klar. „Wir wollen als Heimteam auftreten“, fordert der 51-Jährige und wird nicht müde zu betonen, dass er im Vergleich zu seinem Einstand den nächsten Schritt sehen will.

„Die Erwartung ist, dass wir das, was wir in der Ukraine gezeigt haben, weiterführen: Das Spiel nach vorne, die Aggressivität, agieren und nicht reagieren, versuchen, das Spiel in die Hand zu nehmen, Möglichkeiten zu kreieren und dementsprechend auch die Tore zu schießen.“

Kurzum: Koller möchte mehr Betrieb im gegnerischen Strafraum sehen, gibt jedoch gleichzeitig das Ziel aus, kein Gegentore zu kassieren: „Wenn die Finnen so spielen, wie ich mir das auf fünf Videos angeschaut habe, wird es wichtig sein, dass wir nicht in Konter laufen und gut absichern.“ Nachdem der Betreuerstab der Mannschaft am Montag Szenen der Ukraine-Partie vorführte, steht am Dienstagabend das Videostudium der Nordeuropäer am Programm.

Das System bleibt mit 4-2-3-1 das gewohnte. Koller legt Wert darauf, dass in dieser Formation erst einmal jeder Handgriff bezüglich seiner konkreten Vorgaben sitzt, ehe er den nächsten Schritt wagt: „Sicher wird es irgendwann einmal das Ziel sein, ein anderes System dazu zu nehmen, aber das ist jetzt viel zu früh.“

  • DER GEGNER:

Der finnische Teamchef Mixu Paateleinen hat seine geplante Aufstellung bereits einen Tag vor dem Spiel bekannt gegeben. „Das ist schon ungewöhnlich“, erklärt Koller und lehnt eine ähnliche Vorgehensweise wohl nicht nur deshalb, weil er diesmal noch das eine oder andere Fragezeichen beantworten muss, ab.

Die Nummer 79 der FIFA-Weltrangliste beschreibt der Schweizer wiefolgt: „Sie versuchen mit Ballkombinationen im Mittelfeld den Spielaufbau zu machen und immer wieder mit Steilpässen nach vorne zu kommen. In den Spielen, die ich angeschaut habe, sind sie immer wieder zu Möglichkeiten gekommen.“

  • SPIELER IM BLICKPUNKT:

Einerseits darf man gespannt sein, wie sich György Garics bei seinem Comeback schlägt. Der Bologna-Legionär bekommt die Chance, sich als Lösung auf der Problem-Position rechts in der Viererkette anzubieten. Andererseits bekommt Dragovic seine Bewährungsprobe. Sind alle Kandidaten fit, herrscht in der Innenverteidigung großes Gedränge. Der frühere Austrianer hat beim FC Basel einen enormen Schritt nach vorne gemacht. „Im Champions-League-Spiel gegen die Bayern hat er hervorragend gespielt. Er hat ja schon vorher in der Schweizer Liga auf sich aufmerksam gemacht. Dort ist er Stammspieler, je mehr Spiele du machst, desto mehr Erfahrung bekommst du“, meint Koller. Der 20-Jährige hat sich jedenfalls vorgenommen, auch im ÖFB-Team ein Stammleiberl zu erkämpfen: „Das ist sicherlich das Ziel.  Ich versuche meine Leistungen zu bringen. Im Endeffekt hängt es vom Trainer ab, wen er aufstellt."

  • DAS SELBSTVERTRAUEN:

Sorgenkinder gibt es innerhalb des ÖFB-Aufgebots derzeit wenige. Vor allem bei den meisten Legionären läuft es im Verein gut, bei einigen sogar ausgezeichnet – sei es Martin Harnik mit seinem Erfolgslauf, Janko mit dem guten Start in Porto, Junuzovic mit dem geglückten Einstand in Bremen, Alaba, der bei Bayern auffällig agiert, oder auch Goalie Robert Almer, der sich pünktlich vor der Abreise zum Nationalteam zur Nummer eins bei Düsseldorf nach oben gearbeitet hat.

Eine gute Laune, die sich auf das rot-weiß-rote Camp in Pörtschach übertragen hat. „Die Boygroup hat sehr viel Selbstvertrauen, sie sind frisch und munter“, findet Koller. Der Schweizer schätzt den Wohlfühl-Faktor beim Team, warnt jedoch gleichzeitig: „Das Wichtigste ist aber immer, dass sie das auf dem Platz rüberbringen. Es bringt nichts, wenn du Spaß hast, Friede, Freude, Eierkuchen herrscht und beim Spiel kriegst du jedes Mal eine auf den Deckel. Es muss schon bewusst sein, dass wir Ergebnisse erzielen wollen. Man muss wissen, wo der Spaß aufhört. Am Platz muss man zielorientiert sein.“

  • KEIN WINTERSCHLAF:

Zielorientiert werkte Koller auch während der Winterpause. Um in diesem Mini-Camp nicht wieder bei null anfangen zu müssen, hielt er in den vergangenen Monaten Kontakt zu den Spielern. „Ich glaube, er ist zu allen Legionären geflogen, war bei jedem Verein in Österreich, hat Videoanalysen gemacht und in Gesprächen jene Inhalte vermittelt, die er sich vorstellt. Deswegen war die Pause gar nicht so groß, wie sie nach außen hin gewirkt hat“, erzählt Baumgartlinger.

Vielleicht hilft es, beim Auftakt ins neue Länderspiel-Jahr präsenter zu sein als in der jüngeren Vergangenheit. In den letzten 15 Jahren gab es dabei nämlich nur drei Siege. Dafür ist der jüngste noch gar nicht so lange her. 2010 wurde Dänemark im Happel-Stadion 2:1 geschlagen.


Peter Altmann

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