Koller stellt klar: "Wir glauben an diese Spieler"

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Irgendwann riss Marcel Koller der Geduldsfaden.

„Jetzt muss ich einmal dazwischenhauen“, reichte es dem Teamchef bei der Kaderbekanntgabe für die beiden WM-Qualifikationsspiele gegen Färöer und in Irland.

„Wir müssen uns hier ja nicht zu Tode jammern und alles schlecht sehen“, forderte der Schweizer angesichts der aktuell herrschenden Negativstimmung.

Diese begründet sich darin, dass einige Stammkräfte des ÖFB-Teams bei ihren Arbeitgebern derzeit nicht erste Wahl sind.

„Sie haben das Fußballspielen nicht verlernt“

Koller hält dennoch an Marc Janko, Emanuel Pogatetz und Co. fest. Im Vergleich zum Testspiel in Wales kehrt nur der damals verletzte Stuttgart-Legionär Martin Harnik ins Aufgebot zurück, ansonsten bleibt alles beim Alten.

„Wir glauben an diese Spieler und sind überzeugt, dass sie das Fußballspielen nicht verlernt haben, dass sie das weiter umsetzen können“, vertraut der Teamchef weiterhin dem von ihm auserwählten Kader, sieht jedoch auch eine Bringschuld bei seinen Schützlingen:

„Wir wissen auch, dass sie das auf den Platz bringen müssen. Nur Blabla und große Sprüche nach außen sind zu wenig. Wir brauchen Leistung im Spiel. Dort muss sich jeder bewusst sein, dass er dazwischenhaut und das Maximum aus sich herausholt.“

Der 52-Jährige bleibt damit seiner Linie treu und setzt auf Kontinuität. Er wiederholte sein Argument, dass es bezüglich der Dichte an Alternativen eng werden würde, wenn er Kandidaten, die bei ihren Klubs nicht regelmäßig zum Zug kommen, außen vor ließe: „Es ist nicht so, dass wir sagen können: ‚Wenn du nicht spielst, spielst du bei uns auch nicht.‘“

„Müssen uns nicht selbst noch tiefer in den Keller runterziehen“

Koller betonte, dass sich die Situation im Fußball sehr schnell ändern könne, vor nicht allzu langer Zeit sei noch allerorts geschwärmt worden.

„Im letzten Jahr war es perfekt“, erinnerte er, „damals haben alle durchgängig geschrieben, dass Österreich noch nie so eine starke Nationalmannschaft hatte – alles Legionäre, die überall spielen, die top in Form sind.“

Aktuell ist das Standing vereinzelter Spieler bei ihren Vereinen ein anderes. „Aber deshalb müssen wir uns nicht selbst noch tiefer in den Keller runterziehen. Die Jungs können Fußball spielen. Wir werden versuchen, sie auch so aufzumuntern und ihnen Selbstvertrauen mitzugeben, dass sie diese zwei Spiele entsprechend angehen können.“

Im Camp vor dem Färöer-Spiel wird der Teamchef also wohl mehr als sonst als Psychologe gefordert sein. Für die Zeit, in der die Teamspieler nicht in seiner Obhut sind, fordert er jedoch durchaus mehr Investment von ihnen.

„Es ist nicht der Trainer Schuld“

„Ich habe schon nach dem Wales-Spiel gesagt: ‚Es ist zu wenig, wir müssen mehr tun! Wenn ihr in den Klub geht und nicht spielt, müsst ihr auch mehr tun.‘“

Die favorisierte Begründung von Kickern, die nicht zum Einsatz kommen, ist laut Koller jene, dass der jeweilige Coach die Schuld trägt. Das sieht der Eidgenosse anders:

„Nein, es ist nicht der Trainer Schuld. Der Trainer ist überall unter Druck, der Trainer muss gute Spiele zeigen. Also wird er jene Spieler auf den Platz schicken, bei denen er das Gefühl hat, dass er mit diesen Spielern das Spiel gewinnen kann. Das ist überall so.“

Auch wenn man es ob der Konkurrenzsituationen in ausländischen Top-Ligen bisweilen akzeptieren müsse, wenn man draußen sitzt, fordert Koller noch mehr Ellbogenmentalität von seinen Spielern. „Weiter geht’s, daran bleiben!“, sei das Motto, „ich kann ihnen nur sagen: ‚Haut euch rein, ihr müsst euch anbieten.‘“

Alaba als Linksverteidiger?

Mit David Alaba verfügt der ÖFB-Coach über einen Star, der bei einem der besten Vereine der Welt keine Sorgen um seinen Stammplatz hat. Der 20-Jährige ist beim FC Bayern München als Linksverteidiger gesetzt.

Koller plant weiter im zentralen Mittelfeld mit ihm, schließt jedoch angesichts der jüngsten Probleme von Christian Fuchs auf Schalke einen Positionswechsel nicht gänzlich aus:

„Das ist nicht in Stein gemeißelt. Wenn es die Situation notwendig macht, müssen wir natürlich das Beste für uns herausholen. Dann soll der Spieler da spielen, wo er dem Team am meisten bringt.“

Wie auch immer der Schweizer in dieser und auch in anderen Personalfragen entscheidet – er weiß, dass er im Endeffekt dafür geradestehen muss, egal ob positiv oder negativ.

Koller trocken: „Es fällt doch immer auf den Teamchef zurück.“

Peter Altmann

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