"Dann muss der Teamchef nicht gleich alles umdrehen"

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Es war das Thema, das die Vorbereitung auf das Färöer-Spiel medial dominiert hat: Die mangelnde Spielpraxis bzw. die Formschwankungen einiger Nationalspieler.

Eine legitime Thematik. Im umgekehrten Fall wird man von Seiten des ÖFB-Lagers schließlich auch nicht müde zu betonen, wie gut jeder einzelne Akteur in Schuss sei.

Zuletzt erlebt letzten Herbst, als die Mehrzahl der Legionäre bei ihren Arbeitgebern Höhenflüge erlebte. Trotzdem fuhr man nicht die erhoffte Punkteausbeute ein.

Diesmal liegt es am ÖFB-Team zu beweisen, dass man dem vermeintlichen Negativtrend trotzen und trotz persönlicher Probleme im Verein beim Nationalteam seine Leistung abrufen kann.

Eben den Alltag beiseite zu schieben, wie dies vielfach proklamiert wurde.

„Team eine eigene Geschichte“

„Ich denke, das Team ist immer eine eigene Geschichte“, will Julian Baumgartlinger das jeweilige Standing im Verein nicht überbewerten.

Auch er erinnert an den Herbst: „Vor dem Spiel in Kasachstan waren alle fit und bei ihren Klubs im Rhythmus, trotzdem haben wir uns schwer getan.“

Der Mainz-Legionär, gegen die Färöer wegen einer im Training erlittenen Fußverletzung fraglich, zählt zu jenen ÖFB-Kickern, die bei ihren Vereinen keinerlei Sorgen plagen.

Es gibt auch andere Beispiele. Etwa Sebastian Prödl, der mit und bei Werder Bremen ein schwieriges Frühjahr erlebt. Einerseits durch die sportliche Talfahrt des Vereins, andererseits weil er persönlich nicht in den Rhythmus kommt.

„Ich habe die Qualität, bald wieder zu spielen“

Wobei man betonen muss, dass der Steirer vor seiner Rotsperre aufgrund des Ausschlusses gegen Bayern wieder in die Startelf zurückgekehrt war. Seit er wieder spielberechtigt ist, stand nur das 2:2 gegen Greuther Fürth auf dem Programm.

Da saß er auf der Bank – anscheinend eine Nachwirkung des Platzverweises: „Nach meinen zwei Spielen Sperre wurde dem Verteidiger-Duo (Assani Lukimya und Mateo Pavlovic; Anm.d.Red.) noch eine Chance gegeben, auch weil im Spiel davor in Gladbach eine gute Defensiv-Organisation vorherrschte. Das habe ich akzeptiert – aber nicht auf Dauer, das werde ich im Training zeigen.“

Prödl fährt also die Ellbogen aus und will sich seinen Platz auf sportlichem Weg zurückerkämpfen. Im fünften Jahr in der deutschen Bundesliga weiß der 25-Jährige natürlich längst, dass er die Mannschaft weiterbringen kann:

„Ich versuche, ruhig zu bleiben und nicht die Nerven wegzuwerfen. Ich habe die Qualität, bald wieder zu spielen. Ich bin mir auch sicher, dass ich in dieser Situation der perfekte Mann bin, um weiterzuhelfen.“

Die Bremer Talfahrt

Wobei in Bremen wohl die komplette Mannschaft gefordert ist. Derzeit trennen Werder nur sechs Punkte von einem Relegationsplatz, am Spieltag nach der Länderspielpause wartet das Österreicher-Duell in Mainz.

Aufgrund der Talfahrt steht das Team derzeit im Kreuzfeuer der Kritik, ergo gelte es laut Prödl sich intern zusammenzuraufen: „Von außen ist genug Input von verschiedenen Medien und Menschen gekommen, genügend Meinung gemacht worden. Wir müssen Ruhe bewahren und negative Dinge, die auf uns einprasseln, abwehren.“

Nach oben orientiere man sich derzeit jedenfalls nicht: „Wenn man zu Hause gegen Augsburg und Fürth nicht gewinnt, hat man nicht die Berechtigung, weiter nach oben zu schauen. Wenn wir das begreifen, können wir auch leichter mit der Situation umgehen.“

Sollte Prödl seinen ÖFB-Stammplatz behalten, kann er gegen die Färöer auch im Hinblick auf den Verein Eigenwerbung betreiben, denn Werder-Coach Thomas Schaaf wird persönlich im Happel-Stadion anwesend sein.

„Außer es wird ein Cristiano Ronaldo geboren“

Die Problematik mit der fehlenden Spielpraxis ist für den früheren Sturm-Kicker ein hochgespieltes Thema:

„Das Problem wird mehr von den Medien erzeugt, hier wird zu viel Meinung gemacht“, findet Prödl, „uns wäre es lieber, wenn die Medien mehr berichten als Meinung zu machen. Es ist so, dass der Teamchef auf Kontinuität setzt und von Anfang an gesagt hat, dass es hilft, einen Stamm aufzubauen, um die nächsten Jahre erfolgreich Fußball zu spielen. Wir sind eine junge, erfolgreiche und hungrige Truppe, von dem her gibt es keinen Anlass, das zu wechseln. Außer es wird hier ein Cristiano Ronaldo geboren, was ich so schnell nicht sehe.“

Gelingt es, wäre auch die leidige Causa prima vom Tisch. Letztlich würde ohnehin die Leistung zählen, wie Prödl betont:

„Wenn die nicht stimmt, wird der Spieler hier wohl nicht mehr dabei sein. Wenn man von der Qualität der Spieler überzeugt ist, dann ist es ein wichtiges Zeichen vom Trainer an die Mannschaft, dass er ihr vertraut. Es ist ja nicht so, dass wir, wenn wir zwei Spiele nicht spielen, alles verlernt haben.“

Nachsatz: „Ich glaube, wenn man sich die österreichische Konferenz und die deutsche Konferenz am Samstag ansieht, dann weiß man den Grund, warum wir einberufen werden.“

An dieser Theorie mag mehr als ein Körnchen Wahrheit dran sein…

Peter Altmann/Bernhard Kastler

Der Innenverteidiger spricht damit den Kern des Themas an. Mal abgesehen davon, dass sich aktuell nicht rasend viele Alternativen aufdrängen, um ins Aufgebot nachzurücken, kann Marcel Koller ob seiner gewählten Strategie, einen relativ fixen Kader zu suchen und Schritt für Schritt seine Inhalte zu vermitteln, gar nicht vor jedem Länderspiel massig Spieler austauschen.

Als einzelner sei es laut Baumgartlinger „nicht so schwer, ins Gefüge reinzukommen. Ich denke, dass alle, die neu dazukommen, taktisch und technisch so gut ausgebildet sind, dass es kein Problem ist. Da hilft man sich auch untereinander, um sich einzufinden und die Taktik zu verinnerlichen. Es ist aber schon entscheidend, dass der große Stamm von 18 oder 19 Spielern bleibt und wir auf der zentralen Achse über viel Kontinuität zu verfügen.“

„Dann muss der Teamchef nicht gleich alles umdrehen“

Wie schwer ist es eigentlich, in einer Partie in Fahrt zu kommen, wenn man nicht über regelmäßige Spielpraxis verfügt?

„Man merkt schon, dass man eventuell ein bisschen länger braucht, um ins Spiel reinzukommen. Andererseits sind das Spieler, die routiniert genug sein müssten, um so etwas beiseite zu legen“, erklärt György Garics.

Auch der Bologna-Legionär, der sich bei seinem Verein derzeit Stammspieler nennen darf, will das Thema nicht überbewerten: „Leider Gottes hat es jetzt einige von uns getroffen, die bisher Woche für Woche gespielt haben. Sie können ohnehin nur dranbleiben. Das Radl kann sich genauso schnell wieder in die positive Richtung drehen, wie es sich in die negative gedreht hat. Dass sie die Qualität haben, in diesen Mannschaften spielen zu können, haben sie schon bewiesen.“

Außerdem sei es laut Meinung von Österreichs Serie-A-Vertreter „ja nicht so, dass sie seit Jahren nicht spielen und immer wieder einberufen werden. Das wäre dann meiner Meinung nach nicht gerechtfertigt. Aber es kann mal passieren, dass man in einer negativen Periode ist, zwei, drei Mal nicht spielt und dazwischen ist vielleicht ein Länderspiel. Dann muss der Teamchef nicht gleich alles umdrehen.“

Ein Vergleich der Samstags-Konferenz

Koller vertraut also dem aufgebauten Gebilde. Die Spieler haben gegen die Färöer und in Irland die Gelegenheit, dieses Vertrauen zurückzuzahlen.

Wie wichtig diese beiden Partien sind, muss nicht extra betont werden. Garics selbst peilt die maximale Ausbeute an: „In den nächsten Tagen müssen wir Resultate bringen. Wenn wir weiter das Ziel verfolgen möchten, bei der WM 2014 dabei zu sein, müssen wir sechs Punkte machen.“

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