Flucht aus dem Alltag

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"Es ist wichtig, dass ich den Kopf frei bekomme"

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Die Erleichterung war merklich spürbar.

Das ÖFB-Team hat die Pflichtaufgabe gegen die Färöer souverän erledigt, beim 6:0 gegen den Underdog kam von Anpfiff weg kein Zweifel über den Ausgang dieses WM-Quali-Spieles auf.

So zeigten sich die Teamspieler gelöst nach der Partie, in der sie eigentlich nur verlieren konnten. Sie haben aber vor allem an Selbstvertrauen gewonnen. Für den einen oder anderen nicht unwesentlich.

Etwa für Zlatko Junuzovic. Der Mittelfeldspieler konnte mit dem ÖFB-Team das feiern, was ihm seit über einem Monat mit seinem Verein Werder Bremen verwehrt blieb: Ein Erfolgserlebnis.

Offensichtliche Erleichterung

„In Bremen herrscht eine schwierige Situation. Für mich sind die Tage hier sehr wichtig, dass ich den Kopf frei bekomme“, gibt der 25-Jährige nach dem Kantersieg unumwunden zu.

Vor allem nach seinem Treffer zum 4:0 war eindeutig zu sehen, dass der Stein, der sprichwörtlich vom Herzen flog, ein riesiger war. „Da brauchen wir nicht zu reden“, bestätigt der Deutschland-Legionär nach seinem dritten Treffer für die Nationalmannschaft in seinem 25. Länderspiel.

Nach einem bislang überaus enttäuschenden Frühjahr, nur acht Punkte aus neun Spielen, sind die Norddeutschen gezwungen, nach unten zu blicken. Auf Platz 14 haben die Bremer nur sechs Punkte Vorsprung auf den FC Augsburg, der aktuell den Relegationsplatz einnimmt.

Situation nicht leicht ausblendbar

„Ich habe in den letzten Tagen probiert, die Situation auszublenden – das gelingt nicht immer, weil man immer wieder darauf angesprochen wird. Die Tage hier tun natürlich sehr gut – man trifft alte Freunde, sieht andere Sachen, wieder zu Hause in Wien zu sein ist auch schön, von dem her tut mir das sehr gut. Ich freue mich immer wieder, wenn ich im Team dabei bin“, erklärt Junuzovic.

Ein wenig hat ihn die Werder-Gegenwart im Happel-Stadion dann doch eingeholt, schließlich war Trainer Thomas Schaaf zu Gast. Nervös war der ehemalige Austrianer deswegen aber nicht.

„Eigentlich ist das kein Problem, es sitzen ja auch viele andere Personen da, auch schon jahrelang, von dem her bin ich in diesen Sachen jetzt schon ein bisschen erfahrener. Ich versuche Spaß und Freude am Fußball zu haben. Da ist mir eigentlich egal, wer zuschaut.“

Und Bremen spielt in Tagen wie diesen ohnehin nur eine Nebenrolle. „Ich hoffe, die Situation legt sich wieder, indem wir einfach ein paar Punkte holen. Wichtig ist für mich jetzt das Irland-Spiel, alles andere, Bremen und so weiter, kommt alles nachher“, setzt der Mittelfeldspieler, der im Gegensatz zu seinen Vereinskollegen Marko Arnautovic und Sebastian Prödl zuletzt spielte, Prioritäten.

Schlüsselspiel Irland

Das Gastspiel in Irland am Dienstag ist für Junuzovic „wohl das Schlüsselspiel“ hinsichtlich der weiteren Qualifikation für die WM in Brasilien: „Es wird nicht einfach, aber wir haben Chancen, dort zu gewinnen. Ich glaube, es war gut, dass das Färöer-Spiel das erste von diesen beiden war. Jetzt haben wir Selbstvertrauen getankt, wir wissen um unsere Situation. Von dem her werden wir in den nächsten Tagen einen richtigen Schub an Motivation kriegen, um dort zu bestehen.“

Dafür braucht es laut Junuzovic trotz dieses klaren Sieges eine Steigerung zum Färöer-Spiel, man müsse ordentlich Gas geben gegen eine deutlich aggressivere irische Mannschaft. Das 0:0 der Iren in Schweden hat die Ausgangsposition verbessert, „die müssen wir jetzt nützen.“

Lob für Hosiner

Im Aviva-Stadium zu Irland, das 50.000 Zuschauer beherbergen kann und 2700 österreichische Fans beherbergen wird, könnte der Doppelpack-Held gegen Färöer, Philipp Hosiner, wieder stürmen. Das erstmalige Zusammenspiel war für Junuzovic ein sehr positives.

„Er hat sich viel bewegt, ist in die Räume reingegangen, hat viel für Unruhe gesorgt und wir konnten kombinieren. Es hat sehr gut funktioniert, mal sehen, wen der Trainer im nächsten Spiel aufstellt. Vielleicht kriegt er wieder die Chance und vielleicht macht er wieder ein Tor“, so der Kärntner, der über den Burgenländer sagt: „Er hat starke Qualitäten, er kann für Furore sorgen.“

Dies wäre am Dienstag seitens des Nationalteams überaus gefragt. Und sollte dies tatsächlich gelingen, dann kehrt Zlatko Junuzovic am Mittwoch bestens gelaunt nach Bremen zurück. Sozusagen eine Win-Win-Win-Situation.

 

Bernhard Kastler

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